Christine Lagarde - die neue EZB Chefin

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde

Nach acht Jahren endet Mario Draghis Amtszeit als Präsident der Europäischen Zentralbank EZB. Ihm folgt die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde. Auf die Französin wartet die Mammutaufgabe, den Euro in ruhigere Zeiten zu steuern,

Christine Lagarde war in ihrem Leben schon oft die Nummer eins: Erste Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF), erste französische Wirtschaftsministerin, erste Chefin der renommierten Anwaltskanzlei Baker McKenzie. Als Krönung und Abschluss ihrer Karriere wird die 63-Jährige per 1. November 2019 nun auch die erste Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Französin eilt ein exzellenter, aber nicht tadelloser Ruf als Krisenmanagerin voraus. "Zu wissen, wie man Decken durchbricht, ist wichtig", hat Lagarde einmal mit Blick auf die unsichtbaren Glasdecken gesagt, an die Frauen oft stoßen. "Zähne zusammenbeißen und lächeln" - dieses Motto hat ihr schon als 15-Jährige ihr Trainer bei der französischen Nationalmannschaft im Synchronschwimmen eingeimpft.

Ins kalte Wasser der Finanzkrise

Nach ihrem Aufstieg in der US-Anwaltskanzlei Baker McKenzie ging Lagarde 2005 in die Politik, zunächst als Außenhandels-Staatssekretärin in Frankreich. Der konservative Präsident Nicolas Sarkozy beförderte sie 2007 zur Wirtschafts- und Finanzministerin, als erste Frau auf diesem mächtigen Posten. Ein Jahr später brach die globale Finanzkrise aus, die auch Frankreich schwer traf.


Zur Person

Christine Madeleine Odette Lagarde

  • 1956 Geboren in Paris
  • 1981-2005 Karriere bei Baker &McKenzie
  • 2007-2007 Ministerin für Außenhandel in Frankreich
  • 2007-2011 Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich
  • 2011-2019 Direktorin des Internationalen Währungsfonds IWF
  • ab November 2019 Präsidentin der Europäischen Zentralbank EZB

2011 wurde sie Generaldirektorin des IWF in Washington. Dort machte sie sich einen Ruf als Vorzeigechefin und gewiefte Taktikerin. Mit schweren Krisen war sie auch dort konfrontiert, etwa mit dem Drama um Griechenland: Die Griechen sollten endlich ihre Steuern zahlen, verlangte die stets elegant gekleidete Frau mit den silbernen Haaren 2012. Zugleich warb sie für einen Schuldenschnitt.

Eher unrühmlich ist die Rolle des IWF unter ihrer Führung in der argentinischen Schuldenkrise. Vergangenes Jahr gewährte der Fonds dem kriselnden Staat eine Rekordhilfe von 57 Milliarden Dollar (51,3 Milliarden Euro) - mit mäßigem Erfolg. Steigende Staatsschulden und Hyperinflation machen Argentinien weiter schwer zu schaffen. Im Juni gestand Lagarde ein, der IWF habe die Situation in dem südamerikanischen Land "unterschätzt". Zuletzt bestand sie aber darauf, dass es "viel schlimmer" hätte kommen können, wenn der Fonds nicht eingegriffen hätte.

Neuer EZB-Kurs

Lagarde ist die erste EZB-Chefin, die zuvor keine nationale Zentralbank leitete. Auch eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung kann die frühere Anwältin nicht vorweisen. Dennoch wisse sie genau, "was sie zu tun hat", sagte Draghi vergangene Woche über seine Nachfolgerin. Auch der frühere österreichische Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny hält die Wahl von Lagarde für eine gute Entscheidung. "Offensichtlich werden nun diplomatische Fähigkeiten gebraucht, sowohl im Umgang innerhalb der EZB sowie auch im Umgang mit den Regierungen", sagt er.

Eine radikale Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik der Ära Draghi ist unter Lagarde nicht zu erwarten, aber sie wird nach den drei EZB-Chefs vor ihr, die vor allem auf die Steuerung von Zinssätzen setzten, voraussichtlich mehr tun müssen, um die Glaubwürdigkeit der EZB zu sichern.

Sie kündigte auch an, das Themenspektrum der EZB um gesellschaftliche Fragen wie Klimapolitik und Frauenförderung erweitern zu wollen. Zudem soll die Politik der EZB unter ihrer Führung besser kommuniziert werden. "Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ihr Vorschlag: "Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir künftig wieder eine gemeinsame Linie finden können."

Lagarde sieht Draghi als Vorbild für ihr künftiges Engagement an der Spitze der EZB. Er habe stets das Mandat der Preisstabilität hochgehalten und zudem dazu beigetragen, dass der Euro so populär wie nie zuvor sei. Sie sagte auf der Abschiedsveranstaltung in Frankfurt an Draghi gerichtet: "Ihr Erbe ist für uns die Herausforderung, weiter in Ihrem Sinne zu wirken mit Weisheit, Entschlossenheit und Engagement." Sie betonte, es gehe auch ihr darum, den Euro "für die Bürgerinnen und Bürger der Union" zu stärken.

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