Brexit: Düstere Aussichten für die britische Fondsbranche

Über der britischen Fondsindustrie braut sich ein schweres Unwetter zusammen. Am Ende des Brexit-Prozesses könnte Großbritannien gegenüber der EU auf den „Drittstaate-Status“ zurückfallen. Das hätte für die Fondsbranche der Insel erhebliche, negative Auswirkungen.

Brexit: Düstere Aussichten für die britische Fondsbranche

Brexit: Britische Banken drohen und Fondsgesellschaften drohen sitzen zu bleiben.

Die britische Premierministerin Theresa May hat den Kurs in Richtung eines harten Brexit eingeschlagen. Großbritanniens Finanzinstitute, den Finanzdienstleistern und den Fondsanbietern, droht dadurch ein schwerer Rückschlag.

Die Briten hoffen zwar weiterhin, im Lauf der Austrittsverhandlungen den EWR-Status erlangen zu können, den unter anderem auch Norwegen inne hat, doch in der EU möchte man das eher vermeiden. Auch zur Abschreckung anderer Mitgliedsstaaten, in denen es Tendenzen zur Abspaltung gibt. Somit droht Großbritannien auf den Status eines Drittlandes zurückzufallen und die bedeutende Finanzbranche auf der Insel isoliert zu werden: Sowohl das Recht der Dienstleistungsfreiheit als auch das der europaweit freien Niederlassungswahl wären dann verloren und damit auch die Vertriebsaktivitäten der britischen Anbieter erheblich eingeschränkt.

Davon wäre nicht nur der Vertrieb an Privatanleger, sondern auch der an institutionelle Investoren betroffen. Und neben den britischen Fondsanbietern obendrein auch Tochtergesellschaften amerikanischer Fondsunternehmen, die aktuell noch von London aus den europäischen Markt bedienen.

Nationale Vertriebsgenehmigungen

Aykut Bußian, Leiter Fund Solutions bei Baker Tilly Roelfs, kommentiert: „Wollen britische Fondsanbieter dennoch in der EU aktiv werden, müssen sie einen erheblichen Aufwand auf sich nehmen.“ So müsste etwa eine britische Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) beim beabsichtigten Vertrieb von Fonds an deutsche Privatanleger der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) weitgehende Informationen zu ihrer Organisation zur Verfügung stellen. „Unterm Strich ist der Aufwand so groß, als würde die Gesellschaft einen eigenen Erlaubnisantrag nach dem deutschen Kapitalanlagegesetzbuch stellen. Dies – und die bekanntermaßen langen Prüffristen der BaFin – werden zusammen ein inakzeptables Vertriebshemmnis darstellen.“

Doch das Problem besteht nicht nur in Deutschland, sondern in allen EU-Ländern. Wenn im Zuge der Brexit-Verhandlungen keine Pauschallösung erzielt wird, dann könnte die EU einen Referenzmitgliedstaat bestimmen, dessen Regulierungsniveau die britischen Anbieter KVG erfüllen müssen. Zum Vergleich: Handelt es sich um eine Kapitalverwaltungsgesellschaft aus der EU, genügt die Einholung einer Bescheinigung der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde. Es könnte aber noch schlimmer kommen, nämlich dass die Anbieter in jedem EU-Mitgliedsstaat einen entsprechenden Antrag stellen müssen, wenn sie dort ein Produkt anbieten möchten. In Österreich müsste der Vertrieb der jeweiligen Fonds von der Finanzmarktaufsicht FMA genehmigt werden.

"London droht seine Rolle als wichtiger Finanzstandort in Europa zu verlieren", meint Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank. „Fast ein Fünftel der globalen Bankaktivität findet im Vereinigten Königreich statt. Alternative europäische Standorte bringen sich in Stellung.“

Jedoch nicht nur für die Finanzbranche, sondern für die gesamt britische Wirtschaft dürfte der Brexit noch gehörige Folgen haben. Schon 2016 kam es zu einer massiven Abwertung des Pfunds, für die nächsten Jahre sind Wachstumseinbußen zu befürchten. Nemeth: "Der britische Finanzminister geht davon aus, dass die Wirtschaft 2017 um ein Prozent und bis 2020 um 2,5 Prozent weniger wächst. Die Bertelsmann Stiftung und das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) sagen, dass das reale BIP im Jahr 2030 um 14 Prozent niedriger sein wird als bei einem Verbleib in der Europäischen Union.“

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