Das Comeback der Industriemetalle - Einfach daran verdienen

Das Comeback der Industriemetalle - Einfach daran verdienen

Kupfer-Abbau: Dieser sollte sich in den nächsten Jahren lohnen. Experten gehen von steigenden Preisen aus.

In den vergangenen sieben Jahren sind die Preise von Industriemetallen wie Kupfer und Nickel um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Seit Oktober 2016 können Anleger mit einzelnen Basismetallen wieder ordentlich Geld verdienen. Die Preise sollen weiter kräftig steigen. Was für einen Einstieg spricht, welche Risiken lauern und wie auch Laien unkompliziert investieren können.

Nach acht Jahren Hausse an den Aktienmärkten, hohen Preisen für Anleihen und Immobilien, sind stark unterbewertete Anlageklassen fast nicht mehr zu finden. Allerdings nur fast, denn genau das sind Investments in Industriemetalle. Die Preisentwicklung bei diesen Metallen ist weder von Zinsentscheidungen der Notenbanken getrieben, noch von dem Wunsch der Anleger ihr Geld möglichst sicher anzulegen. Die Entwicklung korreliert zudem kaum mit dem Aktienmarkt. Einzige Ausnahme: Der Absturz während der Finanzkrise und die letzten Monate.

Der Kursanstieg bei Industriemetallen in den vergangenen Monaten hat zwei Ursachen: Rohstoff-Investoren haben, wie Aktieninvestoren, erstmals seit der Finanzkrise die Hoffnung dass sich die Weltwirtschaft nachhaltig auf einen Erholungspfad eingeschwenkt. Die verbesserten Konjunkturzahlen und der neue Optimismus der Anleger schlägt sich in der Preisentwicklung der Industrie-, auch als Basismetalle bezeichnet, nieder. Auch die Aussicht auf Infrastruktur-Großprojekte beflügelte zuletzt die Preise. So hat neben der Konjunkturerholung schon die bloße Ankündigung US-Präsident Donald Trumps zahlreiche Brücken, Eisenbahnen und Straßen bauen zu lassen, die Preise der dafür nötigen Basismetalle beflügelt. Der Kurs für Kupfer ist seit Mitte Oktober um rund 20 Prozent gestiegen. Dem war jedoch ein Kursverlust von rund 70 Prozent in sieben Jahren vorausgegangen. Nickel hat sich, trotz jüngster Rallye, seit Frühjahr 2015 um mehr als 30 Prozent verbilligt.

Hohe Kursschwankungen zuletzt bei Nickel

Wer in Rohstoffe wie Industriemetalle investiert, muss jedoch hohe Kursschwankungen miteinkalkulieren. So schmierte der Kurs von Nickel erst in den vergangenen Tagen um fünf Prozent ab, nachdem Indonesien, einer der wichtigen Nickellieferanten, bekanntgab die Exportbeschränkung für das Metall zu lockern, nachdem es diese ein paar Monate vorher beschränkt hatte. Zuvor hatte man deshalb einen Engpass bei Nickel befürchtete, hatte Indonesien doch Anfang des Jahres ein Exportverbot von Nickel angekündigt. Seit Februar hat sich Nickel um 40 Prozent verteuert und war damit der Star unter den Industriemetallen. Jetzt nach der Lockerung der Exportbeschränkung hoffen Abnehmer, wie Stahlunternehmen, dass die Preise weiter sinken und warten mit Käufen zu. Damit bleibt der Nickelpreis kurzfristig unter Druck. Doch mittel- bis langfristig hält Rainer Bunge, Professor für Rohstoffe und Verfahrenstechnik an der Schweizer Techuni in Rapperswil, die Aufwärtstrends dieser Metalle, die zur industriellen Verarbeitung in vielen Bereichen notwendig sind, für intakt. "Hohe Kursschwankungen sind kurzfristig aber immer möglich", warnt der Technikprofessor.

Zuletzt war die Entwicklung des Nickel-Preis stark von neuen Export-Vorschriften der indonesischen Regierung getrieben. Das Land verfügt über eines der größten Nickel-Abbaugebiete weltweit.

Drei Prozent Ertrag pro Jahr prognostiziert

"Investments in Industriemetalle sollten Anleger aber ohnehin langfristig anlegen", rät Bunge. Der Metallspezialist erwartet pro Jahr, abzüglich Inflation, einen Ertrag von zwei bis drei Prozent auf Sicht von 10 bis 15 Jahren. Trotz der zuletzt heftigen Kursausschläge nach oben, hält Bunge etwa Nickel für stark unterbewertet. Das Metall ist etwa für Legierungen wie Nickel/Chrom-Verbindungen nötig und ist nicht substituierbar, also ist durch kein anderes Material ersetzbar.

