Crowdfunding: Mehr Investments, aber auch erste Pleiten

Crowdfunding: Mehr Investments, aber auch erste Pleiten

Investmentformen, die rund 50 Prozent Volumenszuwächse verzeichnen, sind selten. Bei Crowdfunding ist es der Fall. Doch es gibt auch erste Pleiten. Die Risiken solcher Investments - meist nachrangige Darlehen - sind nicht zu unterschätzen. Welche Firmen bereits in die Insolvenz schlitterten und Anleger um ihr Geld gebracht haben.

Crowdfunding-Plattformen wickelten 2017 mehr als 200 Projekte ab

Von Fußball-Klubs, Weingütern, Photovoltaik-Produzenten bis hin zu Immobilien-Projekten: Immer öfter setzen österreichische Unternehmen als Finanzierungsalternative auf Crowdfunding. Laut aktuellen Daten des unabhängigen Crowdfunding- und Crowdinvesting-Vergleichsportals „CrowdCircus.com“ konnten österreichische Crowdfunding-Plattformen 2017 ein Projektvolumen von 28,8 Millionen Euro über den Schwarm finanzieren. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Marktwachstum von 46,8 Prozent. Noch im Jahr 2014 konnte die gesamte österreichische Crowdfunding-Branche lediglich 4,1 Millionen Euro abwickeln.

Entwicklung des Crowdfundung in Österreich 2012-2017. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Entwicklung des Crowdfundung in Österreich 2012-2017. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Spenden via Crowdfunding ein Randthema

Spenden- und belohnungsbasiertes Crowdfunding werden zwar ebenfalls von einigen österreichischen Schwarmplattformen abgewickelt, nehmen aber mit Blick auf das Gesamtmarktvolumen nur eine kleine Rolle ein. Dafür greifen österreichische Projektinitiatoren in der Regel auf größere und international besser vernetzte Crowdfunding-Plattformen - beispielsweise Kickstarter – zurück. Nur etwa jeder zehnte Euro, der 2017 in das Projekt einer österreichischen Crowdfunding-Plattform geflossen ist, wird von CrowdCircus.com diesen Kategorien zugeordnet. Knapp 26,5 Millionen Euro beziehungsweise 92 Prozent flossen in Rendite-fokussierte „Crowdinvesting“-Projekte. Dazu gehören sowohl Eigenkapital-, Anleihe- und Hybridkapital-Projekte). Herr und Frau Österreicher setzen Crowdfunding also vor allem als Investmentalternative ein.

Top-15 Crowdfunding-Projekte 2017

Unter den Top-15 der volumenstärksten Crowdfunding-Projekte 2017 sind mit Ausnahme des von der Plattform „1000x1000“ durchgeführten Belohnungs-Projekts „Ausbau des Weinguts Dürnberg in Falkenstein“ ausschließlich Crowdinvestments zu finden. Mit einem Projektvolumen von mehr als 1,2 Millionen Euro befindet sich das von den Ex-Skirennläufern Herrmann Maier und Rainer Schönfelder beworbene Tourismus-Crowdfunding-Projekt „COOEE alpin Hotels“ auf Rang 1 der größten Schwarmfinanzierungsprojekte 2017. Das Projekt wurde, ebenso wie drei weitere Top-15 Projekte, von der österreichischen Plattform „Conda“ durchgeführt. Diese ist auf Start-ups, KMUs und Immobiliengesellschaften spezialisiert. Insgesamt beträgt das Volumen der 15 größten Austro-Projekte knapp 10,2 Millionen Euro. Getragen wurden die Investitionen von gut 5.180 Investoren.

Die 15 größten österreichischen Crowdfundung-Projekte 2017. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Die 15 größten österreichischen Crowdfundung-Projekte 2017. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Nachrangige Darlehen mit hohen Risiken

Doch so hoch die Zuwächse in diesem jungen Business der Unternehmensfinanzierung auch sind, die Risiken sind es ebenso. Die meisten dieser Crowdfunding-Anteile, die Kleinanleger erwerben, sind ein sogenanntes nachrangiges Darlehen und in einzelnen Fällen werden auch Substanzgenussrechte gewährt. Was unspektakulär klingt, hat es in sich: Ein nachrangiges Darlehen wird im Falle der Liquidation oder Insolvenz erst nach allen andere Forderungen bedient.

Das bedeutet: Anleger mit einem nachrangigen Darlehen gehen im Falle einer Insolvenz fast immer leer aus oder erhalten lediglich einen minimalen Anteil von dem zurück was sie ursprünglich einbezahlt haben. Läuft alles gut, wird bei einem nachrangigen Darlehen vom Unternehmen eine jährliche Zinszahlung gewährt. Diese Zinszahlungen können auch gestundet werden, wenn kein Gewinn anfällt. Beim Substanzgenussrecht ist man am Gewinn und am Unternehmenswert beteiligt. Geht die Firma pleite, schaut man ebenso vielfach durch die Finger, denn auch das Substanzgenussrecht stellt eine nachrangige Forderung dar und ist daher wie ein nachrangiges Darlehen nur äußerst risikobereiten Investoren zu empfehlen. Beide Formen sind ähnlich lukrativ, wenn das Unternehmen einen Gewinn erzielt. Wenn nicht, gibt es in diesem Jahr auch für Anleger nichts.

