Erdogans Staatsfonds: Ein Vabanquespiel

Erdogans Staatsfonds: Ein Vabanquespiel

Über den Turkey Wealth Fonds will sich die Türkei Milliarden für dringend benötigte Infrastrukturprojekte holen. Dabei sind jedoch noch viele Fragen offen. Auch, ob ein Investment in diesen Fonds für Anleger profitabel sein kann.

Es ist ein Staatsfonds der etwas anderen Art: Im Februar hat die Türkei Anteile an ihren wichtigsten Staatsbetrieben in den zuvor angelegten staatlichen Wohlfahrts-Fonds verschoben, um auf diese Weise Gelder von internationalen Anlegern einzusammeln und mit dem Kapital zu niedrigen Zinsen Infrastrukturprojekte wie Straßen, Schulen oder Krankenhäuser zu finanzieren.

Die Anteile an Unternehmen wie Turk Telekom, Turkish Airlines, Halk Bank, Turksat oder dem Teehersteller Caykur sind mehrere Milliarden Dollar wert. Geplant ist, das Volumen des Fonds zügig auf 200 Milliarden Dollar zu erhöhen. Mehmet Bostan, der Manager des Turkey Wealth Funds, erklärte, dass es ein riesiges Interesse von Investmentbankern aus New York und London gäbe.

Fonds wie der Turkey Wealth Funds stehen im Gegensatz zu klassischen Staatsfonds rohstoffreicher Länder wie Norwegen oder Kuwait, die für ihr Billionenvermögen weltweit Anlagemöglichkeiten suchen, um ihre Landeswährung gegen Inflation zu schützen, Preisschwankungen von Rohstoffen auszugleichen oder die Altersvorsorge der Bürger zu gewährleisten.

Kritik: Marketing-Gag, Ausverkauf

Zahlreiche Experten zweifeln daher auch an den Plänen der Türkei. "Ein Staatsfonds wird normalerweise dafür genutzt, Geld anzulegen, das durch Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet wurde. Mit einem Staatsfonds in der Türkei wird dagegen öffentliches Vermögen verschleudert, das das Land in den vergangenen Jahren aufgebaut hat", kritisiert Volkswirtschafts-Professor Refet Gurkaynak von der Bilkent Universität in Ankara. "Das ist, als ob man einen Leuchtturm im Landesinneren baut."

"Das Ganze als Staatsfonds zu betiteln ist nicht mehr als Marketing, eigentlich müssten die Gesellschaften als staatliche Holding-Unternehmen bezeichnet werden", sagt Analyst Elliot Hentov vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors.

Hintergrund ist, dass hohe Haushaltsdefizite und politische Unruhen erschweren der Türkei den Zugang zu den Finanzmärkten erschweren. Bei den großen Ratingagenturen hat das Land "Ramsch"-Status. Fachleute kritisieren, dass der Turkey Wealth Fund einen parallelen Staatshaushalt schaffe, der weniger Kontrollen unterliege und Missbrauch Tür und Tor öffne. "Die Gefahr ist, dass so Wege um die Budget-Vorschriften im Parlament herum gefunden werden und es keine Prüfung durch Minister mehr gibt", sagt Analyst Andrew Bauer vom Natural Resource Governance Institute.

Fraglich ist außerdem, wie die Rendite des Fonds errechnet werden soll. Durch den Bau von Bahngleisen oder Häfen sowie dem Aufbau eines besseren Bildungssystems könne die Konjunktur eines Landes zwar angekurbelt werden, aber es dauere Jahre, bis mögliche Erfolge sichtbar seien, erklärt Steven Behrendt, Manager bei der Beratungsgesellschaft GeoEconomica. "Ob solche Investments für Anleger profitabel sind, ist noch völlig unklar."

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