Facebook verliert rund 123 Milliarden Dollar Börsenwert

Facebook wird nach schwächeren Zahlen von den Anlegern gleich zur Börseneröffnung abgestraft, obwohl Gewinn und Umsatz noch immer kräftig auf Milliarden-Niveau steigen. Binnen weniger Minuten ist der Börsenwert des Unternehmen um rund 123 Milliarden Dollar gesunken. Die Facebook-Aktie hat knapp ein Fünftel ihres Werts verloren. Der Aktienkurs noitierte somit um 19,6 Prozent niedriger als am Vortag.

Facebook verliert rund 123 Milliarden Dollar Börsenwert

Menlo Park. Ergebnisse sind eine Seite der Medaille, die andere Seite die Erwartungen von Analysten und Anlegern. Und letztere sind nur schwer zufrieden zu stellen. Obwohl Facebook satte Zuwächse beim Umsatz un vor allem beim Gewinn präsentieren konnte, waren Anleger und Analysten enttäuscht.

Denn Facebook soll angesichts zunehmender Probleme mit dem Datenschutz an seine Wachstumsgrenzen stoßen, was offenbar zu Irritationen führt. Weil verunsicherte Nutzer sich von dem weltgrößten Internet-Netzwerk abwenden und es für den US-Konzern teurer wird, alle Gesetze einzuhalten, steigen Umsatz und Gewinn nicht mehr so stark wie früher.

Anleger, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg jahrelang mit märchenhaften Wachstumsraten verwöhnt hatte, reagierten schockiert auf den Quartalsbericht und den trüben Ausblick: Der Aktienkurs von Facebook (ISIN Facebook Inc. (US30303M1027) stürzte am Donnerstag um knapp 20 Prozent ab. Die Aktie notierte gleich nach Börsenbeginn bei 174,89 Dollar - tags zuvor waren es immerhin noch 217,50 Dollar. Die Aktie war bisher auf Rekordjagd und hatte erst vor der Präsentation der Quartalszahlen den nächsten Höchststand markiert. Es war der größte Tagesverlust seit dem Börsengang 2012. Rund 123 Mrd. Dollar (105 Mrd. Euro) an Börsenwert wurden vernichtet (Stand: 17:30 Uhr MEZ). Das ist fast so viel wie die gesamte Marktkapitalisierung des deutschen Softwarehauses und Dax-Schwergewichts SAP oder das vierfache des Börsenwerts von Twitter.

Das Aktienpaket von Facebook-Gründer und CEO Marc Zuckerberg ist alleine um fast 16 Mrd. Dollar (13,7 Mrd. Euro) gesunken. Sollte das Minus auf Niveau des derzeitigen Kurs bleiben, wäre Facebook der neue Rekordhalter der Kapitalvernichtung an einem Handelstag der Börsengeschichte der USA.

Die Gelddruckmaschine

Wobei Facebook noch immer satte Zuwächse verbucht. Und höchst profitabel wirtschaftet. Denn der Umsatz ist im zweiten Quartal um 42 Prozent auf 13,2 Mrd. Dollar geklettert. Die sogenannten Branchenexperten hatten allerdings mit 13,4 Mrd. Dollar gerechnet. Vielmehr ist der Gewinn weiterhin in die Höhe geschossen: um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Die Aktie war bisher auf Rekordjagd und hatte erst vor der Präsentation der Quartalszahlen den nächsten Höchststand markiert.

In Nordamerika und Europa sanken die Umsätze um 75 Mio. Dollar. Auch beim Nutzerwachstum blieb Facebook hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück: Die Zahl stieg auf 2,23 Milliarden. Analysten hatten mit 2,25 Milliarden gerechnet. In Europa, wo seit kurzem strengere Datenschutzvorschriften (DSGVO) gelten, nahm die Zahl der täglich aktiven Nutzer um drei Millionen ab. Viele der abhanden gekommenen Nutzer haben die Einführung der DSGVO genutzt, um sich aus Facebook abzumelden. Zudem hat der Datenskandal mit Cambridge Analytica noch stärker zu Buche geschlagen, als erwaret wurde. Von den Nutzerzahlen hängt ab, wie viel Geld Facebook von seinen Werbekunden kassieren kann.

Die Facebook-Aktie verliert am 26. Juli 2018 gleich zur Eröffnung rund 20 Prozent an Börsenwert.