Schwellenländer saugen sich mit Metallen voll

Die Nachfrage nach Basismetallen steigt weltweit kontinuierlich. Die Nachfrage wird vor allem durch den steigenden Bedarf in den Schwellenländern getrieben. So kam die Nachfrage lange Jahre zu 70 Prozent von Industrienationen. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet und rund 70 Prozent des Absatzes kommen von Schwellenländern. „Jetzt saugen sich die Schwellenländer mit Basismetallen voll“, resümiert Jan-Hendrik Hein, Österreich-Chef des Rohstoff-Indexspezialisten ETF Securities. „Die steigende Nachfrage in diesen Ländern wird auch noch in den nächsten zwanzig Jahren anhalten“, prognostiziert Professor Bunge. Die Rohstoffe hätten einiges an Nachholbedarf was die Preisentwicklung betrifft. Sowohl aufgrund der zunehmenden Industriealisierung und Urbanisierung dieser Länder als auch aufgrund des Bevölkerungswachstums.

Kupfer wieder gefragt

Alleine seit Mitte März hat Kupfer gut sechs Prozent zugelegt. Gerade beim "roten Gold" hängt der Preis von der Entwicklung Chinas ab. Das Land benötigt derzeit bereits jährlich 48 Prozent des Kupferbedarfs. Im Schnitt rechnet miningscout.de in China mit einem jährlichen Nachfrageplus von fünf Prozent. Das ist unter anderem den Zielen der Regierung geschuldet, dass bis 2020 rund 60 Prozent der Bevölkerung in den Städten Chinas leben sollen. Davon betroffen wären rund 100 Millionen Bürger, die derzeit noch auf dem Land leben.

Kupfer: Absturzkandidat auf Erholungskurs

Deutsche Bank für Kupfer-Preisanstieg erst für 2020 optimistisch

Doch es gibt auch vorsichtige Stimmen. Die Deutsche Bank rechnet Ende 2017 nur noch mit einem Kupferpreis von 5.000 Dollar je Tonne. Das entspricht bei einem aktuellen Kurs von 5.787 Dollar einem Kursrückgang von mehr als 13 Prozent. Erst 2020 soll der Kupferpreis wieder über den aktuellen Stand steigen und dann auf 6.077 Dollar anziehen.

Zink: Angebot sinkt

In der Beliebtheitsskala bei Anlegern rangiert auch Zink wieder weit oben. Anfang 2016 stand der Preis noch bei 1.400 Dollar je Tonne. Seither hat sich der Preis verdoppelt. Der höchste Stand seit zehn Jahren. Das liegt unter anderem am knapper gewordenen Angebot. Mehrere große Zinkminen wurden im vergangenen Jahr, nach jahrelanger schwacher Nachfrage, geschlossen. Und die Bestände sinken weltweit. Mitte Februar lag der Bestand bei 381.300 Tonnen. Der niedrigste Stand seit knapp einem Jahr.

Der Kurs von Zink gilt, selbst nach dem steilen Kursanstieg in den vergangenen Wochen, mittel- bis langfristig, nach wie vor als unterbewertet.

Abgerechnet wird in Dollar

Investoren, die auf Industriemetalle setzen wollen, sollten jedoch die Entwicklung des Dollar im Auge behalten. Wie die meisten anderen Rohstoffe werden Industriemetalle in Dollar bezahlt.

Bedarf an Metallen ab einem bestimmten Grad gesättigt

Trotz der steigenden Nachfrage ist der Bedarf der Staaten nach Metallen nicht unendlich. In Industrieländern ist der Bedarf pro Kopf, nach einem starken Anstieg seit dem zweiten Weltkrieg nun bei 300 Kilo pro Kopf de facto gesättigt, beobachtet Uniprofessor Bunge. Nach einem steigen Nachfrageanstieg in den vergangenen Jahrzehnten, verflacht sich die Kurve zusehends. In den Entwicklungsländern liegt der Absatz pro Kopf nach wie vor erst bei im Schnitt 50 Kilo pro Kopf. Bunge prognostiziert deshalb bis 2050 einen starken Nachfrage- und Preisanstieg bei den Industriemetallen. Den größten Bedarf hat China, gefolgt von Indien und Afrika. Um die flächenmäßige Dimensionen von Minen zu verdeutlichen, die schon heute existieren: Die kanadische Kupfermine Bingham verfügt heute bereits über eine Ausdehnung in der Größe Wiens. „In mehreren Jahren werden viele Minen aufgrund des steigenden Bedarfs wesentlich größer sein“, prognostiziert Bunge von der Techuni Rapperswil.

