Börsenrallye: Wie nachhaltig sind die Tiefs überwunden?

Seit Wochenbeginn sind die Kurse im ATX, im Dax und im S&P in zweistelliger Höhe gestiegen. Die Gründe dafür, was Experten kurzfristig und in den nächsten sechs bis zwölf Monaten für eine Entwicklung an den Börsen erwarten und welche Risiken bestehen.

Börsenrallye: Wie nachhaltig sind die Tiefs überwunden?

An den Börsen ist schon viel Pessimismus eingepreist, doch bei steigenden Fallzahlen könnte die Kurve wieder nach unten drehen.

An den globalen Börsen macht sich Erleichterung und Hoffnung breit. Denn die Corona-Welle könnte weltweit ihren Höhepunkt erreicht haben. Der Gradmesser dafür ist vor allem die Zahl der Neuinfektionen. Diese verlangsamt sich, vor allem in den stark betroffenen Ländern Italien und Spanien. Aus New York, dem Corona-Epizentrum in den USA, wurde erstmals ein Rückgang zum Vortag bei der Zahl der Toten berichtet. China meldet erstmals seit Jänner keine Corona-Toten mehr. All diese Nachrichten haben an den Börsen ein Kursfeuerwerk ausgelöst.

Dax vom Tief um 15 Prozent gestiegen
An der Wall Street legte sowohl der Dow Jones als auch die Techbörse Nasdaq alleine am Montag über sieben Prozent zu. Der Dax rückte bis Dienstag Nachmittag zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent auf bis zu 10.486 Punkte vor. Seit dem Crash-Tief Mitte März von rund 8.255 Punkten hat sich der deutsche Leitindex mittlerweile um mehr als ein Viertel erholt. Der ATX sprang seit Wochenbeginn bis Dienstag Nachmittag um mehr als fünf Prozent in die Höhe. Einzelne Werte, die zuletzt stark geprügelt wurden, wie jene der Autobauer Volkswagen, Daimler, BMW und des Zulieferers Continental verzeichneten nur am Montag Aufschläge von bis zu 14 Prozent.

Kurzfristig drohen noch Rückschläge
Aber ist mit der Rallye auch das Tief bei den Kursen erreicht? Wahrscheinlich noch nicht ganz. Zwar sind laut einer Umfrage von RBC Capital Markets unter professionellen Anlegern mittlerweile 60 Prozent der Ansicht, dass die Kurse in sechs bis zwölf Monaten wieder höher notieren werden als heute. Kurzfristig sind jedoch renommierte Geldhäuser wie die Bank of America noch bearish eingestellt. Auch der Trend an den Märkten ist, trotz der jüngsten Erholung, nach wie vor negativ.

Heer von Arbeitslosen macht rasche US-Erholung unwahrscheinlich
Das ändert aber nichts daran, dass das wirtschaftliche Umfeld denkbar schlecht ist. Vor allem die Massenarbeitslosigkeit ist ein nicht zu unterschätzender Hemmschuh für einen Aufschwung. Die US-Arbeitsmarktdaten sind desaströs. So sind Amerika 21 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Sieben Millionen Stellengesuche kommen derzeit wöchentlich im Schnitt dazu. Das ist neuer Rekord. Die US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet damit, dass die Umsätze im US-Einzelhandel im zweiten Quartal um 38 Prozent einbrechen. „Da ist in den Kursen noch nicht alles drinnen“, so die Experten in einer Analyse. Bei Morgan Stanley glaubt man auch nicht, dass sich die Wirtschaft V-förmig, also sehr rasch, erholen wird. Als einer der Ursache wird die hohe Arbeitslosigkeit in den USA genannt. Tage der Wahrheit kommen auch ab Mitte April auf die Anleger zu, wenn die US-Börsensaison losgeht und die Unternehmen die Quartalszahlen präsentieren. Da ist noch mit vielen negativen Überraschungen für die Zahlen des zurückliegenden Quartals aber auch für die Ausblicke der Unternehmen zu rechnen.

