Cyber-Security: Das Milliarden-Dollar-Business

Das Geschäft mit Sicherheitslösungen gegen Angriffe im Netz wächst jährlich mit hohen zweistelligen Wachstumsraten, Gewinnen und Kurszuwächsen. trend.at gibt einen umfassenden Einblick in die Branche und zeigt wie Anleger an der noch jungen Branche mitverdienen können.

Cyber-Security: Das Milliarden-Dollar-Business

Firmen und Private geraten immer öfter ins Visier von Cyberkriminellen. Die Firmen, die solche Attacken verhindern versuchen, scheffeln bereits Millionen.

60 Prozent Wachstum pro Jahr

Cyberangriffe zählten noch bis vor wenigen Jahren zu den seltene Ausnahme. Doch mittlerweile gehören solche Angriffe zum Alltag.
Vor allem für Unternehmen werden Attacken auf die IT zu den größten Bedrohungen.
Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigen die Zahlen: Waren es 2009 in den USA 3,4 Millionen gemeldete Angriffe, waren es 2015 bereits knapp 60 Millionen. Alleine von 2014 auf 2015 stieg die Zahl der gemeldeten Attacken in den USA um 40 Prozent. Kumuliert stiegen die Cyber-Security-Zwischenfälle in den vergangenen acht Jahren laut der US-Sicherheitsbehörde FBI die Daten seines Landes sammelt, jährlich um 60 Prozent. Für Europa ist kein solches Datenmaterial verfügbar.

Doch auch in der EU wird es künftig nicht mehr möglich sein, Angriffe auf Unternehmen zu vertuschen. So sollen Firmen durch ein geplantes IT-Sicherheitsgesetz bei einem Cyberangriff zu einer anonymisierten Meldung verpflichtet werden.

Die Kriminellen, die Schadsoftware in Unternehmen, Verwaltung von Regierungen oder von Privaten einschleusen, stellen meist Lösegeldforderungen. Die Währung der Kriminellen: Bitcoins. Die Währung ist ideal: Die Geldflüsse sind extrem intransparent.

Milliarden-Dollar-Umsatz-Grenze soll bald erreicht sein

Die noch relativ junge und kleine Branche mausert sich zum Milliarden-Business. Von 2017 bis 2021 sollen die Ausgaben laut Schätzungen von Computersicherheitsprofi McAfee und Cybersecurity Ventures bereits eine Milliarde Dollar ausmachen. Derzeit beträgt der globale Umsatz jährlich 120 Millionen Dollar. 2021 soll der Umsatz bereits bei 182 Millionen Dollar liegen.

Vier Milliarden Computernutzer prognostiziert

Die Sensibilität der Unternehmen Sicherheitstechniken gegen virtuelle Angriffe zu installieren und laufend abzudaten, dürfte in Zukunft steigen. Die Wachstumsprognosen für Nutzer und Datenvolumen sind gigantisch. So soll die Zahl der Nutzer von Computer bis 2020 von derzeit drei Milliarden auf vier Milliarden steigen. Derzeit gibt es weltweit 3,3 Milliarden Handys. 2020 sollen 5,9 Milliarden Menschen ein Mobiltelefon benutzen.

Flugzeuge, Autos und Bahn: Neue Ziele der Kriminellen

Nicht nur die Zahl von Angriffen steigt auch die Vielfalt an Angriffsmöglichkeiten. Denn die Kriminellen, die sich in der virtuellen Welt tummeln, sind kreativ. Angriffe von Kriminellen dürften etwa durch das Internet der Dinge zu einem Problem werden. Derzeit konzentrieren sich die Angreifer auf Telefone und Notebooks von Privatanwendern und Unternehmen und Organisationen, also auf klassische IT-Systeme. Doch schon bald könnten auch Maschinen und Geräte wie Defibrillatoren oder Herzschrittmacher zum Ziel der Erpresser werden.

Hacker machen viele Fehler und sind trotzdem erfolgreich

Wie sich bereits bei mehreren Großangriffen von Hackern gezeigt hat, muss das Know How der Profis gar nicht so groß sein. „Wie Untersuchungen ergaben, haben Hacker oft viele Fehler gemacht und trotzdem waren ihre Angriffe sehr effektiv. Die Angreifer dürften sogar von der raschen und starken Ausbreitung ihres Virus selbst überrascht gewesen sein“, resümiert Thiemo Storz, Cybersecurity-Spezialist des Aktien-Index-Anbieters etf Securities.

