Dritter Markt: Neuer Tummelplatz für KMUs und Start ups startet

Die Wiener Börse bietet klein- und mittelständischen Unternehmen ab heute die Möglichkeit an der Börse zu notieren. Acht Unternehmen sind vom Start weg dabei. Die wichtigsten Fakten und wie der erste Tag an der Börse verlaufen ist.

Dritter Markt: Neuer Tummelplatz für KMUs und Start ups startet

direct market plus“ und „direct market: Als erste Spielwiese für die Börse gedacht.

Die Wiener Börse startet heute mit zwei neuen Marktsegmenten, dem „direct market plus“ und „direct market“. Diese lösen den „mid market“ und „other securities“ ab. Die zwei neuen Segmente wurden für kleine und mittelgroße Unternehmen geschaffen, um diesen, mit geringeren Vorschriften als für den geregelten Markt, den Gang an die Börse zu erleichtern.

Vier Unternehmen erstmals an der Wiener Börse
Vier Unternehmen wagen sich erstmals auf das neue Börsenparkett, auch als Dritter Markt bezeichnet. Am direct market plus notieren folgende Börsenfrischlinge: Die Startup300 AG, ein Spezialist für die Bedürfnisse von Start-ups, die Eyemaxx Real Estate AG, ein Immobilienentwickler und Bestandserhalter mit Fokus auf die DACH-Region, die VST Building Technologies AG, ein Anbieter von Verschalungstechnik für den Hochbau und Wolftank-Adisa Holding AG, eine Unternehmensgruppe, die auf Tankanlagen spezialisiert ist.

Startup300: Conda-Eigentümer geht an die Börse
Das wohl bekannteste Unternehmen, das das erste Mal am Dritten Markt notiert, ist die Startup300 AG. Diese ist unter anderem Eigentümer der Crowdfunding-Plattform Conda. Das Unternehmen hat sich seit dem Start im Dezember 2015 von einem Netzwerk für Business Angels zu einem Betreiber von Start-up-Services entwickelt. So bekommen Start-ups, Gründer, Investoren und innovative Unternehmen bei Bedarf unter anderem Zugang zu Räumlichkeiten. Dafür stehen der Campus factory300 in der ehemaligen Linzer Tabakfabrik zur Verfügung, das Linzer Start-up-Zentrum Strada del Startup und im neunten Wiener Bezirk der Talent Garden Vienna. Das Unternehmen organisiert für die Community Events wie Pioneers und Startup Live, berät Gründer (think300, Pioneers Discover) und kümmert sich darum, Kapital aufzustellen. Dazu werden Venture Capital Fonds wie den Pioneers Ventures II und capital300 aufgelegt. Um Geld in die Kasse der Unternehmen zu spülen, wurde auch die Crowdfunding-Plattform Conda ins Leben gerufen.

Kein glorreicher erster Handelstag für Startup300
Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, läutet gemeinsam mit den Unternehmen mit der Börsenglocke die neuen Segmente ein. Doch die ersten Stunden verliefen für Anleger und Neulinge nicht wunschgemäß. Vor allem die Börsenhoffnung Startup300 enttäuschte. Bis zum frühen Nachmittag des ersten Handelstages stürzte der Kurs um 13 Prozent ab, wenn sich dieser zumindest bis Handelsschuss mit minus 5,5 Prozent so halbwegs vom Tiefstand erholt hat. Athos Immobilien konnte nach ersten turbulenten Stunden zumindest den Ausgabepreis halten. Bei Eyemaxx, VST und Wolftank fand kein Handel statt.

Diese vier Unternehmen wurden vom bisherigen mid market übernommen
Besser als dem Newcomer erging es den Unternehmen, die bereits zuvor im mid market notierten und nun technisch gesehen in den direct market plus übersiedelt wurden. Das sind Athos Immobilien AG, DWH Deutsche Werte Holding AG, Hutter & Schrantz Stahlbau AG und Sanochemia Pharmazeutika AG.

