Daimler: Analysten erwarten deutlichen Gewinneinbruch

US-Importzölle, Gewinnwarnung, Diesel-Rückruf und dann auch noch der erste monatliche Pkw-Absatzrückgang seit mehr als fünf Jahren: Die Aussichten für Daimler verdüstern sich seit Monaten. Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Gewinneinbruch.

Daimler: Analysten erwarten deutlichen Gewinneinbruch

Die Daimler-Aktie

Deutsche Marken wie Mercedes oder BMW auf den Straßen in Amerika sind US-Präsident Donald Trump besonders ein Dorn im Auge. Daher lässt er untersuchen, ob er bei Autoimporten nicht auch europäische Fahrzeuge mit einem Einfuhrzoll von 20 Prozent belegen könnte. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will bei einem Besuch am Mittwoch in Washington versuchen, den Republikaner davon abzubringen.

Der Streit trifft Mercedes-Benz schon jetzt, denn China erhebt auf Importe aus den USA seit Anfang Juli 40 Prozent Einfuhrzoll. Die von Daimler in den USA produzierten Geländewagen Mercedes GLE und GLS werden deshalb in China weniger Gewinn einfahren als bisher, die Zölle lassen sich nicht auf die Kunden abwälzen, ohne dass dadurch der Absatz beeinträchtigt würde.

Der US-China-Zoll war deshalb einer der Gründe dafür, dass der Daimler (ISIN DE0007100000) im Gesamtjahr mit einem leichten Gewinnrückgang, also um fünf bis zehn Prozent, rechnet statt mit einem leichten Anstieg. An der Börse hat das Papier im laufenden Jahr bereits deutlich nachgegeben. Aktuell notiert die Daimler-Aktie bei rund 57 Euro und ist somit in etwa auf dem Niveau von vor fünf Jahren. Im März 2015 war der Kurs der Aktie zwischenzeitlich sogar auf gut 96 Euro gestiegen. Alleine seit Jahresbeginn hat das Papier rund 20 Prozent seines Werts eingebüßt. (siehe Chart).

Daimler Aktie ISIN DE0007100000; Stand vom 23.7.2018: 57,31 €; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Daimler Aktie ISIN DE0007100000; Stand vom 23.7.2018: 57,31 €; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge rechnen Analysten jedoch mit einem deutlich stärkeren Rückschlag. Die Experten rechnen bei einem Umsatz von gut 42 Milliarden Euro mit einem Rückgang des Vorsteuerergebnisses um mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,77 Milliarden Euro. Noch hoffen einige Analysten, dass der Weltmarktführer für Premiumautos im zweiten Halbjahr aufholen kann, und es bei dem inzwischen erwarteten "leichten" Rückgang des Betriebsgewinns bleibt. Das hänge aber vor allem davon ab, ob US-Präsident Donald Trump die angedrohten Sonderzölle auf Autos aus Europa fallen lässt.

"Größte Bedrohung für die Branche"

"Importzölle sind die größte Bedrohung für die Gewinne der gesamten Branche, auch wenn deren Einführung noch sehr unsicher ist", heißt es etwa in einer Analyse der Investmentbank Jefferies.

Gravierender noch würden sich höhere Handelshürden der USA und Vergeltungsmaßnahmen der EU auswirken. Zahlen zum Fahrzeugaustausch zwischen den Weltregionen veröffentlicht Daimler nicht. Aber Christian Ludwig, Autoexperte vom Bankhaus Lampe, schätzt, dass im vergangenen Jahr die Marke mit dem Stern rund 220.000 Fahrzeuge - so zum Beispiel die besonders profitable Luxuslimousine S-Klasse - in die Vereinigten Staaten lieferte. Eine Eskalation des Handelsstreits könnte zu Produktionsverlagerungen in die USA und letztlich zum Arbeitsplatzabbau in Deutschland führen.

Hinzu kommen wie bei allen Autokonzernen die schärferen Klimaschutzauflagen in Europa, der Technologiesprung zu elektrischem, autonomen Fahren und die zunehmend kritische Einstellung der Politik gegenüber der deutschen Autoindustrie wegen des Dieselskandals, erklärt Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI. "Das ist ein Cocktail, der einem garantiert einen bösen Kater einbrockt." So wurde Daimler kürzlich zum Rückruf von 774.000 Mercedes-Pkw verdonnert wegen einer "unzulässigen Abschalteinrichtung" bei der Abgasreinigung.

Das abgelaufene Quartal ist bei Daimler außerdem mit Sonderbelastungen in Höhe von schätzungsweise zusammen 800 Millionen bis eine Milliarde Euro gespickt. Der größte Brocken von bis zu 600 Millionen Euro entfällt auf die Kosten für die Einigung von Daimler und Deutscher Telekom mit der Bundesregierung über den verzögerten Start des deutschen Autobahnmautsystems "Toll Collect".

Die im Juli eingeführte Importzollsenkung Chinas gegenüber Europa führt zu einer geringeren Bewertung der dort noch unverkauften, eingeführten Pkw, denn Autokäufer wollen als Folge sofort niedrigere Preise. In den USA kam es außerdem bei einem Autozulieferer zu einem Brand, was einen Lieferstopp zur Folge hatte, den Daimler auch als Grund dafür anführt, dass im Juni zum ersten Mal nach 63 Monaten der Pkw-Absatz sank, und zwar um 2,6 Prozent.

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