Börsenausblick: Diese 3 Überraschungen drohen 2018

Börsenausblick: Diese 3 Überraschungen drohen 2018

Die Inflation könnte 2018 zu einer der anangenehmen Überraschungen sorgen.

Der Chefstratege der Schweizer Privatbank Pictet, Luca Paolini, gibt Einblick in die Börsenprognosen der Bank. Und verrät welche Investments er 2018 bevorzugt und welche er lieber meidet.

Das Jahr 2017 war aus Sicht von Anlegern perfekt. Die Aktien haben sich in fast allen Bereichen und Regionen positiv entwickelt. Die Konstellationen für diesen neuerlichen Kursschub waren perfekt. Die Inflation war niedrig, die Risikoprämien für Investments stabil, die Kursschwankungen extrem gering, die Unternehmensgewinne zogen an und die politischen Risiken waren überschaubar. Doch über das bisher ruhige Fahrwasser könnten erste schwere Gewitterwolken aufziehen - die Anleger kalt erwischen könnten, früher oder später. Denn Luca Paolini, Chefstrategie von Pictet Asset Management, rechnen 2018 mit drei unangenehmen Überraschungen. Lesen Sie wovor der Investmentexperte warnt:

1. Überraschung: Die Inflation wird in den USA 2018 signifikant steigen

Alle Frühindikatoren deuten nach Einschätzung von Pictet Strategen Paolini darauf hin, dass die Inflation in den USA im kommenden Jahr deutlich anziehen wird. „Das kann zum Problem werden“, warnt Paolini. So könnte das für heftige Kursschwankungen an den Märkten sorgen. Noch ist die Inflation in den USA deutlich unter zwei Prozent. Das ist für den Pictet-Experten jedoch, trotz des starken Anziehens des Wirtschaftswachstums, nichts Ungewöhnliches. „Die Inflation hinkt der tatsächlichen Entwicklung im Schnitt ein, zwei Jahre hinterher.“ Die Phase steigender Inflation dürfte demnach bald eintreten, nachdem die Inflation in allen vier wichtigen Bereichen, die steigenden Inflation signalisieren, hinterher hinkt.

Die Inflationsrate hängt von vier Faktoren ab:

Inflation hinkt Arbeitslosenquote hinterher

Faktor 1: Die Entwicklung der Arbeitslosenquote. „Die US-Arbeitslosenquote ist auf einem Tiefstand. Die Inflation sollte daher auf drei Prozent steigen“, prognostiziert Pictet-Profi Paolini. Derzeit liegt sie, gemessen am Verbrauchervertrauensindex, der als Grundlage für die Kerninflation herangezogen wird, bei 1,8 Prozent.

Faktor 2: Die Stimmung unter den Einkaufsmanagern. Die Inflation hinkt auch der Entwicklung des US-Einkaufsmanager-Index deutlich hinterher. Denn dieser Index ist in den vergangenen Jahr steil angestiegen und notiert derzeit bei 58,7. Dieser Index ermittelt die Stimmung der US-Einkaufsmanager. Ab einem Wert von 50 weist das auf ein anziehendes Wirtschaftswachstum hin. Die Inflation müsste, legt man die beiden Charts übereinander, demnach bei 2,5 liegen.

US-Importpreise haben deutlich zugelegt

Faktor 3: Die Entwicklung der Importpreise. Dasselbe Bild zeigt sich bei den Importpreisen. Diese sind, nach einem Rückgang von zehn Prozent ins Plus gedreht und liegen bei 2,5 Prozent. Die Inflation ist verglichen dazu bis vor kurzem noch immer leicht gefallen. Da sich auch diese beiden Werte in der Vergangenheit stets mit einer leichten Zeitverzögerung angeglichen haben, rechnet Paolini, damit und zwar auch im nächsten Jahr.
Faktor 4: Das Wirtschaftswachstum. Die selbe Entwicklung sollte sich auch beim Wachstum im Vergleich zur Inflation ergeben. Dieses dieses hat sich in den USA bei aktuell gut zwei Prozent stabilisiert

2. Überraschung: Das Gelddrucken wird deutlich gedrosselt - Turbulenzen an den Märkten absehbar

Die Zentralbanken haben 2017 Geld in Höhe von 2,5 Billionen Dollar Geld gedruckt. „Das bedeutet einen unglaublichen Anstieg der Liquidität“, so Chefstratege Paolini. 2017 war die Geldpolitik damit besonders expansiv. Im Jahr davor wurden 1,3 Billonen Dollar gedruckt. Aber 2018 sollen es laut Schätzungen von Pictet Asset Management nur noch 0,5 Billionen Dollar sein. Eine der Auswirkungen der Geldschwemme: Die Kreditvergabe der Banken ist erstmals seit langem stark angestiegen, wenn die Investitionen auch noch immer auf einem historisch niedrigen Niveau sind.

