Crowdinvesting: Riskant, billig und mit Steuerfreibetrag

Die österreichischen Crowdinvesting-Plattformen haben im Vorjahr 67 Millionen Euro von Privatanlegern eingesammelt, so viel wie nie zuvor. Was Sie über Nachrangdarlehen, Kosten, Ausfallsrisiken und Mindestinvestments wissen sollten und woran Sie seriöse Anbieter erkennen.

Crowdinvesting: Riskant, billig und mit Steuerfreibetrag

Crowdinvesting: Bei einer Pleite mit Nachranganleihen als letzter bedacht, aber für dieses Risiko ganz gut belohnt.

Crowdinvesting zählt derzeit zu den hippsten Investment-Formen. Hochriskant, dafür aber ist man schon mit minimalen Beiträgen dabei. Was solche Investments für Risiken bergen, wie hoch man pokern sollte und wie viel solche Investments bringen und ob man mit Kosten rechnen muss. Die wichtigsten Informationen über Crowdinvestments im Überblick.

Wenn Banken das Risiko zu hoch oder die Sicherheiten zu gering sind, sollen Privatanleger einspringen
Crowdinvestments stellen je nach Risiko jährlich Zinsen in einer Bandbreite zwischen fünf und acht Prozent in Aussicht. Klingt nach hohem Risiko, ist es auch. „Oft taucht die Frage auf, warum Emittenten, in unserem Fall Bauträger oder Immobilienentwickler, so hohe Zinssätze bezahlen und wie sich das alles rentieren kann“, weiß Andreas Zederbauer, Co-Gründer und Geschäftsführer der auf Immobilien-Projekte spezialisierten Plattform dagobertinvest, und erklärt: „Es handelt sich um Risikokapital, der Bauträger bekommt dieses anderswo nicht billiger.“ Das bedeutet: Die Bank würde noch höhere Zinsen verlangen. Oder die Sicherheiten, die das Unternehmen der Bank bietet sind zu gering.

Für Investoren auf der Suche nach Geld sind Crowdlösungen in jedem Fall günstiger. Denn ihren Anleger müssen sie keine Sicherheiten bieten. Immer mehr Immo-Entwickler sind mitunter auch gezwungen sich an Kleinanleger zu wenden, da die Banken aufgrund strengerer europäischer Richtlinien bei der Kreditvergabe noch mehr Sicherheiten verlangen als bisher und eine Finanzierung nur über die Bank zu teuer käme. Kleinanleger riskieren mitunter damit Projekte zu finanzieren, von denen die Bank die Finger lässt. Crowdinvesting macht als komplementäres Finanzierungsmittel viele Projekte erst möglich. "Wir finanzieren kein einziges Projekt ohne Bankenbeteiligung", stellt Schwarmfinanzierer Zederbauer klar. Auf jeden Fall ist es auch für Entwickler mit guter Kapitalausstattung eine gute Möglichkeit sich durch Kleinanleger vergleichsweise kostengünstig zu verschulden.

Keine Kosten und Steuerfreibetrag
Für dieses hohe Risiko gibt es neben einer vergleichsweise moderaten Zitterprämie auch keine Kaufspesen oder jährliche Gebühren. Ausgabeaufschlag, Depotgebühren oder „management fees“ gibt es nicht. Steuerlich unterliegen Erträge aus Crowdinvesting-Projekten nicht der Kapitalertragssteuer, sondern der Einkommenssteuer. Allerdings gibt es für Dienstnehmer einen Freibetrag von 730 Euro jährlich, bis dahin sind die Erträge steuerfrei.

Kleinanleger werden bei Pleite als letzter bedient – es droht der Totalverlust
Die meisten Crowdinvesting-Projekte in Österreich werden in Form von Nachrangdarlehen angeboten. Kommt ein Emittent in eine Krisensituation und schlittert in die Insolvenz, hat das zur Folge, dass die Forderungen der Crowdinvestoren erst nach allen anderer Gläubiger, etwa der Banken, bedient werden, sofern dann noch Geld übrig ist. Geht etwas schief, droht Anlegern meist der Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals.

2012: Bei 22 Projekte verloren Anleger ihr Geld
Allerdings sind Projekt-Ausfälle weit seltener, als man glauben könnte. Wie das unabhängige Branchen-Portal CrowdCircus kürzlich erhob, fielen seit 2012 insgesamt 22 Projekte, darunter vorwiegend Start-ups, aus.

Immobilienboom beflügelt Crowdinvesting-Projekte
Das entspricht einer Ausfallsquote von 4,33 Prozent. Aber: Das in Österreich dominierende Immobilien-Crowdinvesting verzeichnete bisher noch keinen Ausfall. Solange der Immobilienboom anhält, steigen auch die Chancen auf hohe Kapitalzuflüsse in solche Crowdfundingprojekte und dass die versprochenen Renditen bezahlt werden. Dreht der Markt könnte das Risiko das Projekte scheitern, jedoch steigen.


Statt 3.000 Euro in ein Projekt, lieber 500 Euro in verschiedene Bauträger investieren


„Crowdinvesting ist Risikokapital und es ist die Aufgabe der Plattformen, dieses Risiko auch offen anzusprechen. Um das Risiko solcher Investitionen zumindest zu dämpfen, sollten nur geringe Summen in solche Projekte investiert werden. Ein möglicher Verlust des Kapitaleinsatzes sollte verschmerzbar sein. Am besten man streut das Geld auf verschiedene Projekte. „Statt 3.000 Euro in ein Projekt könnten zum Beispiel jeweils 500 Euro in sechs Projekte verschiedener Bauträger investiert werden“, rät Plattformbetreiber Zederbauer.

Seriöse Plattformen informieren die Anleger regelmäßig
Geld überwiesen und ewig nichts mehr von der Entwicklung des Unternehmens davon gehört. Davon kann so mancher Kleinanleger berichten. „Wer eine derartige Crowdinvesting-Erfahrung gemacht hat, sollte die Wahl der Plattform besser noch einmal überdenken“, rät da Seriöse Plattformen beziehungsweise deren Emittenten informieren die Investoren regelmäßig, meist zumindest einmal im Quartal, über Projektfortschritte und den aktuellen Status.

So lange dauern Immobilien-Projekte im Schnitt
Die Projektdauer ist, gerade beim Immobilien-Crowdinvesting, relativ kurz. „Wir setzen mit durchschnittlich sechs bis maximal 30 Monaten auf kurze Projektlaufzeiten, da wir diesen Zeitraum als gut planbar erachten. Allerdings werden die Laufzeiten exakt auf die voraussichtliche Umsetzungsdauer des Bauvorhabens abgestimmt“, so Zederbauer. Mit wöchentlich bis zu zwei neuen Projekten, die bei dagobertinvest online gehen, ermöglicht es die Plattform Investoren, binnen kurzer Zeit ein attraktives Portfolio zusammenzustellen. Investieren sollte man aber nur Geld, das man nicht zum täglichen Leben benötigt und auch keine Notfallreserve, die etwa für die Autoreparatur oder eine kaputte Waschmaschine zur Seite gelegt wurde.

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