Börsen und der Risiko-Faktor Donald Trump

Donald Trump, Kandidat für das Amt des US-Präsidenten
Donald Trump, Kandidat für das Amt des US-Präsidenten

Donald Trump, ein Schreckgespenst für die Börsen der Welt?

Nehmen die Märkte den republikanischen Kandidaten nicht ernst genug? Das Risiko ist evident. Citigroup etwa schätzt, dass die Börse auf einen Sieg von Trump mit einem Kursrückgang im Ausmaß von rund fünf Prozent reagieren würde.

Dieser Tage wird immer wieder die Frage diskutiert, ob es den tatsächlich sein kann, dass Donald Trump die US Präsidentenwahl im November gewinnt, und falls er das tut, welche Auswirkungen sein Sieg auf die Märkte haben könnte. Mit der jüngsten Erkrankung von Hillary Clinton wurde die Frage nur umso dringlicher.

Also, zunächst einmal könnte man etwas schnippisch sagen, Trump steht am Wahlzettel, also kann er auch gewinnen. Das ist überhaupt eines der gewichtigsten Argumente jener, die vor Trump warnen. Auch im Vorwahlkampf der Republikaner hat man ihn lange nicht ernst genommen, und am Ende gab es die (böse) Überraschung.

Immer wieder weisen vor allem Analysten darauf hin, dass die Börsen die Möglichkeit eines Trump Sieges unterschätzen. Die Anleger scheinen das derzeit gar nicht auf der Rechnung zu haben, alle sind auf derselben Seite des Bootes, nämlich auf jener eines Sieges von Hillary Clinton. Umso größer könnte die negative Überraschung sein, sollte Trump doch gewinnen.

Dow Jones Industrial Average Index; 5-Jahres-Verlauf; Stand vom 13.09.2016: 18.078,50. Aktuelle Kursinformation durch Klick auf den Chart.

Dow Jones Industrial Average Index; 5-Jahres-Verlauf; Stand vom 13.09.2016: 18.078,50. Aktuelle Kursinformation durch Klick auf den Chart.

Citigroup etwa schätzt, dass die Börse auf einen Sieg von Trump mit einem Kursrückgang im Ausmaß von rund fünf Prozent reagieren würde. Gerade auch internationale Investoren könnten verunsichert sein und Gelder abziehen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als viele auf eine ausgezeichnete Performance ihrer US Aktien zurückblicken und den Moment für Gewinnmitnahme nutzen könnten. Jedenfalls wäre im Falle eines Sieges von Trump mit steigender Volatilität zu rechnen.

Gewinnt Trump, gewinnt Gold

Profitieren könnte, im Fall des Falles, der Goldpreis. Er steigt ja in Zeiten der Unsicherheit, und die wäre wohl gegeben, sollte Trump ins Weiße Haus einziehen. Bei den Sektoren ist das Urteil der Analysten weniger einheitlich. Viele sehen Rüstungsaktien als Gewinner bei einem Sieg von Trump. Er hat ja schon wiederholt darauf hingewiesen, dass er die militärische Schlagkraft der USA verstärken will. Allerdings gibt es auch Stimmen, die sagen, dass die Krisenherde weltweit derzeit so zahlreich sind, dass Rüstungswerte gefragt bleiben, egal wer gewinnt.


Rüstungsaktien (Auswahl): Aerovironment (US0080731088); BAE Systems (GB0002634946); Boeing (US0970231058); Raytheon (US7551115071); Smith & Wesson (US8317561012)


Auch Ölaktien sollten bei Trump (klassischerweise) stärker im Fokus sein, da Hillary Clinton den Ölverbrauch der USA in den nächsten zehn Jahren um ein Drittel senken will (--> aktueller Ölpreis Brent Oil). Dem gegenüber könnten Trumps Pläne für größere Handelsbarrieren das US Wachstum insgesamt, und viele multinationale Konzerne im speziellen belasten. High Tech Firmen wie Facebook (US30303M1027) könnten besonders negativ betroffen sein, wenn er seine Ankündigung wahr macht, die Visa-Vergabe für qualifizierte Arbeitskräfte zu erschweren.

Gold hat im laufenden Jahr um 25 Prozent an Wert zugelegt. Ein Wahlsieg Donald Trumps könnte das Edelmetall weiter stärken. Für aktuelle Preisinformationen auf den Chart klicken.

Was den Wahlausgang selbst betrifft, so sehen zwar die meisten Politologen Hillary Clinton vorne, aber 2016 hat, wie bereits erwähnt, ja schon für einige Überraschungen gesorgt. Allgemein gilt ein terroristischer Anschlag kurz vor dem Wahltermin am 8. November als möglicher Rückenwind für Trump. Außerdem ist er bei den TV Duellen nicht zu unterschätzen. Live Fernsehen ist sein Medium, da hat er in der Vergangenheit immer wieder gepunktet.


Ölaktien (Auswahl): OMV (AT0000743059); Schoeller-Bleckmann (SBO) (AT0000946652); BP (GB0007980591); Chevron (US1667641005; ExxonMobil (US30231G1022); Royal Dutch Shell (GB00B03MLX29)


Die Beobachter sind sich aber auch einig, dass Trump vor allem in Pennsylvania gewinnen muss, wenn er die Wahl für sich entscheiden will. Kein anderer der sogenannten „Swing States“ hat in den letzten beiden Jahren so viele Arbeitsplätze verloren wie Pennsylvania, nämlich etwas über 40.000. Damit hat der Bundesstaat mehr Entlassungen hinnehmen müssen als die Nachbarstaaten Ohio und Michigan zusammengenommen.

Rohöl (Brent), 5-Jahres-Entwicklung; Stand vom 13.9.2016: 47,05 $

Der Ölpreis ist seit zwei Jahren brutal unter Druck. Aktuell wird das Barrel der Nordsee-Sorte Brent um 47,05 Dollar gehandelt. Für aktuelle Preisinformationen auf den Chart klicken.

Trump müsste also die traditionellen Stimmen für die Republikaner „abholen“, was er aber oft nicht schafft, da viele Kernwähler seinen aggressiven Stil vehement ablehnen. Gleichzeitig muss er die „zornigen weißen Männer“, die eventuell einen Job im produzierenden Gewerbe verloren haben, auf seine Seite ziehen. Zweiteres könnte ihm schon eher gelingen. Fragt sich nur, ob das am Ende reicht.


Die Autorin

Der Beitrag stammt von Monika Rosen, Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Folgen Sie der Autorin auf Twitter: @Monika_Rosen

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