Deutsche Wirtschaft und Börse: Wie tief kann es gehen?

Die deutsche Wirtschaft verliert an Fahrt. Die Kurse im Dax knickten in Folge dessen in den vergangenen zwei Tagen ein. Was Börsenexperten für 2017 erwarten.

Deutsche Wirtschaft und Börse: Wie tief kann es gehen?

Die Furcht vor bald steigenden Zinsen hatte bereits am Freitag die Kurse am US-Markt und am deutschen Markt tief ins Minus gerissen. Die Talfahrt im Dax setzt sich fort.

Konjunktur verliert an Tempo

Doch es könnte neben der Zinsangst neuerliche Turbulenzen geben. Denn die Konjunktur in Deutschland verliert seit Jahresmitte an Tempo. "Im zweiten Halbjahr wird das Wachstum niedriger ausfallen als im ersten", so das Wirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. Als Grund für das schwächere außenwirtschaftliche Umfeld wird unter anderem das britischen Anti-EU-Votums genannt. "Starke positive Impulse für die deutschen Exporte sind daher derzeit rar."

Die Nachfrage nach Industrieprodukten, die Industrieumsätze und die Produktion entwickelten sich tendenziell schwächer als zuletzt. Der Baubranche hingegen befinde sich im Aufwind, und der Arbeitsmarkt sei weiter in guter Form. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft kräftig um 0,7 Prozent zugelegt und wuchs im Frühjahr dann noch um 0,4 Prozent.

DAX 5-Jahres-Kursentwicklung; Stand vom 12.09.2016: 10.431,77

DAX 5-Jahres-Kursentwicklung; Stand vom 12.09.2016: 10.431,77

Fallende Umsätze und Erträge

Auch die Analysten der DZ sehen die Entwicklung der Fundamentaldaten als ernüchternd. "Diese können die positiv Entwicklung an den Aktienmärkte kaum untermauern", so Stefan Bielmeier von der DZ Bank. So konnte die jüngste Berichtssaison in Deutschland keine neuen Impulse setzen. Das beinahe schon gewohnte Bild fallender Umsätze und Erträge hat in der abgeschlossenen Quartalssaison seine Fortsetzung gefunden. Die volkswirtschaftlichen Indikatoren spiegeln dieses Bild: Basierend auf dem DZ BANK Euro-Indikator haben sich die Perspektiven für die Konjunktur im Euro-Raum über die Sommermonate eingetrübt.

Wirtschaftswachstum dürfte 2017 einknicken

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird laut Prognosen 2017 deutlich zurückgehen. Die DZ Bank geht nach einem geschätzten Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent 2016 für das nächste Jahr nur noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus. Die Verbraucherpreise sollten dagegen von heuer voraussichtlich 0,3 Prozent auf 1,4 Prozent steigen.

Hoffnung für besseren Herbst

In einem Umfeld extrem niedriger Renditen werden an den Aktienmärkten laut DZ Bank aber weiterhin tendenziell höhere Bewertungen zugebilligt, als in Zeiten, in denen die Renditen merklich höher stehen. Steigende Aktienkurse sind daher in Deutschland und Europa weiterhin möglich noch. "Trotzdem erscheint das aktuelle Momentum an den Aktienmärkten,auch aufgrund der politischen Unsicherheit, fragil", so Bielmeier. Kurfristig besteht jedoch Hoffnungn. Nach den typischerweise umsatzschwachen Sommermonaten könnten nun die in der Historie deutlich umsatzstärkeren Herbstmonaten für Kurszuwächse sorgen.

Dax: Schlechteste September seit 1960

Dazu kommt, dass der September der schlechteste Börsenmonat mit einem durchschnittlichen DAX-Kursverlust von 1,5 Prozent seit 1960 gerechnet ist. Problematisch sind jedoch auch die politischen Unwägbarkeiten in Europa. "Diese werden aller Voraussicht nach kein vorübergehender Prozess sein, sondern sich zu einer dauerhaften Belastung entwickeln", so DZ Banker Bielmeier.

Fallende Dax-Kurse 2017

Für 2017 erwartet die DZ Bank weiter fallende Kurse für den Dax. Derzeit steht das deutsche Börsenbarometer nach dem Absturz bei 10.411 Punkten. Bis Mitte 2017 soll es laut den Analysten auf 10.000 Punkte sinken. Doch es gibt Grund zur Hoffnung. Das Ertragswachstum der Dax-Unternehmen soll nach dem heurigen Einbruch 2017 voraussichtlich zweistellig zulegen.

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