RLB OÖ-Chef Schaller: „Digital vorne dabei“

RLB OÖ-Chef Schaller: „Digital vorne dabei“

Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich

Schnell und bequem, so lautet das Mantra des Digitalisierungs-Zeitalters – und die große Herausforderung für Geldinstitute. Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, über die Bank der Zukunft, digitale Angebote, die bleibende Bedeutung persönlicher Beratung und die Zusammenarbeit mit Fintechs.

Herr Schaller, wie sieht die Bank der Zukunft aus?
Heinrich Schaller: : In erster Linie bietet sie den Kunden umfassenden Service. Das bedeutet viele digitale Instrumente für die täglichen Bankdienstleistungen und gleichzeitig das Angebot einer kompetenten, persönlichen Beratung.

Wie schwierig ist es, beide Schienen gleichzeitig zu bedienen?
Schaller: : Es ist eine Herausforderung, keine Frage, zumal das Entwickeln digitaler Angebote durchaus große Investitionen verlangt. Aber digitale Angebote sind schon lange ein Schwerpunkt unserer Bank, wir haben uns frühzeitig damit beschäftigt und sind sehr, sehr weit. Aber natürlich sind ständige Erweiterungen und Verbesserungen notwendig. Und bezüglich der persönlichen Beratung haben wir als Raiffeisen eine lange Tradition, sie ist eine unserer ganz wesentlichen Assets.

Stichwort Digitalisierung: Was wünscht sich der Kunde eigentlich, was nutzt er?
Schaller: : Grundsätzlich geht es um das rasche Bezahlen – und das möglichst einfach und unkompliziert. Die Digitalisierung bietet diese Möglichkeiten, und sie werden auch genutzt. Unsere Kunden wickeln bereits mehr als 90 Prozent aller Transaktionen elektronisch ab. Das kontaktlose Bezahlen in Geschäften boomt, schon jede dritte Zahlung am Point of Sale erfolgt so.

Zuwächse im Firmenkundengeschäft, keine Berührungsängste mit Start-ups: die Zentrale der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in Linz.

Zuwächse im Firmenkundengeschäft, keine Berührungsängste mit Start-ups: die Zentrale der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in Linz.

Wie wird diese Entwicklung weitergehen?
Schaller: : Schnell und einfach – das ist der eindeutige Trend auch bei Bankgeschäften. Und das bezieht sich nicht nur auf das Bezahlen, sondern auch auf Veranlagung oder Finanzierungen. Wir bauen unsere digitalen Dienstleistungen daher permanent aus. Mit unserer „Raiffeisen Express Überweisung“ bieten wir jetzt die erste österreichische Kundenlösung für Überweisungen in Echtzeit an, da sind wir Vorreiter. Auch die Eröffnung eines Kontos ist bei uns online möglich, das erfolgt bequem von Zuhause aus über eine Video-Legitimierung. Darüber hinaus bieten wir einen Online-Sofortkredit bis 4.000 Euro an, den man auch mobil über unsere ELBA-App abschließen kann.

Sind die Daten sicher?
Schaller: : Die Daten unserer Kunden werden in unseren eigenen Rechenzentren in Österreich gespeichert. Zudem arbeiten wir intensiv an einer eigenen Cloud-Lösung für Raiffeisen, damit wir nicht auf die allgemeine Cloud angewiesen sind.

Welchen Stellenwert hat das mobile Banking?
Schaller: : Einen großen, das ist absolut auch ein Trend. Deshalb haben wir mit unserem Produkt „Zoin“ ein Tool geschaffen, das Überweisungen von Handy zu Handy in Echtzeit ermöglicht. Das alles zeigt, dass wir bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei sind. Mit bankdirekt haben wir ja schon lange eine eigene Onlinebank.


Start-ups finden in uns einen Finanzpartner, der schnell entscheiden und sich auch für frische und visionäre Ideen begeistern kann. Und wir bieten ihnen ein umfangreiches Netzwerk.

