Buwog-Übernahme bringt Sonderzahltag für die Vorstände

Buwog-Übernahme bringt Sonderzahltag für die Vorstände

Von Vonovia geschluckt gehören Buwog-CEO Daniel Riedl (Bild) und seine Vorstandskollegen Segal und Teufelsdorfer zu den Glückrittern.

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Buwog raten Aktionären, das Offert des deutschen Immobilienkonzerns Vonovia zur Übernahme ihrer Buwog-Aktien anzunehmen. Dieses bringt den Buwog-Vorständen schon im April einen Millionen-Zahltag.

Wien/Bochum. Die Übernahme der Wiener Buwog durch die deutsche Vonovia kommt auf die Zielgerade. Die Unternehmensleitung sowie der Aufsichtsrat der Buwog haben in einer nun ausgeschickten Mitteilung (13.2.2018) den Buwog-Aktionären empfohlen, das Offert des deutschen Wohnbaukonzerns Vonovia anzunehmen. Der Angebotspreis von 29,05 Euro je Buwog-Aktie in bar und die gebotene Gegenleistung an die Inhaber der Wandelschuldverschreibungen sei "aus finanzieller Sicht angemessen." Die Buwog-Papiere (ISIN 72200566) notieren mit heutigem Tag bei 28,60 Euro.

Die Buwog ist früheren Angaben zufolge rund 5,2 Milliarden Euro wert. Mit ihrer Übernahme verleibt sich die deutsche Vonovia innerhalb von etwas mehr als einem Jahr das zweite österreichische Immobilienunternehmen ein. Im Dezember 2016 hatte der börsennotierte deutsche Immobilienkonzern (ISIN DE000A1ML7J1) mit Hauptsitz Bochum bereits um 2,7 Milliarden Euro die Wiener conwert übernommen.

Der Countdown für die Annahmefrist des Offert ist für die Buwog-Aktionäre nun angezählt. Bis 12. März 2018 können sich die Buwog-Aktionäre entscheiden ob sie das Angebot annehmen. Für die erfolgreiche Übernahme durch Vonovia müssen mehr als die Hälfte der Buwog-Aktionäre dem Offert zustimmen. Ende März wird die Erstentscheidung für das Angebot erwartet.

Die Kartellbehörden haben den Deal bereits durchgewunken. Vonovia hat sich das Recht vorbehalten, die Bieterfrist gegebenenfalls zu verlängern. Zu einer Nachfrist kommt es aber nur, wenn mehr als 50 Prozent der Buwog-Aktionäre dem Offert von Vonovia zugestimmt haben.

Conwert unter das Dach von Buwog

Mit der Übernahme will Vonovia ihren Bestand von 350.000 Wohnungen mit jenem der Buwog von 49.000 Wohnungen zusammenführen. Vonovias österreichisches Immobilien-Portfolio, das größtenteils aus den Immobilien von conwert stammt, soll in die Buwog integriert und künftig unter dem Dach der Buwog verwaltet werden. Die deutschen Immobilien von Buwog sollen künftig von Vonovia gemanagt werden. Der Hauptstandort der Buwog in Wien soll langfristig erhalten bleiben.

Mit der neuen Aufteilung soll laut Mitteilung unter anderem der Bestand des Buwog-Portfolios künftig über deren Bewirtschaftungsplattformen, durch Modernisierungsmaßnahmen und aufgrund von Skaleneffekten im Wert erhöht werden.

Die Sozialpläne

Ein Personalabbau steht laut Buwog-Mitteilung "nicht im Vordergrund der Übernahme". Da aber laut Buwog-Mitteilung schon konkrete Überlegungen zu Sozialplänen in Erwägung gezogen werden, muss bereits jetzt mit einem Mitarbeiterabbau gerechnet werden. Die Buwog-Gruppe beschäftigt derzeit über 700 Mitarbeiter.

Im Zuge der Integration der Immobilienbestände sei eine "Zusammenführung der bestehenden Strukturen angedacht". Für den Fall des Personalabbaus wurden bereits Maßnahmen getroffen. Dazu zählen Abfindungsregelungen, ein Fonds für soziale Härtefälle, Ausbildungsgarantien für Lehrlinge, Auszubildende und duale Studenten sowie Sonderregeln für sogenanntes "Key Personnel".

Vorstände in Amt und Würden

Das dreiköpfige Buwog-Führungsteam soll weiterhin an Bord bleiben. Buwog-CEO Daniel Riedl wird genauso wenig das Sonderkündigungsrecht ausüben wie Vorstandsmitglied (COO, Chief Operating Officer) Herwig Teufelsdorfer und Finanzchef (CFO) Andreas Segal. Alle drei Vorstände haben zwar auf ihr vertragliches Sonderkündigungsrecht verzichtet. Aber die drei Vorstände sollen nach der erfolgreichen Übernahme von Vonovia mit entsprechenden Anschlussverträgen Vonovia erhalten bleiben.

Mit den drei Vorständen gibt es bereits unterschiedliche Vereinbarungen, wie aus der Buwog-Mitteilung von heute, 13. Februar 2018, hervorgeht. CEO Riedl soll nach der Übernahme in den Vonovia-Vorstand einziehen und einen auf drei Jahre noch nicht näher spezifizierten Vertrag erhalten. Riedl soll für Vonovia die Region Österreich und den Bereich "Development" leiten. Die Höhe der Gage wurde nicht genannt.