Anleger müssen sich auf ihr eigenes Urteil verlassen - kein Analyst rät zu etwas

Im Gegensatz zu Unternehmen, die an der Börse notieren, werden Crowdfunding-Investments von keinem Analysten auf Herz und Nieren geprüft und daher gibt es auch keine Empfehlungen von Profis, ob man einsteigen soll oder nicht. Kleinanleger sind bei der Beurteilung der Anlagechancen ganz sich selbst überlassen wird. Sie müssen Bilanzen zu durchforsten und versuchen, diese verstehen. Sofern sie überhaupt ausreichend tief Einblick in die Finanzen des Unternehmens bekommen. Andernfalls können Anleger nur nur an das jeweilige Unternehmen, beziehungsweise dessen Gründer, deren Ideen und Wachstums- und Entwicklungsprognosen glauben.

Risiko Start-up

Sich an einem Start-up per Crowdfunding beteiligt, muss damit rechnen, dass in den ersten drei Jahren üblicherweise keine Gewinne erzielt werden. Crowdfunding-Plattformen wie Conda oder 1000x1000 vermitteln aber auch Projekte von Unternehmen, die vielfach schon Jahre bestehen und nun mittels Crowdfunding die zusätzliches Kapital einholen wollen. Allerdings ist auch das nicht ganz risikolos. Im Vorjahr gab es zum Beispiel mit der Schneeerlebniswelt Wien-Aspern eine veritable Pleite. In der zweiten Saison schlitterte der Betreiber der Kunststoffpiste in die Insolvenz. Selbst Gläubiger, die kein nachrangiges Darlehen hatten, mussten sich mit 20 Prozent ihres Einsatzes zufrieden geben.

Geringe Informationen

So mancher Investor klagt auch darüber, nur sehr spärliche Informationen über die Geschäftsentwicklung zu erhalten, selbst wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zugesichert wird, die Anleger auf dem laufenden zu halten. Der Antrieb für das Management diese Informationen auch zu liefern, ist allerdings gering, denn schließlich gibt es bei nachrangigen Darlehen de facto ohnehin keine Möglichkeit, vorzeitig auszusteigen. Das Investment ist in der Regel über drei Jahre oder noch länger gebunden. Selbst den Jahresabschluss erhält man in manchen Fällen erst Monate später in den Händen. Auf quartalsweise Berichte warten Kleinanleger oft überhaupt vergeblich.

Die Crowdfunding-Pleiten:

Crowdfunding ist kein Ponyhof - das zeigen die Pleiten und die damit verbundenen Verluste für Kleinanleger. Einige Beispiele

Die Cool&Fortis GmbH , die KURT Frozen Yoghurt erzeugt, musste vor zwei Jahren Insolvenz anmelden. Die Crowd ist nun am neu entstandenen KURT mobil beteiligt. Wie viel Geld sie von ihren Investments sieht, ist unklar.
Das steirische Startup Woodero , das auf der Crowdfunding-Plattform 1000x1000 rund 166.000 Euro eingesammelt hat, ist mittlerweile ebenso pleite. Die Gründer wollten mit Smartphones und Tablets aus Holz den Markt erobern.
Masta George : Für den Laberl-Brater "Burgermasta" aus Wien kam 2017 das endgültige Aus. Anleger konnten bis zu 3.000 Euro investieren. Über hundert Investoren sind eingestiegen. Die Aussicht: Sobald das Lokal Gewinne schreibe, werden die Investoren mit vier Prozent beteiligt. Doch dazu ist es nie gekommen.
Schneeerlebniswelt Wien-Aspern: Die Ideen auf Rutschmatten das ganze Jahr über in Wien Ski zu fahren, ist gescheitert. 360.000 Euro versenkt und viele Kleinanleger um ihr Geld gebracht. Das Unternehmen wurde 2013 war einer der Pioniere am heimischen Crowdfunding-Markt.
Anfang 2017 war die österreichische Tochter des E-Bike-Hersteller Freygeist zahlungsunfähig. Auf der deutschen Crowdfunding-Plattform (Companisto) wurden ausschließlich österreichische Anleger umworben. Sie machten 1,5 Millionen Euro locker und haben große Teile ihres Einsatzes wohl verloren.

Factoring macht Immobilienfirmen für Anleger zur Blackbox

Auch Immobilieninvestments, die mittlerweile zu den beliebtesten Anlegermodellen in der Crowd zählen, sind trotz vorhandener Sachwerte und großer Nachfrage nach Immobilien alles andere risikolos. So können Baufirmen durch Factoring rasch Liquiditätsengpässe ausgleichen ohne, dass es Anleger mitbekommen. Die Factoring-Bank gibt dem Unternehmen 80 Prozent der Rechnungssumme, die von Dritten ausständig ist, sofort. Kommt es zu weiteren Liquditätsengpässen, kann die Firma binnen kürzester Zeit in die Insolvenz schlittern. Laut Insidern prüfen die Factoring-Firmen, die so Liquidität rasch zuschießen, die betreffenden Firmen auf ihre finanzielle Basis hin nur stichprobenartig. Ob man nun in eine solide finanzierte Baufirma in Form von Crowdfunding investiert oder nicht, ist für einen Kleinanleger nur äußerst schwer zu durchblicken. Vor allem bei kleinen Baufirmen sollte man mit äußerster Vorsicht vorgehen.

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