Der längste Bullenmarkt der USA: Die große Bilanz - der Ausblick

Der längste Bullenmarkt der USA: Die große Bilanz - der Ausblick

Am Mittwoch, den 22. August 2018 hat der aktuelle Bullenmarkt den der Neunziger Jahre endgültig überdauert. Wer vor 9,5 Jahren breit in den US-Aktienmarkt investiert hat, kann sich heute über dreistellige Kurszuwächse freuen. Welche amerikanischen Börsen die höchsten Kursgewinne erzielten, wie hoch die Kurse noch steigen könnten.

Der 22. August 2018 wird in die Börsengeschichte eingehen. Denn seit diesem Tag ist der aktuelle US-Bullenmarkt, der kurz vor dem Ende der Finanzkrise im Frühjahr 2009 startete, der Längste in seiner Geschichte. Damit wird der Bullenmarkt von Oktober 1990 bis März 2000 abgelöst (siehe Grafik)

Markt wurde mit Geld überschwemmt

Anleger flüchteten in den vergangenen Jahren, beflügelt von eine lockeren Geldpolitik und mangels Zinsen am Sparbuch in Aktien. Unternehmen konnten sich billig verschulden. „Die hohe Liquidität fand auch ihren Weg an den Aktienmarkt“, resümiert Jewgeni Ponomarev, Börsenexperte bei HSBC.

Bis zu über 500 Prozent Kursgewinn pro US-Börse

Die Hausse am US-Aktienmarkt ist eindrucksvoll. Seit März 2009 ist der breite Aktienindex S&P 500 um 320 Prozent gestiegen, der Dow Jones um 286 Prozent und die Techbörse Nasdaq kletterte seither um 521 Prozent. Der S&P 500 schaffte allerdings im oben genannten Bullenmarkt zwischen 1990 und 2000 mit plus 417 Prozent eine bessere Kursentwicklung als in der momentanen Hausse.

Von März 2009 bis August 2018: US-Börsen befinden sich in der längsten Hausse der Geschichte. Der S&P stieg seither um 320 Prozent.

Effekte in Milliardenhöhe durch Steuerreform

Die Stimmung in den USA ist unverändert sehr gut, die aktuelle Berichtssaison läuft hervorragend. Aktuell glänzen US-Unternehmen dank positiver Effekte durch die Steuerreform. Steuersenkungen bringen alleine in diesem Jahr Ersparnis von rund 100 Milliarden Dollar und weiteren 200 Milliarden im kommenden Jahr. Das sorgt bei den Konsumenten für Zuversicht.

US-Unternehmensgewinne im 2. Quartal um 25 Prozent gestiegen

Die Unternehmen profitieren neben der Steuerreform sowohl vom zeitweise schwächeren US-Dollar, vom starken Ölpreis, von steigenden Zinsen als auch von der Belebung der Weltkonjunktur. Durchschnittlich stiegen die Nettogewinne der S&P-500-Unternehmen im zweiten Quartal um 25 Prozent. Dies ist der größte Zuwachs seit dem Jahr 2010, unmittelbar nach der Rezession in den USA. Doch es gibt warnende Stimmen: „Der Gewinnschub dank gesenkter Steuern wird sich nicht dauerhaft wiederholen, sodass sich Anleger bald wieder auf geringere Zuwachsraten vorbereiten sollten“, glaubt Christan Kahler, Analyst der DZ Bank. Allerdings zeigt der Blick auf das Umsatzwachstum der Unternehmen, das nicht durch die Steuerreform beeinflusst wurde. So lag das Umsatzplus im zweiten Quartal ebenfalls bei beachtlichen zehn Prozent. „Die starke US-Konjunktur trägt also den Aufschwung“, so Kahler.

In welche Branchen die Rückschlagsgefahr steigt

Doch die Unsicherheitsfaktoren steigen. Störfaktor Nummer eins bleibt für die Märkte eine Ausweitung der Zölle zwischen den USA und China. DZ Bank-Analyst Kahler: „Das gilt insbesondere für die US-Unternehmen, speziell die Agrar-, Industrie- und Automobiltitel, die in den vergangenen Jahren dank der Globalisierung der Lieferketten und rückläufiger Zinsen ihre Gewinnmargen ausweiten konnten.“ Diese könnten zukünftig etwas sinken. Die Gefahr eines großfälligen Absturzes des US-Aktienmarkts sieht Kahler jedoch nicht.