COO Teufelsdorfer, der für das Bestandsmanagement und "Property Sales" zuständig ist, hat für den Fall der Übernahme bereits einen neuen Vertrag in der Tasche. Er wird ab dem Geschäftsjahr 2018/2019 laut Buwog-Mitteilung unter dem Dach der Vonovia einen neuen Vertrag mit einem Jahresgehalt von 1,0 Millionen Euro bekommen. Dies entspricht seiner bisherigen Gage bei der Buwog zuzüglicher Leistungskomponenten.

Millionenkasse für den Finanzchef

Aber auch Finanzchef (CFO) Andreas Segal profitiert buchstäblich von der Übernahme. Ihm wird laut Buwog-Mitteilung eine "wesentliche Rolle" bei der Übernahme zugeschrieben. Aus diesem Grund will man Segal zumindest bis Ende Juni 2018 im Unternehmen halten. Segal hat auf das Sonderkündigungrecht zwar verzichtet und steht bis zur Umsetzung der Tranksatkion bis zum 30. Juni 2018 zur Verfügung. Ob Segal darüberhinaus bleiben wird, wurde noch nicht mitgeteilt. Segals Buwog-Vertrag läuft noch bis 31. Dezember 2019.

Den Verzicht auf das Sonderkündigungsrecht lässt sich der Finanzchef reichlich entlohnen. Mit einer bedingten Aufhebung des Anstellungsvertrags zum Ablauf des 30. Juni 2018 - "aufschiebend bedingt mit dem Erfolg des Übernahmeangebots" - erhält Buwog-Finanzchef Segal eine "angemessene Abfindung". Er bekommt 2,52 Millionen Euro, was zwei Bruttojahresgehältern entspricht. Der Betrag bezieht sich laut Buwog-Mitteilung auf Basis einer Zielerfüllung von 120 Prozent. Die Buwog verzichtet ab 1. Juli 2018 auf das Wettbewerbsverbot von Segal, was in der "bedingten Auflösungsvereinbarung" zwischen Segal und Buwog am 25. Jänner 2018 bereits vereinbart wurde.

Ein großer Zahltag für die Vorstände

Weitere Zahlungen erhalten die Vorstände mit der vorzeitigen Auszahlung aus den Incentive Programmen der Buwog. CEO Riedl hat Optionsrecht für 480.000 Buwog-Aktien zum Bezugspreis von 13 Euro. Die Aktienoptionen kann er ab 1. Mai bis2018 bis 30. April 2019 ausüben Der Wert der Optionen, die Differenz zwischen Aktien-Angebotspreis der Vonovia und dem Bezugspreis, soll laut heutiger Buwog-Mitteilung per 30. April 2018 in bar ohne Aktienlieferung abgelöst werden. Für weitere 35.915 Aktien soll Riedl ebenso cash den Gegenwert erhalten - in Summe winken Riedl zum Sonderzahltag Ende April 8,74 Millionen Euro.

Auch für Finanzchef Segal ist Ende April ein ordentlicher Zahltag. Ihm wurden bereits 38.337 Optionen auf Buwog-Aktien zugeteilt. Mit insgesamt 62.985 Aktien soll das Incentivprogramm vorzeitig zum 30. April 2018 beendet und zum Aktien-Angebotspreis von 29,05 Euro je Buwog-Aktie von Vonovia versilbert werden. Macht für Segal unterm Strich rund 1,83 Millionen Euro zusätzlich - zu den bereits zuvor genannten "angemessene Abfindung" in Höhe von 2,52 Millionen Euro .

COO Teufelsdorfer wurden bereits 36.762 Optionen zugeteilt. Mit insgesamt 54.368 Aktien zum Aktien-Angebotspreis der Vonovia (29,05 Euro pro Buwog-Aktie) kommt auch Teufelsdorfer auf einen Millionenbetrag: Ende April bekommt der Buwog-COO auf rund 1,58 Millionen Euro.

Für die drei Vorstände ist der Übernahme-Deal jedenfalls ein lohnendes Geschäft. Denn insgesamt kommen alleine am 30. April 2018 rund 12,15 Millionen Euro zur Auszahlung an das dreiköpfige Führungsteam, vorausgesetzt, dass ihre Aktionäre der Übernahme von Vonovia zustimmen.


Die Aktien

Die Buwog-Aktie (ISIN AT00BUWOG001) notiert derzeit bei 25,48 Euro um rund 0,5 Prozent höher als am Montag. Der gebotene Preis liegt deutlich über den gewichteten historischen Durchschnittskursen der letzten zwei Jahre. Ausgehend vom Tag der Übernahmeankündigung am 15. Dezember zahlt die Vonovia somit einen Preis, der 18,1 Prozent über dem damaligen Schlusskurs liegt. Die Buwog-Aktie hat im Jahresabstand rund 22 Prozent an Wert zugelegt.

Die Vonovia-Papiere notieren derzeit bei 36,64 Euro unverändert zum Vortag. Seit dem Übernahmeoffert hat die Aktie kräftig verloren. Mitte Dezember notierte die Vonovia-Papiere noch bei rund 41 Euro.

Die Buwog-Aktionäre haben die Möglichkeit noch bis 12. März 2018 dem Offert zuzustimmen. À la longue würde die Buwog wieder von der Börse verschwinden. Erst im April 2014 war das Unternehmen als Tochterunternehmen von der Immofinanz abgespalten worden und hatte sein Börsedebüt gefeiert.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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