Ölpreisschock: Droht jetzt ein Rücksetzer für Konjunktur und Börsen?

Ölpreisschock: Droht jetzt ein Rücksetzer für Konjunktur und Börsen?

Die Wirtschaft und die Börsen sind bereits geschwächt. Bringt der Anschlag auf wichtige Ölförderquellen die Wirtschaft nachhaltig aus dem Lot? Was Experten nun prognostizieren und ob es sich noch lohnt jetzt Ölaktien zu kaufen.

Was derzeit am Ölmarkt passiert, hat das Potential die Wirtschaft und die Börsen nachhaltig ins Wanken zu bringen. Es sind schließlich Entwicklungen wie nach dem Ausbruch einen Krieges, die sich derzeit am Ölmarkt abspielen. In nur einem Tag ist der Ölpreis um 20 Prozent gestiegen. Die Aktienkurse von Ölkonzernen haben am Montag entsprechend reagiert. Ihre Kurse sind in wenigen Stunden senkrecht nach oben geklettert.

Die Aktie von Total stieg bis Montagmittag um 2,4 Prozent, Shell um 3,1 Prozent. Die heimische OMV schoss aus dem Stand um 4,1 Prozent in die Höhe, Ausrüster Schoeller Bleckmann um 5,1 Prozent.

Umgekehrt kommt ein höherer Ölpreis jeder Ökonomie teuer zu stehen. Die Experten tüfteln bereits an Hochrechnungen, wie sich ein solcher Rückgang, vor allem wenn dieser länger andauern sollte, auswirken könnte. Schließlich wurden mit dem Anschlag dem weltweiten Ölmarkt pro Tag 5,7 Millionen Barrel am Tag entzogen.

Diese unsicheren Aussichten und das Risiko eines länger dauernden Engpasses am Ölmarkt schlägt Anleger in die Flucht. Wichtige Aktienindizes in Europa wie der Dax oder der S&P 500 in den USA verzeichneten deshalb am Montag auch Kursverluste. Der ATX, der auch Ölwerte enthält, notiert jedoch im grünen Bereich.


Wie sind die Prognosen für die kurzfristige Entwicklung des Ölpreises?
Raiffeisen-Öl-Expertin Valentin Hofstätter: „Auch wenn der Vorfall einzigartig ist und die Zahlen dramatisch, besteht derzeit kein Grund zu übertriebener Dramatisierung.“ So hat allein Saudi Arabien Lager für den Export von rund 200 Millionen Fass Erdöl. Damit kann ein Ausfall über einen Monat lang kompensiert werden.

Ölmarkt bald wieder stabil?
Wenn es sich lediglich um einen kurzfristigen Effekt von einigen Tagen handle, werde dies keine spürbaren Auswirkungen auf die Konjunktur haben, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Andere Öl produzierende Länder könnten ihre Produktion erhöhen und den Ölmarkt stabilisieren.

Neuer geopolitischer Unsicherheitsfaktor
"Allerdings könnten die geopolitischen Unsicherheiten die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten belasten, in Deutschland und weltweit", warnte Rees. "Neben dem Handelskonflikt und dem Brexit ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu gekommen."

Industriestaaten verfügen über ausreichend Ölreserven
Um die Produktion wieder herzustellen, wird es mehrere Wochen dauern. Außerdem besitzen alle Industriestaaten genau für solche Fälle Ölreserven und sind so in der Lage die Nachfrage mehrere Monate decken zu können. Allein die USA verfügt über 600 Millionen Fass. Sie hat diese Reserven bereits zum Verbrauch freigegeben.

Russlands Energieminister Alexander Novak hat bereits Bekanntgegeben, trotz der Angriffe auf saudi-arabische Ölanlager, dass es derzeit keine Versorgungsengpässe gebe. Es gebe weltweit genug Öl in Lagerbeständen, um Lieferausfälle aus Saudi-Arabien auszugleichen, sagte der russische Energieminister. Auch sehe er keine unmittelbare Notwendigkeit, ein außerplanmäßiges Treffen von Ölförderländern innerhalb und außerhalb der OPEC einzuberufen.

