Die Dividendenstars im Corona-Jahr

Wer trotz Corona-Krise seine Dividende zahlt, zählt zu den echten Dividendenaristokraten unter den börsennotierten Unternehmen. Welche Konzerne in Europa und den USA 2020 bis zu zehn Prozent Dividendenrendite zahlen und welche Branchen ihre Ausschüttungen derzeit am öftesten und stärksten zurückschrauben.

Die Dividendenstars im Corona-Jahr

Eine bisher nicht gesehen Welle an Dividendenstreichungen rollt über die Märkte. 24 Prozent der europäischen Unternehmen haben die Dividende bereits gestrichen. Den Anfang machten nach Ausbruch der Corona-Pandemie Banken, Industrie, Einzelhändler und Reiseanbieter. Erst mit Verzögerung folgten auch Autohersteller und Versicherer. Doch das dürfte noch nicht das Ende der Streichungen und Senkungen gewesen sein. „Für die kommenden Monate rechnen wir damit, dass die Ausschüttungen weiter reduziert werden“, so die DZ Bank in ihrer großen Studie über Dividendenaristokraten. So erwarten die Studienautoren, aufgrund verspäteten Durchschlagens der Corona-Auswirkungen, in den nächsten Monaten vermehrt negative Überraschungen.

Reiseunternehmen und Banken haben die Dividenden seit Mitte Februar am stärksten gekürzt.

Kürzungen im Bankensektor würde für Anleger Milliarden-Verlust bedeuten
Die größten Auswirkungen würden Dividendenkürzungen für das Gesamtjahr im europäischen Bankensektor nach sich ziehen. Würden diese Unternehmen heuer eine geringere oder keine Dividende ausschütten, würde sich die Ausschüttung alleine in dieser Branche um 48 Milliarden Euro beziehungsweise 82 Prozent reduzieren, auf Basis der Dividendenentwicklung seit 19. Februar 2020. Würden europäische Industrieunternehmen ihre Dividenden 2020 kürzen oder streichen, wird ein Auszahlungsrückgang von 15 Milliarden Euro prognostiziert.

Würden Banken 2020 keine Dividende ausschütten, würde sich die Ausschüttung um 48 Milliarden Euro, das wären 82 Prozent, reduzieren. Das erwartete Ausschüttungsvolumen der Sektoren Gesundheit, Chemie und Telekom sind dagegen relativ konstant.

Dax-Dividenden könnten um bis zu 40 Prozent fallen
Generell ist die Dividendenentwicklung deutlich stabiler als die Entwicklung von Kursen und Unternehmensgewinnen. Dies zeigt auch eine Analyse der vergangenen Rezessionen. So konnte man bei den Kursen und Gewinnen Rückgänge von 60 bis 70 Prozent messen. Die DAX-Dividenden sind hingegen in der bisher schlimmsten Bewegung, während der Finanzkrise 2008/09 um 31 Prozent gefallen, in Europa sogar um rund 40 Prozent. Das Dividendentief wurde allerdings erst erreicht, als Gewinne und Kurse bereits wieder gedreht hatten.

Polnische und deutsche Unternehmen haben Dividende am deutlichsten gekürzt
Auch nach einer regionalen Aufteilung sind deutliche Unterschiede festzustellen. Am stärksten von Kürzungen betroffen sind die Unternehmen aus den Ländern Polen, Irland, Großbritannien, Schweden und Frankreich. Am wenigsten betroffen zeigen sich bisher Gesellschaften aus Luxemburg, Finnland und der Schweiz. In Österreich hat bisher erst ein Unternehmen von zehn seine Dividende gekürzt. Die Senkung des Austrounternehmens betrug dafür allerdings auch gleich 25 Prozent. Eine so hohe Senkung wie in keinem anderen europäischen Land. Übers Jahr gesehen, droht Austro-Investoren in dieses Papier einen Dividendenrückgang von 676 Millionen Euro.

Die höchsten Dividendenzahler im Dax mit Kurspotential
Der Star unter den Dividendenzahlern in Deutschland ist BASF. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen 20 Jahren als unerschütterlicher Zahler erwiesen und 16 Jahre davon die Dividende sogar erhöht. Die Kassen sind auch gut gefüllt. Die Eigenkapitalquote liegt bei 48 Prozent. Nur bei SAP, Infineon und Henkel liegt die Quote noch höher. Für die beiden Tech-Konzerne sprechen die DZ-Experten auch Kaufempfehlung aus. SAP hat im letzten Monat mehr als sechs Prozent an Wert verloren, Infineon büßte um fast 25 Prozent ein. Doch Anleger sollten nicht vergessen, dass das Coronavirus im Handstreich Ökonomien ganzer Länder teils lahmgelegt. Konjunkturabhängige Unternehmen wie der Chemieproduzent BASF leiden entsprechend.