Kurstreiber Tech, Banken und Energie sind von Handelsbarrieren kaum betroffen

Der Aufschwung an den US-Börsen war jedoch maßgeblich durch wenige Unternehmen aus Schlüsselsektoren wie Technologie, Banken und dem Energiesektor getragen. Diese Titel dürften weitestgehend immun sein gegen steigende Kapitalmarktrenditen und zunehmende Handelsbarrieren, sodass der US-Aktienmarkt nach Einschätzung der DZ Bank von einem Kollaps weit entfernt sein sollte.

Gewitterwolken über Netflix, Twitter und Facebook

Dennoch kommen bei Tech-Aktien zunehmend Sorgen auf. „Die Finanzierungskosten steigen, die Inflation zieht an und die Gefahr eines globalen Handelskrieges ist immer noch nicht vom Tisch“, resümiert Daniel White, Fondsmanager des M&G North American Value Fund. Alarmierend sei zudem, dass mit Netflix, Twitter und Facebook gleich drei große US-Tech-Namen ihre Gewinnziele verfehlt haben.


„Sichtweise der Anleger hat sich rasant gedreht“

Dabei haben Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google lange den US-Aktienmarkt dominiert. Zusammen liegt ihr Börsenwert bei 4,1 Billionen Dollar – weit mehr als die untere Hälfte der S&P 500-Unternehmen insgesamt aufbringt. Die US-Aktiengewinne dieses Jahres gehen fast ausschließlich auf die Rallye dieser fünf Titel zurück, deren Risiko und Liquidität somit stark konzentriert sind. „Aber seit dem Facebook-Sturz ist die Sorge wieder da, dass wir eine Wiederholung des dot.com-Desasters aus den Neunzigern erleben könnten. Die Sichtweise der Anleger hat sich rasant gedreht“, analysiert M&G-US-Experte White. Eine Dotcom-Blase wie vor 20 Jahren fürchtet der Experte jedoch nicht. „Allmählich trennt sich aber die Spreu vom Weizen. Microsoft hat zum Beispiel weiter sehr gute Ergebnisse gemeldet“, ergänzt White.

US-Aktien: Noch vergleichsweise günstig oder schon teuer?

Das Kurs-Gewinn/Verhältnis von 17 liegt aktuell laut DZ Bank nur knapp über dem Mittelwert von 15 und innerhalb der Standardabweichung.

Die Gewinnentwicklung der Unternehmen, die im S&P gelistet sind, dürfte laut Prognose der DZ Bank, auch weiterhin mit der Kursentwicklung Schritt halten.

Fünf Prozent Kurspotential bis Mitte 2019

Die DZ Bank geht davon, dass die guten Fundamentaldaten die vielen politischen Risiken in den kommenden Wochen überstrahlen werden. Sollte es zu einer Eskalation des Zollstreits kommen, wovon die DZ Banker nicht ausgeht, dürften die US-Märkte ihrer Ansicht nach weniger stark negativ betroffen sein. Gründe sind die Steuersenkungen und das starke Binnenwachstum, das die Konjunktur stützt. Das Kursziel der DZ Bank für dem S&P 500 für Mitte 2019 beträgt 3.000 Punkte. Bei einem aktuellen Punktestand von 2.863 entspricht das einem Kurspotential von knapp fünf Prozent.

Risiko US-Geldpolitik?

Doch die Risiken steigen, befindet sich die USA doch in der Spätphase des Konjunkurzykluses. „Die Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank, das reduzierte Anleihenkaufprogramm der EZB, steigende Libor-Sätze und ein geringeres Geldmengenwachstum machen sich in der globalen Wirtschaft bemerkbar“, analysiert Ariel Bezalel, Anleihenchef bei Jupiter Asset Management.

Kursschwankungen könnte durch Geldpolitik steigen

Die Kursschwankungen an den Börsen könnten steigen. Ein Grund dafür könnte die deutlich straffere Geldpolitik der US-Notenbank sein. So will die FED ihre Bilanz im dritten Quartal 2018 um 40 Milliarden Dollar pro Monat senken, im vierten Quartal um 50 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Straffung von fast einer halben Billion Dollar in diesem Jahr. Jupiter-Experte Bezalel warnt: „Das könnte in Kombination mit weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr und drei im nächsten Jahr zu viel für den Markt sein.“

„Vorsicht ist das Gebot der Stunde“

JP Morgan sieht die geplante Notenbankpolitik jedoch gelassen. „Der fiskalpolitische Rückenwind wird im Laufe des kommenden Jahres nicht nachlassen“, glaubt Tilmann Galler von JP Morgan. Die Warnung von Jupiter-Experten Bezalel sollte man dennoch im Hinterkopf gehalten: „Vorsicht ist das Gebot der Stunde.“

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