Wirtschaft und Aktienmärkte: Droht 2019 eine Rezession?

Aktienmärkte haben im Juli 2018 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Renditen von 10-jährigen US-Anleihen kletterten seither so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Klare Signale für eine bevorstehende Rezession. Experten beantworten die Frage, ob 2019 tatsächlich eine Rezession bevorsteht.

Wirtschaft und Aktienmärkte: Droht 2019 eine Rezession?

Kommt der Absturz - sowohl in der Wirtschaft als auch an den Börsen?

Der Dezember hatte es in sich. Viele Anleger glaubten schon dem Anfang vom Ende ins Auge zu sehen. In diesem Monat verzeichnete der US-Aktienindex S&P 500 die schlechteste Wertentwicklung seit 1931. Wenn der US-Index seit seinem Tief im Dezember auch wieder um 18 Prozent einen steilen Anstieg hinter sich hat - die Skepsis bleibt.

Auch oder gerade in Europa. Hier fiel auch der Rebound nicht so stark. Nach dem Absturz der deutschen Aktien seit Juni beträgt der Rückgang seither nach wie vor 14 Prozent. Bei Anleihen wiederum stiegen die Risikoprämien gegen Jahresende auf ihre langfristigen historischen Durchschnittswerte. Je höher die Erträge auf solide Staatsanleihen sind, desto weniger risikobereit sind Anleger. Weniger Risikobereitschaft bedeutet meist weniger Aktien in der Veranlagung. In der Vergangenheit waren solche Entwicklungen fast immer einwandfreie Vorzeichen einer Rezession. Doch ist die Angst diesmal gerechtfertigt?

1982, 2001 und 2008: Börsencrash und Rezession zur selben Zeit
Kurseinbrüche und Rezessionen gehen meistens Hand in Hand, wie die Ereignisse der Jahre 1982, 2001 und 2008 zeigen. Die Antwort lautet also: Ja, die Angst ist gerechtfertigt. Doch mit Einschränkungen. Ob die Wirtschaftslage solide oder auch schlechte ist – die Stimmung der Anleger und die Wirtschaftslage können auch zweierlei verschiedene Dinge sein.

Gewinnerwartungen sind entscheidend für die Börsenentwicklung
Grundsätzlich spiegeln der Finanzmarkt die Erwartungen der Anleger im Hinblick auf Gewinne und Cashflows wider. Zwar können beide starken Einfluss aufeinander ausüben, doch es gab Phasen, in denen Einbrüche an den Börsen und Rezessionen unabhängig voneinander auftraten. Das war beispielsweise 1990 (Rezession ohne Baisse- Phase) oder 1987 (Baisse-Phase ohne Rezession) der Fall.


Dieser Konjunkturzyklus unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Zyklen

Kein Umfeld, das eine Rezession begünstigt
Dieser Konjunkturzyklus unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Zyklen, so die Einschätzung von MFS Investment, das Unternehmen managt 460 Milliarden Dollar. Denn diesmal sind laut Erik Weisman, Chefökonom bei MFS „die meisten typischen Faktoren, die eine Rezession begünstigen, nicht feststellbar. Weder ist gerade ein Krieg zu Ende gegangen, noch gibt es große Angebotsengpässe, wie bei der Ölpreiskrise 1973 bis 1979. Die US-Notenbank muss auch keine eine übermäßig hohe Inflation im Zaum halten, wie Anfang der 80er Jahre. Von der Unternehmensverschuldung einmal abgesehen lassen sich kaum makroökonomische Exzesse in der US-Wirtschaft finden.“


Haben keine Überinvestitionen und keinen Aufbau von Überkapazitäten, die bereinigt werden müssten

Investitionsdynamik in den USA lässt nach
Michael Hasenstab, Vizepräsident der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich das weltweite Wachstum und die US-amerikanische Wirtschaft am Ende des Wachstumszyklus befände. Nach einigen wirtschaftlichen Anreizen durch die Politik sei nun, besonders in den USA, eine Abkühlung der Investitionsdynamik wahrzunehmen. "Aber wir haben keine Überinvestitionen und keinen Aufbau von Überkapazitäten beobachtet, die durch eine Rezession bereinigt werden müssten", so der Hasenstab in einem aktuellen Beitrag.