Viel Pessimismus ist in den Kursen bereits enthalten
Zuversichtlich stimmt die Experten jedoch, dass ein hohes Maß an Pessimismus an den Börsen bereits eingepreist sein dürfte. So gab es in den vergangenen vier Wochen bei Aktienfonds einen Rekordabfluss von 131 Milliarden Dollar. 284 Milliarden Dollar wurden von Anleihenfonds abgezogen. Da vermuten die Spezialisten von Macrobond, dass die meisten Verkäufe bereits stattgefunden haben.
Für Beruhigung an den Märkten sorgte zuletzt auch die Ankündigungen der Zentralbanken, „was auch immer nötig sei, zu unternehmen, um die Wirtschaft zu unterstützen. Die Aussagen wurden von umfangreichen staatlichen Konjunkturprogrammen in den USA und in Europa flankiert.

US-Notenbank kauft täglich Anleihen um 50 Milliarden Dollar
So feuert die US-Notenbank Fed weiterhin aus allen Rohren. Zwar hat sie das Tempo der Anleihenkäufe verringert, es bleibt aber mit täglichen Käufen von 50 Milliarden Dollar noch immer auf einem hohen Level. Die Fed hat so bereits Anleihenbestände von über 1.000 Milliarden Dollar in ihren Büchern. In Japan werden weitere politische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus angekündigt. Die japanische Regierung plant ein Fiskalpaket im Ausmaß von 20 Prozent des BIP.

Deutliche Erholung im zweiten Halbjahr erwartet
Zuversichtlich blickt man bei Raiffeisen Research in die Zukunft. „Wenn der Virus eingedämmt werden kann und sich so die strengen Maßnahmen nicht bis in den Sommer ziehen, erwarten wir im zweiten Halbjahr eine deutliche Erholung“, so Raiffeisen-Aktienanalyst Valentin Hofstätter.
Dass an den Börsen in nächster Zeit viel zu holen ist, glauben allerdings die wenigsten. Die Bank of America erwartet vor wenigen Tagen bis Jahresende einen Kursanstieg im S&P auf 2.600 Punkte. Diese Marke wurde allerdings schon am Dienstag erreicht.

Frühindikatoren in China ziehen kräftig an
Die Erholung der Wirtschaft kann jedoch rasch kommen. Das zeigt das Beispiel China. Der chinesische Einkaufsmanagerindex, einer der wichtigsten Frühindikatoren - dieser spiegelt die Entwicklung von Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, erhaltene Lieferungen und Lagerbestand wieder - ist seit dem Ende der strengen Beschränkungen für Bevölkerung und Wirtschaft, am 29. Februar, von 40 auf 50 Punkte nach oben geschossen. Die rasche Genesung der Wirschaft zeigt sich auch am Economic Recovery Index China von WeBank. Demnach ist die Wirtschaftsauslastung des Landes rasch von 20 Prozent am 8. Februar wieder auf 90 Prozent, am 21. März, gestiegen (siehe Chart).

Chinas Unternehmen haben ihre Auslastung binnen eines Monats von 20 auf 90 Prozent hochgefahren.

Aktien billig wie lange nicht
Gemessen am Buchwert sind die Aktien derzeit so günstig wie lange nicht mehr.

Die Aktien im ATX und im Dax sind gemessen am Buchwert sderzeit sehr günstig.


Es wäre erstaunlich, wenn die Tiefststände angesichts des fehlenden medizinischen Fortschritts nicht erneut getestet werden würden


Zu viel Optimismus und damit zu hohe Positionen aufbauen, ist derzeit allerdings auch nicht angebracht. Aktienexperten bei Index-Radar warnt davor, dass der Rebound nur eine Bärenmarktrally sei. Die derzeitige Erholung an den Aktienmärkten basiert auf dem optimistischen Szenario, dass die Covid 19-Infektionskurve sich weiter abflacht die globale Wirtschaft sich wiederbelebt. Der Asset Manager Salm-Salm & Partner erklärte gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. „Es wäre erstaunlich, wenn die Tiefststände angesichts des fehlenden medizinischen Fortschritts nicht erneut getestet werden würden.“

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