Facebook erwirtschaftet zwar wie andere Internet-Konzerne immer noch weit höhere Umsatzrenditen als traditionelle Unternehmen, ist aber nicht mehr so profitabel wie früher: Die Marge, die vor einem Jahr noch bei 47 Prozent lag, sank im abgelaufenen Quartal auf 44 Prozent. Bei den Kosten erwartet das Unternehmen einen Sprung von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, weil Facebook mehr in Datensicherheit, Marketing und Inhalte investieren will.

Der Bilderdienst Instagram wuchs auf eine Milliarde monatlicher Nutzer von 600 Millionen zum Ende vergangenen Jahres. Die beiden Messenger-Dienste von Facebook - Messenger und WhatsApp - hatten jeweils mehr als eine Milliarde monatliche User. Instagram trägt nach Einschätzung der Analysten von EMarketer damit voraussichtlich 18 Prozent in diesem und 23 Prozent im nächsten Jahr zu den Facebook-Einnahmen bei. "Es scheint aber, dass die stärkere Performance von Instagram nicht ausreicht, um den Gegenwind auszugleichen", sagte ein Börsianer.

Finanzchef David Wehner machte den Anlegern wenig Hoffnung auf Besserung. Die Wachstumsraten beim Umsatz würden sich im zweiten Halbjahr weiter verlangsamen. Im dritten und vierten Quartal werde das Umsatzwachstum im oberen einstelligen Prozent-Bereich gegenüber den Vorquartalen sinken, sagte er. "In den kommenden Jahren erwarten wir, dass die operativen Margen um die 30 Prozent tendieren werden."

Die Wachstumsbremse zieht an

Ali Mogharabi vom Analysehaus Morningstar sagte, das schwächere Umsatzwachstum gehe nicht nur auf Währungseffekte zurück. "Wir denken eher, dass es auf ein langsameres Neukunden-Wachstum zurückzuführen ist und das hat mit einem Trend zu mehr Datenschutz und mit der Datenschutzgrundverordnung zu tun."

Die vor kurzem in der Europäischen Union in Kraft getretene Richtlinie hat auch Facebook gezwungen, seine Nutzerbedingungen hin zu mehr Datenschutz zu ändern. Außerdem hatte die Verordnung zu einer breiten öffentlichen Debatte über den Schutz der Privatsphäre im Internet geführt. Danach habe sich die Zahl der monatlichen aktiven Nutzer in der EU um rund eine Million verringert, räumte Firmenchef Zuckerberg ein.

Auch der Skandal um die Weitergabe von Nutzerdaten an die britische Beratungsfirma Cambridge Analytica belastete das Image von Facebook und führte sogar zu Boykottaufrufen. Zuckerberg bat wegen der Affäre um Entschuldigung und kündigte bessere Sicherheitsvorkehrungen an.

Die Bären am Vormarsch

Mindestens 16 Brokerhäuser senkten nun ihre Kursziele. Sie wiesen darauf hin, dass unter anderem die bessere Beachtung der Privatsphäre der Nutzer Kosten mit sich bringen würde.

Die Zahlen seien wie eine Bombe im Markt eingeschlagen, erklärten die Analysten vom US-Vermögensverwalter Baird. Die Probleme von Facebook seien nicht leicht zu lösen, konstatierten andere Experten. Entweder zeige das Unternehmen die neue Realität seines Geschäfts oder es handle sich um einen "sehr öffentlichen Akt der Selbstverbrennung zur Vermeidung weiteren regulatorischen Drucks", erklärten die Experten des Analysehauses MoffettNathanson. Einige sahen aber auch einen Silberstreifen am Horizont. "Die Bären gewinnen das Quartal", betonte Jefferies-Analyst Brent Thill. "Aber nicht den Krieg." Im Börsenjargon werden die Pessimisten "Bären" genannt.

Im Sog der Facebook-Aktie gaben die Papiere anderer Internet-Konzerne wie Amazon, Netflix oder der Google-Mutter Alphabet in New York um jeweils etwa ein Prozent nach.

"Das Ausmaß der Kursbewegung hat uns alle auf dem falschen Fuß erwischt", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Anleger hätten es aber kommen sehen müssen." Schließlich hätten Firmenangehörige - Zuckerberg eingeschlossen - in den vergangenen Monaten Papiere im Gesamtvolumen von 3,8 Mrd. Dollar verkauft.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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