Übervolle Öllager
Außerdem ist der Ölmarkt derzeit überversorgt und die internationalen Öllager so voll, dass laut dem Finanzinformationsdienstleister Reuters ein Ausfall von fünf Millionen Fass mehrere Monate dauern müsste, um die Lagerbestände gerade einmal auf den langfristigen Durchschnitt absinken zu lassen.

Selbst die Saudis produzieren derzeit weiter über ihren üblichen Mengen der letzten fünf Jahre.


Auch die Produktion in den USA ist in den vergangenen Jahren deutlich angezogen. Diese Entwicklung geht natürlich mit der guten ökonomischen Lage des Landes einher . Vor allem die Schiefergasproduktion wurde ausgeweitet. Ende 2018 lagen die Prognosen für 2019 bei einem Anstieg von rund 600.000 Fass pro Tag. Ein Anstieg der jedoch geringer ausfallen würde als das in den vergangenen zwei Jahren der Fall war.

Einzig das politische Risiko rechtfertige nach Einschätzung von Raiffeisen-Experten Hofstätter einen erhöhten Ölpreis, da ähnliche Anschläge nicht auszuschließen sind, und die Verletzlichkeit der modernen Öl-Infrastruktur gezeigt hat.

Größeres Risiko: Eskalation des Konflikts mit Iran
Das größte Risiko für weitere Ölpreisanstiege ist jedoch die Gefahr einer Eskalation des Konflikts mit dem Iran. Die USA machen das Land unter anderem für die Anschläge verantwortlich. „Durch einen Krieg im Golf würde ein weit größeres Exportvolumen an Öl unterbrochen werden und so einen relevanten Ölpreisschock auslösen“, so Hofstätter. Dieser würde die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte ernsthaft beeinträchtigen.
Ausblick:


Ölpreis auf Juli-Niveau
Da Raiffeisen den Produktionsausfall nur als vorübergehend einstuft und die Lagerbestände hoch sind, sehen die Analysten der Bank keinen Grund ihre Ölpreisprognose anzuheben. Derzeit wird mit einem Ölpreis von 64 Dollar per Barrel Ende 2019 gerechnet. Der Ölpreissprung um zehn Prozent klingt zwar dramatisch. „Doch das Niveau von 66 Dollar Brent-Öl entspricht aber gerade einmal dem Niveau von Anfang Juli.

Lohnt sich jetzt wegen des Anschlags noch Ölwerte zu kaufen?
Für Raiffeisen keine Option. „Wegen des Anschlags jetzt noch Öl long zu gehen erscheint uns zu spät. Sobald ein absehbarer Zeitplan für die Wiederaufnahme der saudischen Ölproduktion existiert, sollte der Preis sogar wieder und weiter zurückgehen“, warnt Höfstätter.

Keine nennenswerten Effekte auf Börsen erwartet
Mit nennenswerten Effekten auf andere Märkte rechnet der Experte deshalb auch nicht. Selbst die Börse in Saudi Arabien, sie hat am Sonntag geöffnet, schloss nur mit einem Minus von rund einem Prozent. Auch die globalen Aktienmärkte reagieren die Börsen recht gelassen. Asien ist sogar leicht im Plus. Außer außer China, wo Industrieproduktionsdaten mit dem schwächsten Zuwachs seit Indikation für fast 18 Jahren belasten. Der S&P-Future gab um 0,6 Prozent nach, Europa lag ähnlich stark im Minus.

Krieg gilt als unwahrscheinlich
Sollte der Anschlag in weiterer Folge zu einem Krieg mit dem Iran führen, würde auch der Ölpreis aus den Fugen geraten. So droht ein Ölpreisschock etwa, wenn die Straße von Hormuz und damit Transportroute für großen Teil der Golf-Produktion blockiert werden würde. Raiffeisen-Analyst Hofstätter: „Dieses Szenario hätte aber so negative globale Folgen, dass die Hemmschwelle dafür hoffentlich entsprechend hoch liegt.“ Entsprechend geringe Wahrscheinlich bemisst er einem solchen Szenario bei.

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