Corona stellt Dividendenstrategie auf den Kopf

Aktien von Öl-Konzernen, Telekom- und Industrietitel waren bisher die Stars unter den Dividendenwerten. Doch nun raten Experten Dividendeninvestoren angesichts der Corona-Krise zu neuen Schwerpunkten.

Corona stellt Dividendenstrategie auf den Kopf

Eigentlich sind Aktien von Öl- und anderen Energiekonzernen, Industriewerte am Dividendenhimmel die großen Bringer. Über fünf Prozent waren locker Jahr für Jahr an Extrarendite zu machen. Auch Telekomunternehmen wissen seit Jahren mit hohen Dividenden Anleger für sich zu gewinnen. Doch durch die Corona-Pandemie hat die Dividendenpolitik der Unternehmen mitunter eine 180-Grad-Wendung genommen, aus staatlichem Zwang oder aus anderer Notwendigkeit heraus.


Aufgrund der Corona-Krise ist das Dogma der Dividende nicht mehr unumstößlich

Staatliche Hilfe oder Dividende
Unternehmen, die einen staatlichen Unterstützung erhalten, sind verpflichtet ihre Dividende komplett zu streichen. Adidas etwa musste einen Kredit der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Anspruch nehmen, was die Dividende obsolet macht. Die Lufthansa, musste ebenfalls die Dividende streichen, weil ein Stabilitätspaket geschnürt wird. Die beiden Unternehmen werden wohl nicht die einzigen DAX-Konzerne bleiben, bei denen die Dividendenzahlungen gestrichen oder zumindest ausgesetzt werden. Andere streichen die Dividende weil der Unternehmensertrag dahinschmilzt. "In den letzten Jahren galt die Dividende unter Investoren als sicher. Aufgrund der Corona-Krise ist dieses Dogma nicht mehr unumstößlich", so Schoellerbank-Fondsmanager Alxander Adrian. Immer mehr Anleger stellen sich daher die Frage, ob Dividendentitel jetzt noch ihre Berechtigung im Depot haben oder nicht.

Energie, Industrie und Banken: Hier ist bei Dividendeninvestoren besondere Vorsicht geboten
Zyklische Aktien, da vor allem bei Unternehmen in den Sektoren Energie, Nicht-Basiskonsumgüter und Industrie, wird es vermutlich besonders hart treffen, so die Erwartung des Schoellerbank-Managers, weshalb diese Dividendeninvestoren entsprechend sorgsam bei der Auswahl vorgehen sollten und nur einen geringen Teil des Depots damit bestücken sollten.

Energie und Versorger: Bisher die großen Dividendenzahler. Doch das könnte sich ändern.

Bankaktien: Teils nur noch die Hälfte wert
Aktien aus der Finanzbranche gehören ebenso zu den großen Verlierern in diesem Jahr. Die Sorge vor Kreditausfällen aufgrund von Firmenpleiten hat die Anleger in die Flucht geschlagen. Wenn diese Aktien mit den aktuell größten Kursrückschlägen in den nächsten Monaten auch gute Chancen auf die größten Kursgewinne haben. So hat die Aktie der Erste Bank in den vergangenen drei Monaten 48 Prozent verloren. Der Banken-Index-ETF von ishares hat seither fast 40 Prozent verloren.

Hohe Kurseinbrüche und teils sinkende Dividenden machen die bisherigen Dividendenstars der Öl- und Telekom-Branchen derzeit für Dividendenstrategien vergleichsweise unattraktiv.