Im Finanzsektor entstehen ständig neue Start-ups, sogenannte Fintechs. Fürchten Sie diese Konkurrenz?
Schaller: : Im Gegenteil: Wir kooperieren mit ihnen, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Wir haben einen Innovation Hub eingerichtet, in dem wir gemeinsam mit Fintechs neue Produkte für Kunden entwickeln.

Zum Beispiel?
Schaller: : Wir haben mit dem Berliner Start-up FinReach kooperiert. Dabei ging es um die Entwicklung eines Tools, das online einen bequemen Wechsel des Kontos und der Bank zu Raiffeisen ermöglicht. Ganz abgesehen davon finden Start-ups in uns einen Finanzpartner, der schnell entscheiden und sich auch für frische und visionäre Ideen begeistern kann.

Ganz konkret: Warum sollte ein Start-up speziell zur Raiffeisenlandesbank Oberösterreich kommen?
Schaller: : Zusätzlich zu unseren Finanzdienstleistungen – bis hin zu einer direkten Beteiligung – bieten wir diesen jungen Unternehmen auch unser umfangreiches Netzwerk und damit Zugang zu möglichen Kooperationspartnern. Zudem sind wir beispielsweise Finanzierungspartner von „Pier4“, einem Multi-Corporate-Venturing-Projekt in Oberösterreich, bei dem große Leitbetriebe mit Start-ups verknüpft werden, um gemeinsam Lösungen und Prototypen für die Industrie von morgen zu entwerfen.

Die Halbjahreszahlen der RLB OÖ zeigen, dass sich das Firmenkundengeschäft sehr positiv entwickelt. Profitieren Sie von der guten Konjunktur?
Schaller: : Ja, die konjunkturelle Entwicklung wirkt sich hier positiv aus. Bei den Investitionsfinanzierungen haben wir um fünf Prozent zugelegt, bei den Betriebsmittelfinanzierungen sogar um zehn Prozent.

Spüren sie ein Abflauen der Konjunktur?
Schaller: : Das Interesse von Unternehmen an Investitionen ist weiterhin groß, wird allerdings etwas schwächer. Von einem Einbruch kann aber nicht die Rede sein.

Anders als andere Banken hält die RLB OÖ ein umfangreiches Beteiligungsportfolio. Was ist die Strategie dahinter?
Schaller: : Es ist uns wichtig, dass heimische Leitbetriebe wie Voest, Amag, Energie AG oder Vivatis einen stabilen Kernaktionär haben. Gleichzeitig unterstützen wir KMU über Beteiligungen bei der Expansion oder in Sondersituationen, die besondere Chancen bieten. Für uns als Bank hat das einen doppelten Effekt: Wir unterstützen Firmen als Partner, gleichzeitig erzielen wir über Dividenden und Wertsteigerungen der Unternehmen Erträge.


Es ist unsere klare Strategie, das traditionelle Bankgeschäft auch in Zukunft mit den digitalen Möglichkeiten optimal zu kombinieren.

Bauen Sie das Beteiligungsportfolio aus?
Schaller: : Wir betreiben ein aktives Beteiligungsmanagement. Zuletzt haben wir uns bei e-tec electronic, dem größten heimischen E-Commerce-Händler, und Syn Trac, einem Spezialisten für Vielzweck-Fahrzeuge, beteiligt. Insgesamt verfügen unsere Private-Equity-Gesellschaften Invest AG, OÖ Beteiligungsgesellschaft und die KMU Beteiligungs AG über ein Gesamtfinanzierungsvolumen von rund 345 Millionen Euro.

Mein Sohn ist 19 Jahre alt und war bisher erst einmal überhaupt in einer Bankfiliale. Wird er noch ein zweites Mal kommen?
Schaller: : Davon bin ich absolut überzeugt. Denn alle Umfragen zeigen, dass die Menschen persönliche Beratung wollen. Gerade auch Junge wollen diese Beratung durch Experten, weil für sie ja fast jede Investition eine große ist. Deshalb ist unsere klare Strategie, auch in Zukunft das traditionelle Bankgeschäft mit den digitalen Möglichkeiten optimal zu kombinieren.

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