2021: "Die Erholung der Börsen wird deutlich"

In den USA erreichen die Börsen neue Rekordstände, in Europa gab es zuletzt ebenfalls kräftige Kurssprünge. Haben Anleger das beste vom Post-Corona-Aufschwung bereits verpasst?

2021: "Die Erholung der Börsen wird deutlich"

Die Börsen sind zuletzt noch einmal richtig abgegangen, speziell in den USA. In Europa reagieren die Börsen ebenfalls mit Aufschlägen, auf die Nachricht von der hohen Wirksamkeit von Impfstoffen und die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten - wenn auch nicht ganz so eindrucksvoll.

Bleibt bei so vielen Vorschusslorbeeren für eine Trendwende der dar niederliegenden Corona-Wirtschaft überhaupt noch Platz für weitere Kurszuwächse im neuen Jahr? Oder haben Privatanleger wieder die Rallye verpasst? Experten glauben nicht. Im nächsten Jahr soll schließlich erst das große Wirtschaftswachstum einsetzen. „In der zweiten Hälfte 2021 kommt eine starke Erholung“, prognostiziert Keith Wade, Chefökonom bei Schroders in London. Damit werden auch die Anleger mit guten Nachrichten in Kauflaune versetzt.

Anleger leben eben in der Zukunft und sehen den Börsenhimmel längst in strahlendem Blau. Daran kann auch die aktuell noch hohe Infektionsrate und viele Unternehmen in Not nichts ändern. „Der Bullenmarkt ist intakt“ befindet denn auch Stephan. Wenn der Weg zu einer Rückkehr zur Normalität in der Wirtschaft auch ein steiniger ist. „Die Ausbreitung des Virus wird bei Anlageentscheidung 2021 eine deutlich geringere Rolle spielen als heuer. „Die Erholung im nächsten Jahr wird deutlich ausfallen“, so der Investmentexperte.

Yellen: Was kümmern mich Schulden, wenn die Zinsen niedrig sind?

Der Staat und die Zentralbanken werden weiterhin das ihre Tun, um der Konjunktur neues Leben einzuhauchen. So rechnet Börsenkommentator Markus Koch damit, dass die Zentralbanken ihren starken Stimuli auch noch in den nächsten zwei Jahren fortsetzen werden. In den USA wird die Nominierung von Ex-Notenbankerin Janet Yellen als Finanzministerin als Garant für lockere Geldpolitik gesehen. Ihre Nominierung wurde denn auch an der Börse mit Kurssprüngen quittiert. Deutsche-Bank-Anlagechef Ullrich Stephan verdeutlicht ihre Einstellung mit einem ihrer Aussprüche: ´Was kümmern mich Schulden, wenn die Zinsen niedrig sind und die Wirtschaft wächst´. Stephan resümiert: „Yellen wird versuchen die Wirtschaft am Laufen zu halten und eher mehr Geld ausgeben als weniger.“

Die Sorge vor einer überschießende Inflation wird von der Deutschen Bank im kommenden Jahr als minimal eingestuft, selbst wenn weltweit hunderte Milliarden in die Wirtschaft gepumpt wurden, denen kein realer Gegenwert gegenüber steht. „Wenn man die Entwicklung auch im Auge behalten muss“, gibt sich Stephan nicht gänzlich unbekümmert. Auch bei Schroders erwartet man keinen Preisschub. „Ein deutliches Anziehen der Inflation ist nur zu erwarten, wenn die Löhne stark steigen“ argumentiert Chefökonom Wade. Aber das sei nicht zu erwarten. Leicht steigende Löhne wären sogar wünschenswert und ein Zeichen für eine nachhaltig wachsende Wirtschaft.

Europa und USA: Living in a different world

In Europa ist für Anleger jedenfalls noch nichts verloren. Vielmehr ist, gemessen an den Index-Veränderungen der großen Börsen, noch einiges zu holen. Das deutsche Börsenbarometer Dax etwa steht, trotz einiger Hochs und Tiefs, fast genau am selben Fleck wie vor drei Jahren. Außer Spesen nichts gewesen. Beim Austro-Index ATX wären Anleger froh, könnten sie wenigstens das behaupten. Hat der Leitindex doch in drei Jahren 22 Prozent eingebüßt. Der jüngste Anstieg um 17 Prozent ist da für Langfristinvestoren höchstens ein schwacher Trost. Ganz anders sieht die Welt in den USA aus. Die Kurse sind in wenigen Jahren so stark gestiegen als wäre es, verglichen mit dem europäischen Aktien, ein Index von einem risikobehafteten Schwellenland. Nach drei Jahren steht beim S&P 500 ein dickes Plus von 40 Prozent.

Wird dieses Leben in zwei Welten 2021 weitergehen? Experten glauben eher nicht. Europäische Aktien könnten 2021 endlich in die Gänge kommen und die Entwicklung von US-Titeln in den Schatten stellen. Davon geht etwa Stephan Ulrich, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank aus oder Schroders Chefökonom Wade. Wenn ein Schwenk Richtung Europa auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder aufs Neue vorgesagt wurde und nie eingetreten ist. Das Wirtschaftswachstum der beiden Industrieblöcke ist ähnlich hoch. Die britische Fondsgesellschaft Schroders rechnet für die USA im neuen Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent, ebenso für Deutschland. Für China wird ein BIP-Plus von sieben bis acht Prozent vorausgesagt, für Großbritannien eines von fünf Prozent.