Gesundheit und Infotech am stärksten gewichtet, Energie kaum vertreten
Ein Blick auf die Dividenden allein wird in den nächsten Monaten also nicht ausreichen, um an der Börse erfolgreich zu sein. "Es wird stärker auf die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells ankommen", so Schoellerbank-Experte Adrian. Das Bankhaus empfiehlt eine Mix aus zyklischen und konjunktursensitiven Unternehmen. So geht die Bank derzeit bei ihren Depots vor: Aktien aus dem Gesundheitswesen werden mit rund 20 Prozent am stärksten gewichtet. Ein Beispiel: Die Aktie des US-Pharmaunternehmens AbbVie. Die Medikamenten-Pipeline ist gefüllt mit mehr als 20 Wirkstoffen in Phase-II- und Phase-III-Studien, darunter weitere Blockbuster-Kandidaten. Aufs Jahr hochgerechnet wirft die Aktie eine Dividendenrendite von rund 4,8 Prozent ab.

Ebenfalls stark vertreten im Schoellerbank-Portfolio ist der Bereich Informationstechnologie mit knapp 18 Prozent, Basiskonsumgüter mit rund 14 Prozent und Finanztitel mit 13 Prozent. Werte der Kommunikationsbranche und der Industrie sind ebenfalls im niedrigen zweistelligen Bereich vertreten. Die geringste Gewichtung hat der Energiesektor mit 3,5 Prozent. In den letzten drei Jahren erzielte das Unternehmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von zwölf Prozent und ein Gewinnwachstum von 22 Prozent. In den letzten Quartalen zog das Gewinnwachstum deutlich an und lag in den vergangenen drei Quartalen im Schnitt bei 40 Prozent.

IT-Unternehmen: Stabile Erträge durch Abos, aber geringe Dividenden
Viele große IT-Unternehmen bieten mittlerweile ihren Anlegern ebenfalls Dividendenzahlungen, wenn auch in überschaubarer Höhe. Vor allem da etliche Tech-Werte an den Grenzen des Wachstums angelangt sind und nun die Investoren mit anderen Mitteln (Aktienrückkäufe oder Dividenden) bei Laune halten müssen. Dividendenzahlungen sind auch deshalb möglich, da viele seit der Dotcom-Blase an ihrem Geschäftsmodell gefeilt haben und wiederkehrende Umsätze in Form von Abo-Modellen generieren. Damit wurden die Umsätze stabiler und konnten auch die aktuellen Krise besser abfedern. "Das wahre Ausmaß der Corona-Pandemie wird sich aber erst bei den nächsten Quartalszahlen sichtbar werden. Höhere Schwankungen an den Börsen ist daher zu rechnen", so der Schoellerbank-Spezialist. Auch wenn die IT-Unternehmen zu- nehmend als Dividendenzahler auftreten, ist die Dividendenrendite bei den Tech-Werten noch überschaubar:

Was die Dividende beeinflusst
Die Dividendenrendite wird von zwei Faktoren bestimmt: Vom Kurs und der Höhe der Ausschüttung. Bricht der Kurs einer Aktie ein und die betroffene Aktiengesellschaft entscheidet sich dennoch, die Dividendenzahlung des Vorjahres beizubehalten, schnellt die Rendite in die Höhe. Die Ausschüttung kann aus dem − vielleicht immer noch − vorhandenen Gewinn ausbezahlt werden oder aus der Substanz des Unternehmens. Adrian: "Letzteres wäre allerdings weitaus weniger erfreulich, da diese Vorgehensweise bei langfristigem Einsatz eine schädigende Wirkung auf die Bilanz hätte." Erwirtschaftet das Unternehmen immer noch einen Gewinn bei gleichbleibender Dividende, wird sich die sogenannte Payout Ratio erhöhen (Dividende je Aktie dividiert durch Gewinn je Aktie). Damit verbleibt jedoch weniger Gewinn im Unternehmen, weshalb fraglich ist, ob diese Strategie tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Nach fast 100 Jahren: 33 Prozent der Rendite nur durch Dividenden
Aus historischer Sicht, seit 1926, haben für Anleger in den breiten US-Aktienindex S&P 500, Dividendeneinnahmen rund 33 Prozent des Gesamtertrages ausgemacht. Allerdings entscheidet die Dividende kurzfristig nicht allein darüber, ob ein Investment schlussendlich erfolgreich ist oder nicht.

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