Allianz: Solider Dividendenzahler könnte diesmal Zahlung kürzen
Als Nummer zwei unter den Dax-Dividendenaristrokraten 2020 haben die DZ-Analysten die Aktie der Allianz gereiht. Die Aktie, die mit einem Kursverlust in den vergangenen sechs Monaten von 28 Prozent, wurde bereits abgestraft. Schließlich wird das Coronavirus das Geschäft von Versicherern deutlich treffen. Das zumindest glaubt Allianz-Chef Oliver Bäte: "Es wird enorme Verluste für die Branche geben, wenn es noch eine Weile dauert, bis diese eintreten." Nach Erscheinen der Studie der DZ Bank fordert nun die europäischen Aufsichtsbehörde jedoch für das Versicherungswesen einen vorläufigen Dividendenstopp. Zwar liegt die gesetzliche Zuständigkeit für solche Fragen noch immer bei den jeweiligen Mitgliedstaaten, schrieb Analyst Johnny Vo.. Dort, wo die Regierungen bereits eine Verschiebung der Ausschüttungen festgelegt haben, dürfte es wegen der zunehmenden Unsicherheit letztlich zu gänzlichen Streichungen kommen. In anderen Ländern dürften die Dividenden wahrscheinlich gezahlt werden. Bei der Allianz selbst sei mit einer Dividendenkürzung zu rechnen.

Deutschland-Dividenenkaiser BASF. Der Chemiekonzern zahlt heuer voraussichtlich 7,4 Prozent Dividendenrendite. Die Aktie wird von der DZ Bank mit Kaufen eingestuft (Kursziel: 54 Euro). Die zweitbesten Zahler im Dax-Dividendenranking ist die Allianz mit einer Dividendenrendite von geschätzten 6,2 Prozent für 2020. Diese Zahlung steht allerdings auf wackeligen Beinen. Die Aktie wird ebenfalls zum Kauf empfohlen. Fairer Wert laut DZ Bank: 180 Euro je Aktie.

Die höchsten Dividendenzahler in Europa, exklusive Deutschland, mit Kaufempfehlung

Axa ist der Dividendenaristrokrat in Europa: Der Versicherer schüttet 2020 geschätzt 10,1 Prozent Dividende aus. Die Wahrscheinlichkeit das die Zahlungen ausfallen ist gering. In den vergangenen 20 Jahren hat der Konzern immer gezahlt, 17 mal davon die Zahlungen sogar erhöht. Kursziel: 22 Euro. Der britische Ölkonzern Total könnte heuer seine Ausschüttungen auf 8,1 Prozent erhöhen. Kursziel laut DZ Bank: 34 Euro.

Dax-Werte mit niedrigerer Dividende
Zu den weiteren Dividendenwerten, die in der Studie mit Kaufen eingestuft werden, zählen die Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline, Novartis, die Konsumgüterhersteller Unilever, Danone, L Óreal, Kering, der Getränkehersteller Diageo, die IT-Spezialisten Capgemini, der Industriebetrieb Schneider Electric und BAE Systems. Die hier aufgezählten Unternehmen zahlen zwischen 3,5 und 1,5 Prozent Dividende, so die Schätzung. Ein österreichischer Dividendentitel wurde in der Studie allerdings keiner empfohlen.

Nur wenige US-Dividendenwerte auch zum Kauf empfohlen
In den USA gibt es zwar Dividendenzahler, die wie der Konsumgüterhersteller Altria heuer bis zu acht Prozent locker machen dürften. Doch die DZ Bank empfiehlt nur wenige von diesen Aktien auch zum Kauf. Darunter als erste im US-Dividendenaristokraten-Ranking jene des Techkonzerns IBM, der 2020 voraussichtlich fünf Prozent Dividendenrendite zahlt. Auf Kaufen gestellt, sind auch die Titel von Coca Cola (3,6 Prozent Dividende 2020e) und dem Techriesen Qualcomm (3,2 Prozent Dividende geschätzt).

Diesen deutschen Dividenden-Titeln räumt die DZ Bank ebenfalls Kurschancen ein

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