Bilanzen vom 26.7.: Düstere Zeiten für Commerzbank und BP

Bilanzen vom 26.7.: Düstere Zeiten für Commerzbank und BP

Der Gewinn der Commerzbank sackt um ein Drittel ab, die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 40 Prozent an Wert verloren. Der Ölkonzern BP muss nach einem Gewinneinbruch seine Investitionen zurückschrauben. Weitere Bilanzen in der aktuellen Earnings Season kommen von Texas Instruments, Michelin, Hyundai, Vontobel, MTU und Luxottica - dem Brillenkonzern, zu dem auch die Marke Ray Ban gehört.

Commerzbank-Gewinn sackt um ein Drittel ab - Kapitalquote sinkt

Der Gegenwind für die Commerzbank wird immer stärker. Im zweiten Quartal sackte der Überschuss um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 209 Millionen Euro ab, wie das Institut am Montagabend in Frankfurt mitteilte. Der operative Gewinn ging um 18 Prozent auf 351 Millionen Euro nach unten. Analysten hatten mit etwas geringeren Rückgängen gerechnet.

Ein wichtiger Grund sind die historisch niedrigen Zinsen, die sich immer stärker in die Ergebnisse der Banken hineinfressen. Auch die Unruhe an den Kapitalmärkten bremst den Erholungskurs der Commerzbank.

Deutlich sackte nun die harte Kernkapitalquote ab. In den vergangenen drei Monaten rutschte sie um 0,5 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent. Die Bank begründete das zum einen mit erneut verschärften Regeln bei der Berechnung von Risiken im Tagesgeschäft. Zum anderen musste das Institut angesichts der niedrigen Zinsen seine Pensionsverpflichtungen für die eigenen Betriebsrenten kräftig erhöhen. Auch die höheren Risiken für italienische Staatsanleihen hinterließen Spuren.

Bis 2019 muss die Commerzbank unter vollständiger Anwendung aller künftigen Regeln auf eine harte Kernkapitalquote von 11,75 Prozent kommen. Der Konzern wiederholte die Einschätzung, dass es bei der Kapitalquote angesichts des derzeit unsicheren Marktumfelds öfter zu Schwankungen kommen könnte. Zuletzt hatte die Bank mit ihren Kapitalpuffern des Öfteren positiv überrascht. Unter anderem hatte sie vor gut einem Jahr mit einer Kapitalerhöhung zusätzlich Luft verschafft. Eigenkapital gilt als wichtiger Puffer gegen neue Schieflagen.

In der Kapitalquote bereits enthalten ist eine Abgrenzung für die geplante Dividende. Im ersten Halbjahr legte die Bank dafür 10 Cent pro Anteilsschein zurück. Damit steuert die Bank auf eine Gesamtausschüttung von erneut 20 Cent zu. Im Frühjahr hatte sie erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Dividende gezahlt. Damals hatte der Steuerzahler die Bank mit Milliarden gerettet. Bis heute ist die Summe nicht ganz zurückgezahlt, der Bund ist mit gut 15 Prozent weiter größter Aktionär,

Die Aktie der Commerzbank baute im nachbörslichen Handel am Abend ihre Kursverluste vom Tage aus. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 40 Prozent an Wert verloren und notiert damit nahe Rekord-Tiefstständen.

Eine Senkung der Prognose nahm die Commerzbank allerdings nicht vor. Zuletzt hatte das Institut aber bereits betont, dass es "deutlich ambitionierter", werde, im Gesamtjahr das Ergebnis von gut einer Milliarde Euro aus dem Vorjahr zu erreichen. Ursprünglich hatte die Bank sogar Zuwächse in Aussicht gestellt. Diese Aussage hatte der langjährige Vorstandschef Martin Blessing allerdings bereits bei der Hauptversammlung im April, seinem letzten großen Auftritt an der Spitze der Bank, aufgegeben. Seit Anfang Mai leitet der frühere Privatkundenchef Martin Zielke die zweitgrößte deutsche Bank. Er arbeitet derzeit an einer Strategie für die nächsten Jahre.

BP schraubt Investitionen nach Gewinneinbruch weiter zurück

BP senkt seine Investitionen nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal erneut. Angesichts der schwachen Ölpreise und schwierigen Raffinerie-Geschäfte sei das Nettoergebnis um 45 Prozent auf 720 Millionen Dollar gefallen, teilte der britische Konzern am Dienstag mit. Damit schnitt BP deutlich schlechter ab als von Analysten erwartet. Die in London notierte Aktie lag am Vormittag 1,5 Prozent im Minus. Der Ölriese kündigte an, nun im laufenden Jahr weniger als 17 Milliarden Dollar investieren zu wollen. Um die Kosten zu reduzieren, hatte BP im vergangenen Jahr seine Ausgaben dreimal zurückgefahren und fast zehn Prozent der 80.000 Mitarbeiter entlassen.