Abbau wird schwieriger und damit teurer

Die Gefahr, dass in den nächsten 100 Jahren die Vorkommen zur Neige gehen, besteht laut Metallexperte Bunge nicht. „Nur der Abbau wird schwieriger, da diese aus immer minderwertigeren Erzen herausgearbeitet werden müssen." Denn die Metalle sind stets in sogenanntes Umgebungsgestein eingelagert, welches einen unterschiedlichen Gehalt eines Basismetalls aufweist. Hochkonzentriertes Metall wurde bei den bestehenden großen Minen großteils schon abgebaut.

Investments in Minenaktien riskanter als in Metalle zu investieren

Statt direkt in Rohstoffe zu investieren, in Bergbau-Aktien zu veranlagen, rät Bunge ab. „Die Kosten für den Abbau steigen. Wer vom Nachfrage-Anstieg profitieren will, sollte daher direkt in das Metall investieren“.

Sehr häufig vorkommende Metalle wie Aluminium als Investments uninteressant

In deutlich häufiger als Kupfer oder Nickel vorkommende Metalle wie Aluminium und Eisen - diese kommen weltweit am häufigsten vor - zu investieren, rät Bunge ab. „Der Abbau kostet zwar fast gar nichts. Der Preis richtet sich daher fast ausschließlich nach dem Strompreises, der für die Erzeugung nötig ist. Dieser bietet jedoch keine interessante Einstiegsperspektive, denn auch langfristig werde der Strompreis, etwa aufgrund des weiteren Ausbaus von Atomstrom in Entwicklungsländern, in den nächsten Jahren nicht nennenswert steigen.

Indexzertifikate als einfache Anlagemöglichkeit

Anleger in Metalle können das in Form von Terminkontrakten, auch Futures genannt, tun. Doch das ist etwas für ausgepuffte Profis. Denn diese Terminkontrakte laufen nach bestimmten Fälligkeitsterminen regelmäßig aus. Zu welchen Preisen man verkaufen und neue Kontrakte abschließen kann, steht in den Sternen. Das kann ordentlich Rendite kosten, wenn auch Gewinnchancen winken.
Am einfachsten sind Investments in Indexzertifikate, die sich auf das Abbilden der Entwicklung der Preise von Basismetallen spezialisiert haben. Ein großer Anbieter ist ETF Securities. Der ETFS Industrial Metals (A0KRKG) spiegelt die Preisentwicklung des Bloomberg Commodity Index wieder. Dem liegen die vier handelsstärksten Indizes Aluminium, Kupfer, Nickel und Zink zugrunde. Derzeit ist Kupfer mit 43 Prozent am stärksten gewichtet, gefolgt von Aluminium (27 Prozent) und Zink (15 Prozent). In den vergangenen fünf Jahren sind die Kurse des Bloomberg Industrial Metals Subindex um mehr als 30 Prozent eingebrochen, in den vergangenen drei Jahren lag der Rückgang bei 7,5 Prozent. Doch nun beginnt sich das Blatt zu wenden. Seit Jahresanfang lag der Kursanstieg bei 10,9 Prozent. Bei diesem Rohstoffindex können Anleger auch eine Tranche wählen, bei der der Währungsschwankungen abgesichert werden.
Man kann jedoch bei ETF Securities auch in einzelne Metalle in Form von Indexprodukte investieren.

Günstige synthetische Indizes

Dem Produkten von ETF Securities liegen jedoch keine tatsächlichen Metalle zugrunde „Die Lagerung ist zu teuer“, argumentiert Austrochef Hein, weshalb etwa der Industrial Metals-ETF synthetisch generiert wird. Um die Terminkontrakte, die nach bestimmten Fälligkeitsterminen regelmäßig auslaufen und um das Abschließen neuer Kontrakte müssen sich Anleger bei diesen Produkten nicht kümmern. Die neuen Kontrakte können teurer oder billiger sein als die verkauften, was entweder zu einem Wertverlust oder einem Gewinn führt. Die Preisdifferenz wird als Rollrendite bezeichnet. Diese Rendite fließt in die Berechnung des Index ein.

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