Trotz eines ähnlichen Wirtschaftswachstums in Europa und den USA könnte aber diesmal trotzdem Europa das Rennen um die Gunst der Anleger machen. „Europa und auch die Emerging Markets könnten deutlich besser abschneiden als die USA“, so Deutsche-Bank-Chefanleger Stephan. Insgesamt sollte es aber sowohl für die USA, Europa als auch Asien ein gutes Anlagejahr werden, darüber sind sich der Konsensus der Anlegeexperten einig. Ganze 91 Prozent der von der Bank of America befragten Börsenprofis rechnen 2021 mit einer Erholung der Wirtschaft. Die Deutsche Bank geht für die Weltwirtschaft von einem Wachstum von fünf Prozent aus.

Preiswerte Old-Economy-Werte

Für Europa spricht vor allem die Erholung der Wirtschaft insgesamt. Von einer solchen würden konjunktursensible Werte, sogenannte Zykliker, am stärksten profitieren. Diese sind in Europa weitaus häufiger vertreten als in den USA. Zu solchen zyklischen Unternehmen etwa solche, die der Old Economy zuzurechnen sind, wie klassische Industriewerte. „Viele dieser Titel sind preiswert und haben Aufholpotential“, so der Deutsche-Bank-Experte. Der US-Aktienindex S&P dagegen, der zu 30 Prozent mit großen Techwerten vollgesogen ist, verfügt in einem Aufschwung, nach der Stay-at-Home-Rallye, nur über begrenzte Kurschancen.

Die „Stay-at-home-Aktien“, die von Corona-Beschränkungen der Bevölkerung in diesem Jahr überproportional zulegten, - dazu zählen Facebook, Amazon oder Apple, könnten dagegen 2021 das Nachsehen haben. „Papiere von Software- oder Chipherstellen sind schon zu teuer, um jetzt noch hinterher zu springen“, so Stephan. Noch schwanken die Anleger zwischen dem Kauf von ausgebombten Zyklikern, darunter auch Unternehmen der Freizeit- und Reisebrache, um anderntags wieder in Covid-Lockdown-Profiteure zu investieren. 2021 wird sich das Bild jedoch aufhellen und Investments in Zykliker zunehmen.

Selbst wenn Aktien wie die Lufthansa, die in einem Monat einen Kurszuwachs von 22 Prozent erzielte, oder die Aktie des Flughafens Fraport, die in der Zeit um 35 Prozent kletterte, „ist das nur eine vergleichsweise kleine Bewegung nach oben, angesichts des vorangegangenen großen Absturzes“, resümiert Stephan. So hat es die Lufthansa-Aktie in den letzten drei Jahren ordentlich in der Luft zerrissen. Unterm Strich steht bei beiden Aktien ein Minus von knapp 40 Prozent. Die jüngste Bewegung nach oben, fällt in der Langfristbetrachtung, daher gar nicht groß auf.

Corona befeuert Strukturwandel in Industrie und Dienstleistungssektor

Als Hemmschuh für den Aufschwung ortet Schroders Ökonom Wade jedoch vielmehr die unzähligen Arbeitslosen, die durch Corona ihren Job verloren haben, wieder in Beschäftigung zu bringen. „Für viele, gerade im Dienstleistungssektor, wird es kein Zurück mehr geben. Viele Jobs wird es nicht mehr geben, da etliche Dienstleister für immer schließen werden oder mit deutlich weniger Personal auskommen werden“, glaubt der Volkswirt. Vor allem Länder wie Großbritannien mit einem großen Dienstleistungssektor würden das zu spüren bekommen.

Als Hemmschuh für den Aufschwung ortet Schroders Ökonom Wade jedoch vielmehr die unzähligen Arbeitslosen, die durch Corona ihren Job verloren haben, wieder in Beschäftigung zu bringen. „Für viele, gerade im Dienstleistungssektor, wird es kein Zurück mehr geben. Viele Jobs wird es nicht mehr geben, da etliche Dienstleister für immer schließen werden oder mit deutlich weniger Personal auskommen werden“, glaubt der Volkswirt. Vor allem Länder wie Großbritannien mit einem großen Dienstleistungssektor würden das zu spüren bekommen.

Einen stärkeren strukturellen Wandel, der sich durch Corona noch schneller vollziehen wird, sieht der Schroders Ökonom auch in der Industrie. „In den nächsten drei bis vier Jahren wird der Anteil der Roboter in Industrieunternehmen deutlich zunehmen“, erwartet Wade. Die Gefahr , die er dabei sieht: „Nach Corona könnte es dadurch zu einer Erholung ohne großen Beschäftigungseffekt kommen.“ Für die durch Roboter ersetzen Arbeiter würden Umschulungen nötig sein. Wade: „Statt in der Produktion oder im Service wird der Bedarf im Verkauf steigen."

Anleger könnten angesichts eines voranschreitenden technologischen Wandel und anspringender Konjunktur die Gelegenheit beim Schopf packen und wieder stärker in Aktien investieren. „Bis jetzt sind Anleger noch immer sehr vorsichtig. Seit 2018 gab es unterm Strich aus Aktienfonds nur Abflüsse und nur Zuflüsse in Anleihenfonds“, so Deutsche-Banker Stephan. Das könnte sich 2021 ändern.

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