Börsewissen: Was der Aktien- und Ölpreis-Sturz bedeutet

Warum geht es bei Aktienmärkten immer weiter runter? Und weshalb kommt jetzt auch noch der Ölpreis unter die Räder? Experten sehen auch manchen Vorteil der jüngsten Entwicklung.

Börsewissen: Was der Aktien- und Ölpreis-Sturz bedeutet

An den Finanzmärkten haben sich die Turbulenzen am Montag wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus dramatisch verstärkt. Besonders heftig traf es die Ölpreise, die zusätzlich durch einen Streit wichtiger Ölstaaten über die künftige Förderpolitik belastet wurden.

Ein niedriger Ölpreis - der Schmierstoff für die Weltwirtschaft - ist eigentlich günstig für viele Unternehmen und Konsumenten. Anleger flüchten in sichere Häfen, Verbraucher können auf fallende Preise für Heizöl und Treibstoff hoffen.

1. Was ist der Grund für den Ölpreis-Crash?


Hintergrund ist ein Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge, der weiter zu eskalieren droht. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider berichtet, könnte Saudi-Arabien die Fördermenge in den kommenden Monaten sogar erhöhen. Dem Ölmarkt droht damit im zweiten Quartal ein großes Überangebot, zumal die weltweite Nachfrage wegen Viruskrise noch für einige Zeit stark beeinträchtigt bleiben dürfte.

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2. Warum war Moskau gegen eine Förderkürzung?


Nach Einschätzung von Experten dürfte Russlands Regierung mit der Maßnahme auf die Konkurrenz in den USA zielen. Der Preissturz belaste die US-Förderung durch die teure Fracking-Methode, sagte Julian Lee, Rohstoffexperte der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Gesteinsschichten gepresst, um Öl zu gewinnen. Analysten der Dekabank verwiesen auf die Sorgen um die hoch verschuldeten US-Fracking-Unternehmen. Dies habe dazu beigetragen, dass die Märkte zu Wochenbeginn in Panik geraten seien.

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3. Warum trifft es die Ölpreise so hart?


Rohöl hat zu Beginn der Woche etwa ein Drittel an Wert verloren. Einen derart starken prozentualen Rückschlag hat es seit fast 30 Jahren nicht mehr gegeben. Neben der Viruskrise gilt aber vor allem die Sorge vor einem neuen Preiskrieg führender Ölstaaten als Ursache für den rasanten Absturz. Am vergangenen Freitag ließ Russland Verhandlungen über eine neue Förderkürzung zur Preisstabilisierung mit den OPEC-Staaten platzen. Selbst eine Verlängerung der bestehenden Förderbeschränkung war damit vom Tisch.

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4. Können Autofahrer nun auf billigeres Benzin hoffen?


An den Tankstellen könnten Benzin und Diesel durchaus sinken - auch wenn der größte Teil des Spritpreises auf die Energie- und Mehrwertsteuer entfällt. Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband wollte zwar keine Prognose abgeben, verwies jedoch auf frühere Entwicklungen. "Wegen der hohen Markttransparenz und der starken Konkurrenz um jeden Autofahrer sind die Preise für Benzin und Diesel seit Jahresbeginn eins zu eins mit den fallenden Einkaufspreisen an den Produktmärkten gesunken", hieß es. Die weitere Entwicklung sei nun unter anderem davon abhängig, ob sich das Ölkartell OPEC "mit weiteren Ölförderländern in nächster Zeit auf eine Förderbremse einigen kann". Beim Heizöl macht der Rohstoffpreis einen höheren Anteil der Gesamtkosten aus, deshalb könnten beim Endverbraucher prozentual höhere Preissenkungen ankommen.

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5. Was hat die jüngste Panik an Finanzmärkten ausgelöst?


Schon seit Wochen sorgten die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus und die Sorge vor den Folgen für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft immer wieder für Kursverluste an den Börsen. Zuletzt hat sich die nervöse Stimmung allerdings spürbar verstärkt. In wichtigen Industriestaaten wie Südkorea und Italien hat sich die Viruskrise zugespitzt. Vor allem die Absperrung ganzer Regionen im wirtschaftlich starken Norden Italiens mit der Millionenmetropole Mailand verschreckte Anleger.

