US-Börsen im Trump-Rausch: Dow Jones erstmals über 19.000 Punkte

US-Börsen im Trump-Rausch: Dow Jones erstmals über 19.000 Punkte
US-Börsen im Trump-Rausch: Dow Jones erstmals über 19.000 Punkte

Die Wall Street ist nach der Präsidentenwahl in den USA in Partystimmung.

Die Wall Street-Banker und die Investoren sind auf den Geschmack gekommen: Der designierte US-Präsident Donald Trump hat sie mit seinem grob umrissenen Wirtschaftsprogramm offenbar überzeugt. Der Leitindex Dow Jones kletterte auf den Höchststand seiner über 132-jährigen Geschichte.

Die Wall Street ist entzückt vom neuen, wenn auch bislang nur schwach umrissenen Wirtschaftsprogramm des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Börsianer spekulieren, dass die Politik bald wirtschaftsfreundlicher wird. Den letzten, zündenden Anstoß für die gute Stimmung an den Börsen gab Trump mit einer Video-Botschaft. Sein Credo "USA first" versetzte die Börsen in Partystimmung.

Zu den Kernpunkten der knapp dreiminütigen Video-Botschaft gehört die Aufkündigung der im Februar 2016 von zwölf Ländern (USA, Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam) unterzeichneten Transpazifischen Partnerschaft (TPP). Trump will das TPP-Freihandelsabkommen, das als eine der größten Errungenschaften der Amtszeit Barack Obamas gilt, gleich am ersten Tag seiner Präsidentschaft absägen, noch ehe es ratifiziert ist. Seine Begründung: Es sei für die "USA ein Desaster".

Die Botschaft wurde von den übrigen Staaten mit Bestürzung aufgenommen. "Ohne die USA macht TPP keinen Sinn", hieß es resignierend aus Japan. Für den Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist Trumps Begründung ein weiteres Signal dafür, dass der künftige US-Präsident wirtschaftlich auf dem Holzweg ist (siehe unten).

Unter den weiteren von Trump per Video angekündigten Maßnahmen, die international besorgt aufgenommen wurden, gehört eine Trendwende in der Energiepolitik. Trump will die stark umweltbelastende Förderung und Nutzung der Kohle wieder forcieren, ebenso die umstrittene Erdöl-Förderung mittles Fracking.

Der gewählte US-Präsident Donald Trump erklärt in einer Video-Botschaft, die Maßnahmen, die er in den ersten 100 Tagen als Präsident der USA setzen will.

Börsen auf Rekordhoch

Die Investoren und Anleger in US-Aktien teilen die globalen Sorgen und Bedenken, die nach Trumps Ankündigungen laut wurden, jedenfalls nicht. Der Dow Jones Industrial Average Index der der 30 US-Standardwerte schloss am Dienstag mit dem Allzeit-Rekordwert 19.023 Punkten. Beobachter spekulieren nun bereits damit, dass der Index aufgrund der positiven Stimmung an den Märkten sogar recht bald die historische 20.000er-Marke erreichen könnte.Das war in über 132 Jahren noch nie der Fall.

Dow Jones Industrial Average Index; Stand vom 23.11.2016: 19.023; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Dow Jones Industrial Average Index; Stand vom 23.11.2016: 19.023; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Auch die weiteren US-Börsenindizes erreichten neue Höchstwerte. Der breiter aufgestellte S&P-500 Index stieg auf 2.202,94 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq stieg der Composite Index auf 5.386 Punkte.

S&P 500 Index; Stand vom 23.11.2016: 2.202,94 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

S&P 500 Index; Stand vom 23.11.2016: 2.202,94 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Am Markt kehre die Zuversicht zurück, sagte Anlagestratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Boston Private Wealth. "Die Rally stand auf einer breiten Basis. Kein Sektor wurde ausgelassen, und das ist ein sehr positives Signal für die Märkte."

Nasdaq Composite Index; Stand vom 23.11.2016: 5.386,35 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Nasdaq Composite Index; Stand vom 23.11.2016: 5.386,35 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

"Seit Donald Trump die US Präsidentschaftswahl gewonnen hat, ist an den Finanzmärkten scheinbar nichts mehr, wie es war", beschreibt auch Bank Austria Chefanalystin Monika Rosen (Twitter:@Monika_Rosen) die Lage: "Erstmals seit 1999 erreichten alle vier großen US Indizes gleichzeitig einen neuen Rekord."

