Chef der Schweizer Notenbank warnt vor Geldflut

Chef der Schweizer Notenbank warnt vor Geldflut

SNB-Chef Thomas Jordan

SNB-Chef Thomas Jordan warnt vor einer von den Notenbanken ausgelösten Geldschwemme. Falls nötig will er auch künftig am Devisenmarkt intervenieren.

Enttäuschende Konjunkturzahlen aus der Euro-Zone haben den Franken wieder gegenüber dem Euro steigen lassen. Der Euro wurde zuletzt mit 1,0929 Franken gehandelt nach 1,1022 Franken am Vortag. Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), auf einer Rede in Frankfurt, dass der Franken "weiterhin deutlich überbewertet" sei.

Der oberste Schweizer Währungshüter warnt vor unerwünschten Nebenwirkungen der milliardenschweren Geldschwemme durch die Zentralbanken. Diese könnten ihre Zinsen nicht unbegrenzt weiter senken und würden längerfristig mit immer neuen Programmen für eine Lockerung der Geldpolitik ihre Handlungsfähigkeit aufs Spiel setzen, sagte der Chef der Schweizer Notenbank, Thomas Jordan, am Dienstag. Daher müssten die Notenbanken das Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer außergewöhnlichen Maßnahmen abwägen. "Die Geldpolitik muss angepasst werden, wenn die langfristigen Kosten den kurzfristigen Nutzen übersteigen", sagte Jordan. Er sprach auf einer Veranstaltung in Frankfurt - dem Hauptsitz der Europäischen Zentralbank. Sie dürfte nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer ihre Geldpolitik bereits im März weiter lockern.

Das wiederum könnte die Schweizer Notenbank SNB unter Druck setzen, ebenfalls nachzulegen, um eine weitere Aufwertung des Franken im Vergleich zum Euro zu verhindern. Denn ein starker Franken schadet der exportorientierten Schweizer Wirtschaft. Doch die Hüter des Franken haben ihren Spielraum nach Einschätzung vieler Experten bereits weitgehend ausgeschöpft: Der Zinssatz liegt bei minus 0,75 Prozent und die Bilanz der Notenbank ist angesichts wiederholter Devisenkäufe mehrere hundert Milliarden Franken schwer.

Auch Jordan sieht hier nicht unbegrenzte Möglichkeiten: "Zinsen können nicht beliebig tief in den negativen Bereich gesenkt werden - irgendwann dürfte eine Flucht ins Bargeld einsetzen", sagte er. "Devisenmarktinterventionen und quantitative Lockerungsprogramme bergen mit wachsendem Umfang die Gefahr, dass eine Zentralbank ihre langfristige Handlungsfähigkeit einschränkt", warnte er.

Der Franken baute nach den Jordan-Äußerungen seine Gewinne aus und kletterte auf ein neues Monatshoch zum Euro: Die Gemeinschaftswährung kostete am Dienstag 1,0917 Franken nach 1,1022 Franken am Vortag. Einem Händler zufolge hatte Jordan so für Spekulationen gesorgt, die SNB könnte bei einer nochmaligen Lockerung der EZB-Geldpolitik von einer Zinssenkung absehen. Das würde den Franken deutlich teurer machen. "Natürlich haben Jordans Aussagen einige Leute überrascht, die gedacht haben, es ist eine ausgemachte Sache, dass die SNB der EZB bei einer weiteren Lockerung folgt", sagte der Börsianer.

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