Für viele Investoren kam der rasante Absturz an den Finanzmärkten völlig überraschend und nicht wenige stellen sich wie der Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank die Frage: "Was, wenn das, was wir gerade sehen, der Anfang vom große Beben ist?"

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6. Wohin flüchten die Anleger?


Geflüchtet wird in alle Anlagen, die als halbwegs sicher gelten. Vor allem Staatsanleihen sind stark gefragt. Dabei wird in Kauf genommen, dass sichere Staatspapiere keine Renditen mehr abwerfen. Die als besonders sicher geschätzten Bundesanleihen werden sogar mit negativen Renditen gehandelt. Das heißt: Die Nachfrage nach deutschen Staatstiteln ist so stark, dass sogar eine Art Gebühr in Kauf genommen wird, wenn Anleger der Bundesrepublik Geld leihen. Ähnlich stark gefragt sind auch Staatspapiere aus der Schweiz und aus Japan, wobei auch die Währungen der beiden Länder als sicherer Anlagehafen geschätzt werden.

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7. Was sollten Privatanleger tun?


Zunächst einmal: Ruhe bewahren. Die aktuellen Kursverluste sind nicht ungewöhnlich und zeigen, was ohnehin gilt: Anleger sollten das Risiko am besten mit breiter Streuung ihres Vermögens im Depot minimieren. Der Bundesverband Deutscher Banken empfiehlt Privatanlegern, auch in schwierigen Zeiten nicht überstürzt zu verkaufen. Dafür sei es grundsätzlich hilfreich, nur mit dem Geld einzusteigen, das auch ein bisschen liegenbleiben kann. So könnten Privatanleger "Börsentiefs aussitzen". Wer breit und langfristig angelegt hat sollte seine Aktien nicht vorschnell aufgeben. Trotz aller Crashs und Krisen sind Aktien nach wie vor ein geeignetes Mittel zur finanziellen Vorsorge. Wer Papiere dagegen kurzfristig halten wolle, weil er das Geld etwa für den Kauf einer Immobilie benötigt, muss entscheiden, ob er weitere Kursschwankungen aushalten kann.

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8. Wer gehört zu den Profiteuren?


Der Goldpreis. Der hat seit Ende Februar einen deutlichen Schub nach oben erhalten und stieg bis an die Marke von 1.700 US-Dollar (1.500 Euro) je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Allerdings kam es in den vergangenen Handelstagen auch mehrmals zu plötzlichen Rückschlägen beim Goldpreis, die am Markt mit Zwangsverkäufen erklärt wurden. Viele Investoren mussten Gold verkaufen, um so frisches Geld für den Ausgleich von Verlusten an anderer Stelle zu kommen.

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9. Wie geht es weiter?


Ebenso wie der weitere Verlauf der Coronavirus-Welle ist auch für Experten kaum abzusehen, wie sich Kurse kurzfristig entwickeln. Grundsätzlich gilt: Höhere Rendite und höheres Risiko gehören zusammen. Anleger sollten immer damit rechnen, dass sich der Betrag, den sie in gut gestreute Aktienfonds angelegt haben, innerhalb kurzer Zeit halbieren kann. Langfristig haben sich die Kurse nach jedem Crash wieder erholt, doch das hat unterschiedlich lange gedauert. Es ist möglich, dass die alten Höchststände schon in einem Jahr wieder erreicht werden, es kann aber ebenso gut fünf oder auch zehn Jahre dauern.

Mittlerweile wollen Ökonomen auch eine leichte Rezession in der ersten Jahreshälfte nicht mehr ausschließen. Allerdings ist der Verfall der Ölpreise auch als eine Art Konjunkturprogramm für die Wirtschaft. Sinkende Kosten für Energie entlastet Unternehmen und mildern die Folgen der Virus-Krise ein Stück weit ab.

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