Kleine Unternehmen werden häufiger zur Zielscheibe

Das bedeutet jedoch: Es werden, aufgrund der vergleichsweise geringen Fähigkeiten, die dafür nötig sind, die Zahl der Angriffe steigen. Kleine und mittelständische Unternehmen geraten so mehr ins Visier von solchen Kriminellen als bisher. Dieser Trend folge einfachen wirtschaftlichen Gesetzen: "Je geringer die Kosten für eine Attacke werden, desto lohnender werden Angriffe auch auf weniger lukrative Ziele", so Cyberprofi Hein.

Nach jedem groß angelegten Angriff, steigen Nachfrage und Aktienkurse

Die Hoffnung verschont zu bleiben, sinkt damit laufend. Im Jahr 2020 soll laut Schätzung des Virenschutz-Experten McAfee die Zahl der miteinander verbundenen Computer, Handys und andere elektronische Geräte auf 200 Milliarden klettern.
Die Nachfrage nach Produkten und Services, die solche Angriffe verhindern, steigt vor allem nach einem globalen Hackerangriff sprunghaft an - auch die Kurse von Cybersecurity-Aktien. „Die Nachfrage ist event-getrieben“, resümiert Storz, Cyber-Security-Spezialist von etf Securities. Die Gesellschaft kreiert Aktien-Indizies oder bildet, wie in diesem Fall, die Wertentwicklung des in den USA aufgelegten ISE Cyber Security Index nach. Anleger können so hierzulande in den ETFS ISE Cyber Security GO Ucits ETF (ISIN: DE000A14ZT85) investieren.

Mittelzuflüsse und Aktienkurse in die Branche stiegen.

Europäische Firmen besonders gefährdet

Die Erpressung von Lösegeld durch schadhafte Software, sogenannte Ransomware, war 2016 laut einem Report des israelischen Security-Spezialisten Radware weltweit das häufigste Motiv für Angriffe auf Netzwerke, Server und Anwendungen von Unternehmen. Mehr als 40 Prozent der knapp 600 befragten Firmen gaben an, dass dies der wichtigste Grund für Angriffe auf sie gewesen war. Der jüngste weltweite Randsomeware-Angriff erfolgte im Mai 2017.

Anbieter, die Schutz vor E-Mail-Attacken bieten, boomen

Vor allem Leistungen von Sicherheitsfirmen, die auf E-Mail und Cloud-Security spezialisiert sind, erfreuen sich deshalb auch hoher Nachfrage. Gefragt sind auch Produkte von Unternehmen, die auf den Schutz von Kundendaten fokussiert sind. So war ein Telekom-Unternehmen von Hackern damit konfrontiert, dass Hacker ihnen den Zugang zu 150.000 Kundendaten verweigerten. Die Drohung der Kriminellen: Sollte das Unternehmen nicht das geforderte Lösegeld zahlen, würde auch die gesamte Kommunikation des Telekom-Unternehmens, vom Telefon bis zum Mail, lahm gelegt werden.

Vor allem das weltweit größte Betriebssystem Microsoft Windows ist Ziel der Attacken. Etwa von WannaCry: Ein weitverbreiteter, wurmartiger Virus, der Schwachstellen im Microsoft Server ausnutzt. Angesichts der effektiven Ausbreitungsmechanismen der Malware ist nahezu jede Organisation, die die von Microsoft empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen nicht angewendet hat, weiterhin von einer potentiellen WannaCry-Ausbreitung bedroht.

Israelische Firmen profitieren vom Know-How der Geheimdienste

Vor allem nach weltweit aufsehen erregenden Angriffen wie dem WonnaCry-Virus können sich Kunden-Datensicherheitsprofis wie das börsenotierte israelische Unternehmen Radware ( ISIN: IL0010834765) die Hände reiben. „Der militärische Geheimdienst in Israel hat aufgrund seiner jahrelangen Expertise in der Spionage einen Wissensvorsprung der denen der USA wahrscheinlich sogar überlegen ist“, erläutert Cyber-Security-Experte Hein. Radware ist weltweit einer der größte Hersteller von Lösungen, die Phishing, Spam und Viren verhindern sollen. Das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 740 Millionen Euro, könnte laut Spekulationen von IT-Konzern Cisco geschluckt werden. Sechs Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf. Kursziel: 20 Dollar, aktueller Kurs: 16 Dollar.

Der kalifornische Player FireEye macht bereits einen Milliarden-Umsatz

Groß im Geschäft ist auch das kalifornische Unternehmen FireEye , hat einen speziellen Schutz für Unternehmen und Regierungen entwickelt, das vor besonders fortgeschrittenen Cyberangriffen schützen soll. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt 2,4 Milliarden Euro.