Aufstieg der Internetplattformen verringert den Preisanstieg
Dieser Konjunkturzyklus unterscheidet sich nach Einschätzung von Ökonom Weisman auch durch den Aufstieg der Internetplattformen von anderen. Sie bieten Unternehmen und Verbrauchern neue Möglichkeiten, ihre Geschäfte und ihren Alltag zu optimieren. Das bedeutet, die Menschen können mehr mit weniger Kapital machen, was disinflationär, also preisdämpfend, wirke. „Unternehmen haben dank Cloud-Computing beispielsweise die Möglichkeit, besser, preisgünstiger und produktiver mit Kunden zu interagieren“, hält MFS-Stratege Almeida fest.

Preisdämpfer: Firmen arbeiten effizienter, Verbraucher teilen mehr (Autos, Wohnraum)
Mithilfe von neuer Online-Technologien können Unternehmen ihre Lagerbestände besser verwalten und Kapital effizienter einsetzen. Bei Verbrauchern ist es zu einer ähnlichen „Entmaterialisierung“ gekommen. Über Internetplattformen können sich die Menschen Dinge ausleihen, die sie früher einmal selbst besitzen mussten. Auf diese Weise vermeiden sie hohe Anfangsinvestitionen in Bereichen wie Wohnraum und Transportmitteln. Wenn das auch erst in Ansätzen passiert.

Mehr Geld für Erlebnisse als für Materielles – reale Nachfrage nach Gütern konstanter aber schwächer
Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und dem Vereinigten Königreich geben Verbraucher mehr als die Hälfte ihres frei verfügbaren Budgets für Erlebnisse oder immaterielle Güter anstatt für physische Waren aus. Ähnliche Trends beobachten wir in Schwellenländern wie Indien und Kolumbien. Infolgedessen ging die Schwankungen in der realen Nachfrage zurück, was teilweise erklärt, warum dieser Konjunkturzyklus ein so geringes Wachstum aufweist, so lange anhält und durch weniger Auswüchse als frühere Zyklen gekennzeichnet ist.

US-Anleihenkurse ziehen aus Sorge für überzogener Zinspolitik an und nicht wegen Konjunktursorgen
Die Experten von MFS glauben daher, dass 2019 keine Rezession zu befürchten ist. „Der Markt für US-Staatsanleihen, der in den letzten Monaten kräftige Kurszuwächse verzeichnet hat, eher auf Bedenken wegen eines möglichen geldpolitischen Fehlers der US-Notenbank als auf eine Überhitzung der Wirtschaft schließen“, so Almeida von MFS.

Was dennoch Sorgen bereitet
„Die Gleichgültigkeit des Marktes im Hinblick auf die mageren Margen und der hohe Verschuldungsgrad machen uns langsam Sorgen. Zwar macht sich der Asset Manager weniger Gedanken über Rezessionsrisiken, warnt Anleger aber stärker als in den letzten zehn Jahren auf die Allokation Portfolios zu achten, um die Risiken besser zu verteilen.

Erwartungen der Anleger im Jänner stark gesunken
Der US-"Bond-König" Jeffrey Gundlach, sieht die Entwicklung derzeit jedoch mit größerer Sorge. „Das größte Rezessions-Signal sind die Erwartungen der amerikanischen Verbraucher für die Zukunft, im Vergleich zu der momentanen Lage. Es ist einer der schlechtesten Werte die es je gegeben hat.“ Die monatlich veröffentlichten Zahlen für den Januar zeigen tatsächlich die weiteste Spreizung, zwischen dem derzeitigen Gefühl der Verbraucher und ihren Erwartungen, seit März 2001. Der momentane Eindruck der Anleger ist demnach positiv, die Erwartungen seien aber stark gesunken. Was allerdings am kurzfristigen Shut-Down der US-Regierung gelegen sein dürfte und vielfach als vorübergehend eingestuft wird.

Derzeit sind die Anleger jedoch wieder bereit ins Risiko zu gehen. So erzielen beispielsweise Hochzinsanleihen die beste Performance seit 2016.

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