Nach wie vor leidet der Konzern unter den niedrigen Ölpreisen. Im zweiten Quartal kostete Brent beispielsweise rund ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich können die Briten nur nach und nach die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bewältigen. Im zweiten Quartal verbuchte BP diesbezüglich Vor-Steuer-Kosten von 5,2 Milliarden Dollar. Die gesamten Lasten im Zusammenhang mit der verheerenden Ölpest summieren sich damit jetzt auf 62 Milliarden Dollar.

Texas Instruments steigerte Gewinn - Starke Nachfrage nach Chips

Der US-Technologiekonzern Texas Instruments (TI) hat dank einer kräftigen Nachfrage nach Speicherchips seinen Gewinn gesteigert. Im zweiten Quartal sei der Überschuss um zwölf Prozent auf 779 Millionen Dollar (707,28 Mio. Euro) geklettert, teilte das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss mit. Der Umsatz erhöhte sich leicht um ein Prozent auf 3,27 Milliarden Dollar.

Der zunehmende Bedarf sei vor allem aus der Automobilindustrie und der Kommunikationsbranche gekommen. Der Infineon-Rivale gilt als Branchenbarometer, weil er Chips für eine Vielzahl von Produkten herstellt, etwa für Haushaltsgeräte und Industrie-Erzeugnisse. Im nachbörslichen Handel legte die TI-Aktie um sechs Prozent zu.

Michelin im Halbjahr dank China und Sparkurs mit mehr Gewinn

Die Erholung des chinesischen Automarkts hat Michelin im ersten Halbjahr auf Kurs gehalten. Mit dem dort guten Geschäft konnte Europas größter Reifenhersteller die Schwäche in Märkten wie Brasilien und Russland ausgleichen. Zudem profitierte Michelin von seinem Sparkurs und niedrigen Rohstoffpreisen.

Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte um 11 Prozent auf 1,41 Mrd. Euro zu, wie der französische Reifenhersteller am Dienstag in Clermont-Ferrand mitteilte. Experten hatten mit einem einstelligen Plus gerechnet. Der Umsatz ging leicht auf 10,3 Mrd. Euro zurück. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 769 Mio. Euro um 9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Unternehmenschef Jean-Dominique Senard hat dem Reifenhersteller vor allem im Heimatmarkt einen strikten Sparkurs auferlegt, um gegen die Billig-Konkurrenz zu bestehen. Erst vergangene Woche hatte Michelin den Abbau von 500 Stellen in der Konzernzentrale angekündigt.

Im weiteren Jahresverlauf rechnet das Unternehmen zwar mit einer weiterhin lebhaften Nachfrage in China, allerdings auch mit etwas weniger Schwung in Europa und Nordamerika. Michelin bestätigte seine Jahresziele.

Hyundai Motor im zweiten Quartal mit leichtem Gewinnrückgang

Der südkoreanische Autohersteller Hyundai Motor hat angesichts des schärferen Wettbewerbs das zehnte Quartal hintereinander weniger verdient. Der Überschuss ging im zweiten Quartal 2016 im Jahresvergleich um 1,5 Prozent auf 1,76 Billionen Won (1,4 Mrd. Euro) zurück, wie Südkoreas größter Autobauer am Dienstag in einer Börsennotiz mitteilte.

Der Umsatz stieg um 8,1 Prozent auf 24,68 Billionen Won. Zusammen mit der kleineren Schwester Kia Motors ist Hyundai Motor die Nummer fünf der weltweit größten Autohersteller.

Bank Vontobel verbuchte nach Fondsmanager-Abgang Geldabflüsse

Der Abgang eines Star-Fondsmanagers hinterlässt bei der Schweizer Bank Vontobel Bremsspuren. Im ersten Halbjahr flossen 8,7 Mrd. Franken (8 Mrd. Euro) ab, wie das Zürcher Institut am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatte Vontobel noch Zuflüsse von 6,4 Mrd. Franken verbucht.

Wachstumstreiber der Bank war in den vergangenen Jahren Fondsmanager Rajiv Jain, der im März nach 22 Jahren seinen Abgang angekündigt hatte. Danach zogen Investoren aus seinen Fonds bei Vontobel 11,8 Mrd. Franken ab. Insgesamt beliefen sich die verwalteten Vermögen im Halbjahr auf 127,8 Mrd. Franken (minus 6 Prozent).

Der Gewinn stieg um 8 Prozent auf 105,7 Mio. Franken. Das ist der Bank gelungen, weil sie insbesondere den Geschäftsaufwand um 5 Prozent senken konnte. Aber auch der Betriebsertrag ist um 2 Prozent niedriger ausgefallen als im Vorhalbjahr. Analysten hatten einen Gewinn von 88 Mio. Franken und Geldabflüsse von 0,8 Mrd. Franken erwartet.