Etablierte Titel halten sich in den ersten Stunden besser
Der Wiener Wirkstoffproduzent Sanchemia, Spezialist für Schmerz-Behandlung, Onkologie und klinische Diagnostik, legte im Handelsverlauf um 3,7 Prozent zu. Der Wiener Stahlbauer Hutter & Schranz um 2,2 Prozent.

Direct market: Bis zu knapp 36 Prozent minus für einzelne Titel in den ersten Stunden
Im Basis-Segment „direct market“, wo die neuen Regeln für die Unternehmen besondes locker sind, sind zum Marktstart 23 Unternehmen handelbar. In diesem Segment gab es am ersten Handelstag besonders große Enttäuschungen. Manche von ihnen hat es sogar noch deutlich schlimmer erwischt als Startup300. Am stärksten abgerutscht ist die Aktie der Biovolt AG mit über minus 35 Prozent am ersten Tag. Die BPG Class verlor am ersten Handelstag rund 15 Prozent Prozent und Cleantech Building Materials war mit Verlusten von zwischenzeitlich zwölf Prozent auch nicht ohne. Eine Erholung gegen Handelsschuss blieb bei diesen Titeln, im Gegensatz zu Startup300, jedoch aus. Ein guter Börsenstart sieht anders aus, das gilt jedoch auch für Startup300. Es zeigt jedoch wie heiß das Eisen "Dritter Markt" ist.

Mix aus Branchen und heimischen Regionen
Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse über das neue Segment: „Das Angebot soll einen Mix an Unternehmen verschiedener Branchen und Bundesländer, klassischen KMUs als auch aufstrebenden Jungunternehmen sein.“ Er sieht den Dritten Markt als Startplatz, um sich in weiterer Folge am Kapitalmarkt weiter zu entwickeln.

Riskant für Privatanleger
Privatanleger sollten diese neue Investmentmöglichkeit jedoch mit Vorsicht genießen, zumal die Kursschwankungen heftig sein können, wie die ersten Stunden des Dritten Marktes bereits gezeigt haben. Boschan: „Es ist ein Segment für erfahrene Investoren, die sich mit KMUs und Wachstumsunternehmen befassen und so die Chancen und Risiken richtig einzuordnen können.“

Jeden Wochentag handelbar
Die beiden neuen Segmente werden zwischen 9:00 Uhr und 17:30 Uhr fortlaufend gehandelt. Einmal am Tag findet um 13:30 Uhr zur Preisbildung eine Auktion mit der Preisbildung um zwei Handelsformen zur Verfügung. Voraussetzung für den fortlaufenden Handel ist - wie auch im EU-regulierten Markt - die Tätigkeit eines Market Makers, der die Preisbildung erleichtert.

Möglich wurde der Dritte Markt durch eine Änderungen des Aktiengesetzes, das zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist und eine neue, einfache und günstigeres Listing an der Wiener Börse für kleine und mittelgroße österreichische Unternehmen ermöglicht.

Voraussetzungen für den direct market
Basissegment ist der „direct market“. Um in diesem gelistet werden zu dürfen, müssen die betreffenden Unternehmen seit mindestens einem Jahr bestehen, Jahresabschlüsse und Halbjahres-Zwischenberichte veröffentlichen, einen Unternehmenskalender führen und sich von einem Capital Market Coach begleiten lassen.. So bietet das direct network, das die Wiener Börse ins Leben gerufen hat, bietet den Unternehmen rund 60 Ansprechpartner für die Vorbereitung auf Finanzierung und Listing. Unternehmen werden so für die Anleger transparenter, diese erhalten auf der anderen Seite so ein spezielles Service und eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit.

Welche Voraussetzungen im Detail nötig sind, lesen Sie im Artikel: "So locker sind die Vorschriften für Börsenkandidaten."

Anlegerschützer Wilhelm Rasinger begrüßt die beiden neuen Börsensegmente, schränkt jedoch in einem Interview gegenüber Trend.at ein: „Ich erwarte mir dadurch aber keinen zweiten Frühling für die Wiener Börse.“ Lesen Sie hier das ganze Interview.

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