Ölpreis steigt, Steuern sollen sinken

Doch nicht nur der "Trump-Effekt" alleine dürfte zählen. Zusätzlich heißt es aus OPEC-Kreisen, dass sich die Erdöl-exportierenden Länder sich kommenden Mittwoch in Wien auf eine Ölförderungs-Obergrenze einigen könnten, um das Angebot am Markt zu verknappen und den Ölpreis zu stützen. Selbst Saudi-Arabien, das sich bisher gegen Förderbeschränkungen ausgesprochen hatte und im Vorjahr wegen des niedrigen Ölpreises sogar ein Budgetdefizit eingefahren hatte, dürfte umschwenken. Schon die Spekulationen über preisstabilisierende Maßnahmen und der näher rückende Termin der OPEC-Tagung haben dem Ölpreis Unterstützung gegeben. Er Ölpreis hat die 50-Dollar-Marke wieder überschritten, notiert nun bei 51 Dollar (Nordsee-Sorte Brent) und im laufenden Jahr bereits um 8,5 Prozent zugelegt.

Ölpreis (Brent); Stand vom 23.11.2016: 51 Dollar; Für aktuelle Preisentwicklung klicken Sie bitte auf den Chart.

Ölpreis (Brent); Stand vom 23.11.2016: 51 Dollar; Für aktuelle Preisentwicklung klicken Sie bitte auf den Chart.

Weitere Gründe für die Hausse an den US-Börsen sind jedoch wieder Trump zuzuschreiben. So hat er etwa zuletzt wieder Steuersenkungen versprochen, auch wenn bislang unklar ist, wie diese finanziert werden sollen. Außerdem will er den Spielraum der etablierten Investmentbanken und die Regulierung im Gesundheitssektor wieder erweitern.

Unternehmen können sich außerdem Hoffnungen auf lukrative Staatsaufträge machen. Trump hatte - wie auch Hillary Clinton - versprochen, Milliarden Staatsgelder in die Erneuerung der Infrastruktur zu stecken, etwa für den Straßen -und Brückenbau. "Das Infrastrukturprogramm, das Trump auf den Weg bringen will, ist eines der ganz großen Hoffnungsgebiete", meint Bank Austria Analystin Rosen. "Dass bei der US Infrastruktur Erneuerungsbedarf besteht, war einer der wenigen Punkte, in denen sich Clinton und Trump schon im Wahlkampf einig waren. Die Aussicht auf den Investitionsschub hat die Preise für Industriemetalle beflügelt, weshalb Aktien wie Freeport McMoRan (US35671D8570), der weltgrößte Kupferproduzent, oder Newmont Mining (US6516391066) zuletzt Stärke zeigten."

Rosen nennt weitere Gewinner: "Auch die europäischen Branchenriesen, wie Anglo American (GB00B1XZS820) oder BHP Billiton (GB0000566504), nahmen an der Rallye teil. Aber selbst wenn die Metallpreise ihren jüngsten Höhenflug nicht mehr fortsetzen und auf den aktuellen Niveaus konsolidieren, sollte der Sektor weiter gut unterstützt sein, denn die Margen der Bergbauunternehmen bewegen sich nach oben." Die Firmen hätten auf den Preiseinbruch der letzten Jahre, der Anfang 2016 seinen Höhepunkt erreichte, mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket reagiert. Zum Beispiel mit spürbaren Investitionskürzungen oder Personalabbau. Rosen: "Diese Schritte zahlen sich nun aus, die Margen steigen, selbst wenn die Industriemetallpreise nicht mehr weiter anziehen. Grundstoffwerte gehören eindeutig zu den neuen Favoriten an der Börse – und wir gehen davon aus, dass dieser Trend auch noch eine Weile anhält."

Kritik an Trump: "Perverse Situation"

Ökonomen wie der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz kritisieren die Steuer- und Wirtschaftspläne des künftigen Präsidenten dennoch weiterhin heftig. Trump wolle die Steuern für die Reichen senken und damit die Ungleichheit vergrößern, wird Stiglitz nicht müde zu betonen: "Amerika ist auf dem Weg in eine Erb-Plutokratie, genau das Gegenteil des amerikanischen Traumes".

Nobelpreis-Gewinner Josepg Stiglitz erklärt, weshalb Trump mit seiner Wirtschaftspolitik falsch liegt.

Schon jetzt herrsche in den USA die "perverse Situation", dass der durchschnittliche Steuersatz für Reiche niedriger sei als für Ärmere. Stiglitz erwartet von einer Regierung Trump ein "sehr schlecht konstruiertes Konjunkturpaket". Doch selbst ein schlechtes Konjunkturpaket werde Arbeitsplätze schaffen.

Obwohl Stiglitz selbst zu den Kritikern des von Trump praktisch gestoppten Freihandelsabkommen TPP gehört, kritisiert der Ökonom auch Trumps Haltung dazu. Das Abkommen sei nämlich, so der Ökonom, nicht nachteilig, weil die Unterhändler der USA schlecht verhandelt hätten, sondern weil sie im Gegenteil meistens genau das bekommen haben, was sie wollten. Stiglitz: "Sie vertraten die Unternehmensinteressen, und siegten damit über die Interessen der Beschäftigten."

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erklärt in einem CNBC-Interview vom 14. September 2016, warum der Wahlsieg Donald Trumps für ihn ein Alptraum ist.

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