Bei den Segmenten hat Vontobel in den ersten sechs Monaten von einem sehr guten Geschäft mit institutionellen Anlegern profitiert. In diesem Segment ist der Vorsteuergewinn um mehr als einen Viertel angestiegen. Im Investmentbanking dagegen gab es einen Rückschlag. Hier fällt der Vorsteuergewinn um einen Viertel tiefer aus.

Beim Ausblick zeigt sich Vontobel vorsichtig. Es gebe derzeit keine Signale, die auf eine Entspannung im Marktumfeld hindeute, heißt es in der Mitteilung. Die Generierung von Erträgen für die Kunden bleibe schwierig. Vontobel sieht sich jedoch genau in einem solchen Umfeld als gut aufgestellt.

Triebwerksbauer MTU hebt Jahresprognose leicht an

Der deutsche Triebwerksbauer MTU stockt seine Jahresprognose etwas auf. Der Umsatz werde im laufenden Jahr 4,7 Mrd. Euro betragen, teilten die Münchner am Dienstag mit. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) werde bei 480 Mio. Euro liegen. Bisher war MTU von etwa 470 Mio. Euro ausgegangen. Unter dem Strich werde der Konzern einen Gewinn von 330 Mio. Euro ausweisen.

Zuletzt profitierte der Turbinenspezialist vor allem vom Geschäft mit der Wartung von Jetantrieben. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um 9 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro, das bereinigte Betriebsergebnis um 7 Prozent auf 115 Mio. Euro.

Verzögerungen im Service für die Turbinen des A320neo von Airbus würden im zweiten Halbjahr aufgeholt, kündigte MTU an. Das militärische Wartungsgeschäft entwickelte sich zuletzt besser als erhofft. Vor allem für die Instandhaltung des Eurofighters verbuchte das Unternehmen höhere Einnahmen.

Covestro setzt sich höhere Ziele - Ergebnissprung im Quartal

Die Bayer-Kunststofftochter Covestro setzt sich nach einem deutlichen Ergebnisanstieg im zweiten Quartal höhere Ziele. "Wir lasten unsere Anlagen zunehmend besser aus und steigern damit bei höheren Absatzmengen unsere Profitabilität", erklärte Covestro-Chef Patrick Thomas am Dienstag. "Aufgrund der positiven Entwicklung im ersten Halbjahr heben wir unseren Ausblick für das Gesamtjahr 2016 an."

Der deutsche Kunststoffhersteller rechnet nun mit einem Mengenwachstum im Kerngeschäft im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich (bisher: mittlerer einstelliger Prozentbereich). Im zweiten Quartal kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um fast neun Prozent auf 542 Millionen Euro - deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz sank dagegen wegen niedrigerer Verkaufspreise, vor allem bei Polyurethanen, um knapp sieben Prozent auf 2,99 Milliarden.

Chiphersteller SK Hynix mit Gewinneinbruch

Dem südkoreanische Chipspezialisten SK Hynix macht weiter die schwächere Nachfrage nach Smartphones und Computern zu schaffen. Der Überschuss ging im zweiten Quartal 2016 im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 286 Mrd. Won (228,72 Mio. Euro) zurück, wie das südkoreanische Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Umsatz fiel um 15 Prozent auf 3,9 Billionen Won.

Der Umsatz sei zwar im Vergleich zum ersten Quartal gestiegen, doch infolge des Preisdrucks bei Speicherchips und ungünstiger Währungseinflüsse sei der operative Gewinn um 19 Prozent auf 453 Mrd. Won zurückgegangen, hieß es.

SK Hynix, das auch ein wichtiger Zulieferer für den iPhone-Hersteller Apple ist, liegt hinter dem einheimischen Konkurrenten Samsung auf Platz zwei der weltweit größten Produzenten für Speicherchips.

Die Preise sind zuletzt insbesondere infolge der schwächeren Nachfrage nach Smartphones und Computern gesunken. Im zweiten Vierteljahr fiel den Angaben zufolge auch der durchschnittliche Verkaufspreis für NAND-Flash-Speicher, die in Smartphones und Tablet-Computern verwenden werden.

Luxottica mit Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2016

Der weltweit größte Brillenhersteller, der italienische Konzern Luxottica, hat im ersten Halbjahr 2016 einen Gewinnrückgang von 5,8 Prozent auf 476 Millionen Euro gemeldet. Der Umsatz stieg dagegen um 1,1 Prozent auf 4,719 Millionen Euro. Der operative Gewinn sank um 8,2 Prozent auf 788 Millionen Euro, teilte der Konzern am Montag mit.

Wegen der "zunehmenden Ungewissheit auf den Märkten" hat Luxottica seine Prognosen 2016 nach unten revidiert. Der Umsatzwachstum sollte zwischen zwei und drei Prozent betragen.

Luxottica, zu dessen Portfolio auch die US-Marke Ray Ban gehört, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Konkurrenten übernommen und seine Jahresproduktion auf 70 Millionen Brillen ausgeweitet.

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