Deutsche Vonovia will conwert übernehmen - Aktie hebt ab

Deutsche Vonovia will conwert übernehmen - Aktie hebt ab

Im Tausch gegen Vonovia-Aktien oder gegen etwas geringere Barzahlung will das deutsche Immobilienunternehmen die österreichische conwert übernehmen. An der Börse geht die conwert-Aktie durch die Decke.

Wien/Bochum. Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia, die frühere Annington, will die österreichische conwert übernehmen. Vonovia bietet den conwert-Aktionären wahlweise eigene Aktien oder eine - etwas geringere - Barabfindung. Die conwert-Titel sind an der Börse vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden.

Offeriert werden den conwert-Aktionären 74 Vonovia-Aktien für jeweils 149 conwert-Titel. Das entspricht einem Gegenwert von 17,58 Euro je conwert-Aktie, basierend auf dem Schlusskurs von Freitag, so Vonovia. Bezogen auf den durchschnittlichen volumengewichteten Börsenkurs der letzten sechs Monate von 14,20 Euro sei das eine Prämie von 23,8 Prozent. Alternativ plane Vonovia den conwert-Aktionären eine in Österreich verpflichtende Barzahlung von 16,16 Euro/Aktie anzubieten.

Der Bochumer Konzern wird somit für den österreichischen Rivalen conwert rund 2,9 Milliarden Euro einschließlich Schulden bezahlen, wie Vonovia-Chef Rolf Buch am Montag in Bochum sagte.

Der Vonovia-Vorstandschef zeigte sich am Montag in einer Telefonkonferenz zuversichtlich, dass das freiwillige Übernahmeangebot an die conwert-Aktionäre auch erfolgreich sein wird.

"Da das Angebot vom Großaktionär Adler unterstützt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mehr als 50 Prozent annehmen, hoch", sagte Buch.

Adler Real Estate hat sich laut Buch dazu verpflichtet, den gesamten direkt oder indirekt gehaltenen Anteil an conwert - das sind 26,2 von 93 Millionen ausstehenden conwert-Aktien - im Rahmen des Umtauschangebotes anzudienen. Auch conwert habe sich dazu verpflichtet, die eigenen Aktien anzudienen; und conwert-Aktionär und Verwaltungsratschef Alexander Proschofsky beabsichtige ebenfalls, das Übernahmeangebot anzunehmen, hieß es heute. Das Angebot wird erst wirksam, wenn 50 Prozent plus eine Aktie angedient werden.

Die Verpflichtung etwa von Adler, das Angebot anzunehmen, sei natürlich auch eine Absicherung gegen ein höheres Angebot, bestätigte Buch. Nicht spekulieren wolle er darüber, ob mittel- oder langfristig auch jenen conwert-Aktionären, die das Angebot nicht annehmen, ein neuerliches Angebot gemacht werde.

Mit dem Management von conwert sei man sich über das Wochenende einig geworden, sagte Buch. "Wir haben hier einen freundlichen Deal." Konkurrent Deutsche Wohnen hatte sich an einer conwert-Übernahme im vergangenen Jahr noch die Zähne ausgebissen. Aber auch Vonovia war gescheitert Deutsche Wohnen zu übernehmen. Im Februar hatte Vonovia die Übernahmepläne vorerst ad acta gelegt.

conwert-Aktie hebt ab

Die conwert-Aktie (ISIN: AT0000697750) lag nach einer Handelssaussetzung am Montag deutlich im Plus, knapp nach zehn Uhr notierte die Aktie bei 17,25 Euro und lag damit 6,84 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Nach dem Übernahmeangebot waren die Aktien vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden.

Conwert-Aktionäre haben somit seit Jahresbeginn 22,36 Prozent Gewinn gemacht, innerhlab der vergangenen zwölf Monate beläuft sich das Plus auf 48,36 Prozent (Stand: 5.9.2016, 11:50 Uhr).

Die Entwicklung der conwert-Aktie im Verlauf der vergangenen zwölf Monate.

Die meisten der 24.500 conwert-Wohnungen liegen in Deutschland, Vonovia biete mit deutschlandweit rund 340.000 Wohnungen (im Portfoliowert von zirka 24 Mrd. Euro) die Basis für eine effiziente Bewirtschaftung. Vonovia ist mit Abstand größter Wohnungsvermieter in Deutschland. Die conwert-Wohnungen in Wien will Vonovia langfristig behalten, den geplanten Verkauf des Gewerbeimmobilien-Portfolios durch conwert will Vonovia unterstützen.

"Der geplante Erwerb von Conwert bietet für Vonovia ein sehr gute Gelegenheit, unser Portfolio in sich dynamisch entwickelnden Regionen und Metropolen zu erweitern", sagt Buch. Die Einspar-Effekte halten sich in Grenzen: Operativ sollen rund sieben Millionen Euro Synergien erwirtschaftet werden, durch eine günstige Refinanzierung kommen 2017 weitere fünf Millionen hinzu. Conwert erwartet in diesem Jahr ein operatives Ergebnis aus der Wohnungsbewirtschaftung (FFO) von mehr als 75 Millionen Euro.

Rund 26 Prozent an conwert hat Vonovia schon sicher: Adler Real Estate hatte das Aktienpaket zusammengekauft und will es nun Vonovia im Austausch für Vonovia-Aktien andienen, wie es am Montag weiter hieß. Vonovia beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter.

Die Übernahme werde nur vollzogen, wenn Vonovia am Ende auf über 50 Prozent an conwert kommt.Die Angebotsunterlage für das Offert solle voraussichtlich am 17. November veröffentlicht werden. Conwert solle weiter die Zentrale in Wien haben und hier an der Börse gelistet bleiben. Conwert ist im ATX enthalten, Vonovia ist seit September 2015 im DAX.

Service: Alle Details zum Übernahmeangebot unter diesem Link.

Rasinger: "Attraktives Angebot"

Das Übernahmeangebot sei "interessant und attraktiv - aus heutiger Sicht", sagt Anlegerschützer Wilhelm Rasinger in einer ersten Reaktion. Die Umsetzung werde ja noch einige Wochen dauern: "Ich glaube, dass Vonovia ein solider, professioneller, berechenbarer Kernaktionär sein wird." Das Offert sei "eine Anerkennung der Arbeit des conwert-Vorstands und des Verwaltungsrates, die in den vergangenen zwölf Monaten geleistet wurde", so der Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA). Es beende auch die schwierige Situation, die es unter den Kernaktionären Adler Real Estate und davor Ex-Strabag-Chef Haselsteiner gegeben habe: "Das hat sehr viel Unruhe ins Unternehmen gebracht."

Mittlerweile mache conwert "einen wesentlich besseren Eindruck als vor einem Jahr", betont der IVA-Chef unter Verweis auf die früheren Aktionärsstreitigkeiten. Die deutsche Immo-Gesellschaft wiederum habe "in der Vergangenheit bewiesen, dass sie professionell arbeitet".

Ob die conwert ihren Sitz tatsächlich in Österreich behalte, werde letztlich davon abhängen, wie stark das Übernahmeangebot angenommen werde, meinte der Kleinaktionärsvertreter. Bei einer Annahme zu 80 oder 90 Prozent "wird sich die Frage des Standortes und der Gestionierung noch einmal stellen", erwartet Rasinger. "Ein bisschen Wehmut schwingt da schon mit, denn das ist ein Zeichen dafür, dass der österreichische Kapitalmarkt austrocknet - die langfristige Perspektive für conwert liegt sicher in Deutschland."

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