Symantec hat den Kurs innerhalb eines Jahres verdoppelt


Die Aktien von Symantec haben sich auf Ein-Jahres-Sicht fast verdoppelt und vor kurzem mit 32,60 Dollar fast ein Rekordhoch erreicht. Die Software-Firma ist auf Antiviren-Programme spezialisiert. Symantec bietet unter anderem die Antivirus-Software Norton an. Die US-Firma hat sich in den letzten Monaten mit Zukäufen im Cyber-Security-Bereich verstärkt: Für 4,6 Milliarden Dollar wurde der Rivale BlueCoat und für 2,3 Milliarden Dollar die auf den Schutz der Identität im Internet spezialisierte Firma LifeLock übernommen.

Viele Aktien auf höchstem Kurs seit Jahren

Einen Höhenflug legt auch die Aktien von Check Point Software hin. Das israelische Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten rund 33 Prozent zugelegt und notieren an der Nasdaq auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Das Unternehmen gehört mit seinen Firewall- und Virtual Reality Network-Lösungen zu den größten Playern im IT-Sicherheitsmarkt.
Viel Geld macht auch Imperva. Die Aktie des kalifornischen Firewall-Spezialisten ist nach seinem Tief im November um fast 50 Prozent geklettert.
Gerissen haben sich die Anleger auch um die Aktien von Trend Micro . Der Titel der japanischen Virenschutz-Firma kletterte an der Frankfurter Börse auf Ein-Jahres-Sicht um fast 40 Prozent nach oben und notiert auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren.
Zu den heißen Eisen in der Branche zählt auch der deutsche IT-Security-Anbieter Secunet . Der Kurs hat sich auf Ein-Jahres-Sicht mehr als verdoppelt auf 60 Euro. Die Aktien notieren auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000

Cyber-Security-Firmen mit höheren Gewinnen als US-Techbranche

Die Unternehmen der Branche scheffeln auch ordentlich Gewinne. Im Vorjahr sind die Nettogewinne von Cyber-Security-Firmen gegenüber 2015 um knapp 38 Prozent gestiegen. Bei US-Tech-Unternehmen, die im Technologie-Aktienindex Nasdaq notieren, gingen die Gewinne dagegen im Vorjahr um knapp 13 Prozent zurück. Doch noch dominieren die Branche nicht große Player wie FireEye oder Radware. Rund drei Viertel der börsenotierten Unternehmen sind noch Small- und Midcaps. „Es ist schließlich eine sehr junge Industrie“, erläutert Storz.

Breit gestreut mit einem Indexfonds partizipieren


Um als Anleger von diesen Entwicklungen zu partizipieren, empfiehlt es sich jedoch, gerade in diese jungen Branche, der noch zahlreiche Umbrüche bevorstehen dürften, ein breit gefächertes Portfolio, wie jenes des Indexfonds von ETFS ISE Cyber Security Go Ucits ETF von etf Securities. Der Index, der sich aus Aktien von 37 Unternehmen weltweit zusammensetzt, besteht zu 60 Prozent aus Unternehmen, die sich auf Sicherheitssoftware spezialisiert haben. 19 Prozent der Unternehmen produzieren die Hardware für Sicherheitssysteme, der Rest sind Dienstleister. 70 Prozent der Firmen im Index stammen aus den USA, Israel ist mit 12 Prozent vertreten, Japan mit acht Prozent. Europa ist nur mit einem kleinen Exposure von Aktien mit Unternehmen aus England und Schweden vertreten. Die Gebühren betragen 0,75 Prozent des investierten Kapitals. Einen Ausgabeaufschlag, wie bei Fonds, gibt es keinen. Dass die Branche im Trend liegt zeigen auch die steigenden Mittelzuflüsse. 2017 war mit 120 Millionen Euro bisher seit der Auflegung des Fonds das Jahr mit den weitaus höchsten Mittelzuflüssen in den ETF von etf Security.

„Im Spannungsfeld von Wirtschaft, Investieren und Klimawandel“

„Im Spannungsfeld von Wirtschaft, Investieren und Klimawandel“

Bei den Anstrengungen, den Klimawandel zu stoppen, muss in regelmäßigen …

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

Österreichischer KMU-Eigenkapitalfonds startet

Die AG Capital erreicht das First Closing des österreichischen …

Die Elite der Vermögensverwalter 2021

Für den größten Bankentest im deutschsprachigen Raum hat der …

Inflation steigt im Euroraum auf ein 30-Jahres-Hoch

Die Inflation steigt weiter und erreicht in Europa teilweise Werte von …