Chinas Währung stürzt ab - kommt der Crash?

Chinas Währung stürzt ab - kommt der Crash?

Der Yuan, einer der meistbeachtetsten Währungen seit dem Crash vorigen Sommer, stürzt erneut ab.

Es ist wie ein déjà vue: Vorigen Sommer stürzte die chinesische Währung Yuan ab und brachte damit die Weltmärkte gehörig ins Wanken. Nun bricht die Währung erneut ein. Was die Gründe dafür sein könnten und was auf Anleger zukommen könnte.

Der Yuan fällt den vierten Tag in Folge. Die chinesische Währung ist damit auf ein 5-1/2-Jahres-Tief gesunken. Wenn die China-Währung einbricht, beginnen Anleger auf der ganzen Welt nervös zu werden. Zu gewichtig ist die Wirtschaft und damit die Währung des asiatischen Riesenreichs. Der breite China-Aktienindex Hang Seng gab in dessen Gefolge deshalb auch bereits seit Montag den 4. Juli um 2,7 Prozent nach.

Talfahrt absichtlich eingeleitet?

"Meiner Einschätzung nach schwächt Chinas Zentralbank ihre Währung entweder absichtlich oder sie will unter günstigen Marktbedingungen einen Teil des aufgestauten Abwertungsdrucks ablassen", schrieb Commerzbank-Analyst Hao Zhou in einem Kommentar. Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern darf einen von der Notenbank täglich vorgegebenen Kurs nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten. Die chinesische Zentralbank erwägt eine weitere Abwertung der Währung Renminbi zu akzeptieren, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Insidern zufolge würde die People's Bank of China (PBoC) einen Dollar-Kurs von 6,80 Yuan tolerieren, um der schwächelnden Exportindustrie des Landes unter die Arme zu greifen. Dies würde eine Abwertung um 4,5 Prozent wie im Vorjahr bedeuten. Börsianer betonten allerdings, dass staatliche chinesische Banken Dollar anböten, um die Stimmung zu beruhigen. "Das ist ein Zeichen der Zentralbank, es gibt keinen Grund zur Panik und zu überstürzten Aktionen." Im Sommer 2015 hatte eine rasche Yuan-Abwertung die Börsen weltweit in Aufruhr versetzt.

In China sinkt die Nachfrage laut der DZ Bank, sowohl was landwirtschaftlichen als auch industrielle Rohstoffen betrifft. Die strukturelle Verlangsamung Chinas wirkt sich beispielsweise auf Exporte, den Tourismus und bei Investitionen aus. Die Konjunkturindikatoren vom Mai signalisieren zwar ein weitgehend stabiles Wachstum der chinesischen Wirtschaft, ohne dass jedoch die Wachstumsdynamik zugenommen hat. Nach Ansicht der DZ Bank wird der chinesische Außenhandel die schwächere Konjunkturentwicklung in Großbritannien durchaus auch spüren. Die Wachstumsdynamik in China dürfte deshalb laut DZ Bank in diesem und im kommenden Jahr zwar geringfügig schwächer ausfallen als bislang gedacht, in den offiziellen Wachstumszahlen werde das aber nicht widerspiegeln.

BIP sinkt und sinkt

So erwartet die DZ Bank für 2016 und 2017 ein weiter sinkendes Wachstum. Das BIP wird demnach von 7,3 Prozent im Jahr 2014 und 6,9 Prozent 2015, heuer auf 6,5 Prozent sinken und im nächsten Jahr voraussichtlich auf 6,0 Prozent. Pessimistisch zeigt sich auch der Kreditversicherer Coface für das Land. Erst kürzlich hat das Unternehmen China auf "B" heruntergestuft und ist damit außerhalb des sogenannten "Investment Grades." Das bedeutet, in diesem Land gehen Kreditgeber und Investoren ein signifikantes Risiko ein.

Erhebliche Kursschwankungen

"Eine Abwertung des Yuan kann zu erheblichen Volatilität führen, wie sie bereits zu Jahresbeginn und im August 2015 zu verzeichnen war", warnt Pimco-Anleihenchef Andrew Balls. Ein Auslöser für einen schwächeren Yuan könnte neben der schwachen chinesischen Wirtschaft auch der starke Dollar sein. "Ein starker Dollar erhöht das Risiko einer weiteren Abwertung des Yuan", so Balls. Und der Dollar könnte weiter steigen. „Durch den Brexit hat sich außerdem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Dollar über längere Zeit hinweg stark notiert, was für die Schwellenländer nie gut ist. Der globale Handel war bereits schwach, und Europa ist der wichtigste Handelspartner für Mitteleuropa und Asien. Zudem könnte sich der Gegenwind für den globalen Handel nach den US-Wahlen verstärken", so Maarten Jan Bakkum, Senior Emerging Markets Strategist bei NN IP gegenüber finanzen.at.

Generell stehen viele Schwellenländer derzeit nicht gut da. „Zahlreiche Schwellenländer leiden weiterhin unter schwachen Wachstumsraten, einem übermäßigen Schuldenaufbau in den vergangenen Jahren, der den Spielraum für eine Erholung der Binnennachfrage einschränkt, eine hohe Abhängigkeit von ausländischem Kapital und gestiegenen politischen Risiken", so Schwellenländerprofi Bakkum.

China bleibt untergewichtet

Bakkum hat Schwellenländer leicht untergewichtet. "Trotz der Beschleunigung des Kreditwachstums und des Schuldenabbaus bestehen Zweifel daran, wie widerstandsfähig Chinas Wachstum ist, und das Wachstum der Schwellenländer dürfte noch auf Jahre hinaus durch Kapitalabflüsse gedämpft werden. Allerdings hat sich der Druck auf die Schwellenländer dadurch verringert, dass die US-Notenbank eine Pause im Zinsanhebungszyklus eingelegt hat."

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