„Wir erwarten daher dass das Geldmengen-Wachstum und damit die Überschussliquidität 2018 zurückgeht“, so Paolini. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es stets einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Zentralbankengeldmenge und der Entwicklung der globalen Aktienmärkte gibt. Nach Beobachtungen von Metzler Asset Management ergibt sich die höchste Korrelation zwischen Geldmenge und Aktienmärkte, ein Jahr nachdem die Geldmenge zurückgefahren wird. Damit ist die Geldmengenentwicklung ein wichtiger Frühindikator für die Aktienmärkte. Zieht man diese Betrachtungsweise heran, hätten die Börsen jedoch noch gut ein Jahr Galgenfrist. Allerdings ist die Historie für diese Korrelation von Geldmengenwachstum und Zentralbankenliquidität noch relativ jung, wenn sie auch plausibel erscheint. Auch der Anstieg der Märkte war an die Geldspritzen der Notenbanken gekoppelt.

Geldmengenwachstum und Arbeitslosenquote: Entwicklung klafft extrem auseinander

In der Vergangenheit haben sich auch die Entwicklung der Arbeitslosenquote und das Geldmengenwachstum im Kursverlauf stets angeglichen. Bei diesen beiden Faktoren klafft jedoch seit 2010 eine immer größere Lücke. So ist die Arbeitslosenrate in den entwickelten Märkten von 8,5 Prozent auf unter fünf Prozent zurückgegangen. Die Zinsen sind während dieser Zeit aber sogar ins Minus gedreht.

3. Überraschung: Erste Anzeichen einer Rezession am Horizont

US-Anleihen könnten 2018 in die Knie gehen. Dafür sind zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen die steigende Inflation. Aufgrund dieser dürften US-Bondrenditen, die immer noch je nach Laufzeit im Schnitt zwischen 2,2 und 2,4 Prozent abwerfen, einbrechen. Und im Laufe des Jahres könnte es erste Anzeichen einer Rezession geben. Der beste Indikator wäre ein Anstieg bei US- Creditspreads, den Risikoaufschlägen bei Anleihen. „Das ist dann das Signal die Aktienquote zu senken“, so Paolini. Doch bis dahin seien noch gut fünf Monate oder mehr Zeit.

Die Investmentfavoriten von Pictet 2018

Aktien von Banken, Energieunternehmen und Minengesellschaften, japanische, britische und russische Aktien zählen zu den Favoriten von Pictet Asset Management. Die britischen Unternehmen, die an der Börse notieren, seien im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Börsen eher defensiv und böten nun gute Einstiegsgelegenheiten, zumal die FTSE-Unternehmen zu 95 Prozent aus Unternehmen bestehen, die international aufgestellt seien. Ähnlich sei auch die Schweizer Börse eher defensiv, diese sei jedoch bereits zu teuer.

Von Investments in Ölaktien ist Paolini im Gegensatz zu manch anderen Experten nicht überzeugt. „Langfristig liegt der faire Wert des Ölpreises bei 45 Dollar per Barrel. Vor allem da die Kosten für die Produktion stark gefallen sind und die Schieferproduktion deshalb auch weiter anziehen dürfte. In den nächsten zwölf Monaten erwartet er jedoch einen Preis von 60 bis 70 Dollar. Langfristig sieht Pictet höhere Kurschancen bei Industrie- und Edelmetallen.

Zu den USA sagt der Pictet-Stratege: US-Aktien sind auf keinem Niveau auf dem man verkaufen muss. Der Bullenmarkt ist aber so stark, dass ein Ausstieg noch nicht ratsam ist, da die Gefahr bestehe, viel zu passen.

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Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck

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