Börsen: Kommt der große Crash noch?

Ökonomen erwarten für Europa und die USA eine Rezession. Weitere Kursverluste drohen, wie stark diese ausfallen können, welche Branchen besonders betroffen sind und wie stark die Firmengewinne einbrechen könnten. Lesen Sie, ob jetzt schon ein Einstieg an den Börsen als ratsam gilt, welche Investments jetzt erste Wahl sind und welche Kurszuwächse nach einem Abklingen einer Epidemie bisher folgten.

Börsen: Kommt der große Crash noch?

Da gibt es die einen, die in Krisen beschwichtigen und die anderen, die den Teufel an die Wand malen. Aber gesetzt den Fall, man neigt weder zum einen noch zum anderen, möchte aber vor einem Worst-Case-Szenario für Wirtschaft und Börsen im Fall einer stärkeren Ausbreitung des Coronaviruses nicht die Augen verschließen, haben wir Argumente und Berechnungen von Experten dafür zusammengetragen. Schließlich beschäftigen sich selbst gut gemanagte Unternehmen in diesen Tagen mit den größtmöglichen Auswirkungen einer weiter stark steigenden Ansteckung durch den Virus, um im Ernstfall rasch handeln zu können.


Rezession ist noch nicht eingepreist

Kurse könnten noch um die Hälfte einbrechen
Die Gefahr rückt jeden Tag ein Stück näher, zu spüren als diffuse Angst - nicht auf den Straßen, aber an den Börsen, wo die Kurse derzeit im Höllentempo einstürzen. Der ATX gab in den vergangenen vier Wochen um gut 14 Prozent nach, der Dax ist um rund 21 Prozent eingebrochen, der S&P 500 um über 17 Prozent. Wall-Street-Kommentator Markus Koch hält es für möglich, dass der S&P 500 die charttechnische Marke von 2.640 Punkte testet. Bricht die Marke, kann es auf die Tiefs von 2018 sinken. Das würde einen Rückgang auf 2.346 Punkte bedeuten.
Bereits in der letzten Februarwoche haben Aktien weltweit fünf Billionen Dollar ihres Börsenwerts verloren. Das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans. Nur die China-Börsen sind recht gut durch die Börse gekommen. In den vergangenen vier Wochen lag die Börse Shanghai leicht im Plus. Der Volatilitätsindex, der Angstindikator der Wall Street, kletterte auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Doch es könnte noch viel dicker kommen. Nicht nur weil an den Börsen Panik in der Luft liegt, sondern weil Unternehmen bei Umsätzen und Gewinn kräftig abschmieren könnten.

Diese Branchen und Länder sind besonders betroffen
Nach Einschätzung von BO Data sind vom Coronavirus die Effekte auf die Branchen Auto, Konsumgüter wie Kleidung, Rohstoffe und Technologie am stärksten. Negative Effekte im mittleren Ausmaß wird für die Branchen Chemie, ÖL & Gas, Pharma und Transport & Logistik erwartet. Noch am besten davonkommen dürften die Branchen Bau, Handel, Medien, Telekom und Versorger. Zu den Hauptverlierern zählt nach Einschätzung von Goldman Sachs auch die Banken. Sie könnten wegen Kreditausfällen und neuerlich sinkender Zinsen weiter unter Druck geraten. Die Experten der US-Investmentbank rechnet damit, dass europäische Banken wegen des Virus in den nächsten drei Jahren 30 Millairden Euro an Nettogewinnen einbüßen werden.

Worst-Case im Dax: Zwei Mal seit 1960 brach der deutsche Aktienindex seither um rund 50 Prozent in einem Jahr ein.

Milde oder starke Rezession? Firmengewinne drohen um 35 Prozent einzubrechen
Je länger die Ansteckungsrate steigt, umso stärker ist das Risiko in eine Rezession zu schlittern. Die Wahrscheinlichkeit sei "schon sehr hoch", meinte der gebürtige Österreicher Felbermayr: "Man muss sich Sorgen machen um die Wirtschaftsentwicklung." Auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, gab sich pessimistisch: "Es spricht einiges dafür, dass eine Rezession bevorsteht." Eine solche Rezession ist jedoch nach Ansicht der DZ Bank in den Kursen noch nicht eingepreist. Im Falle einer schweren Rezession in Deutschland, würde der Aktienmarkt noch deutlich tiefer fallen wie historische Daten zeigen als bereits jetzt. In den fünf Rezessionen seit 1973 fiel der DAX vom lokalen Hoch zum Tief im Schnitt 40 Prozent, die Gewinne der Unternehmen brachen 35 Prozent ein.

Kursverluste zwischen 18 und 50 Prozent möglich
Kommt es zu einer Rezession hält die DZ-Bank einen Absturz des deutschen Börsenbarometers Dax auf bis zu 7.300 Punkte für möglich. Im besten Fall wäre bei 9.300 Punkten Schluss. Wie stark die Kurse auch in Übersee einbrechen können, zeigt der breite Aktienindex S & P 500. Dieser verlor 2007 in der Spitze bis zum Tief 50 Prozent, beim DAX waren die Verluste sogar noch etwas höher. Wie plausibel etwa bei einer starken Rezession ein kräftiger Absturz der Börsen wäre, zeigt einen Blick auf die Größe Kurs- zu Buchwert (KBV). Während der vergangenen Rezessionen war die Börsenstimmung im Tief so schlecht, dass der DAX jeweils mit einem Abschlag zum Wert des bilanziellen Eigenkapitals gehandelt wurde und das KBV unter eins lag. Mit anderen Worten: Der Substanzwert des Unternehmens wurde als werthaltiger angesehen als der Wert zukünftiger freier Mittelzuflüsse. Dies ist eine nachvollziehbare Einschätzung, wenn man denkt, die Weltwirtschaft stünde volkswirtschaftlich am Ende, wie während der Finanzkrise 2008/09. Heute liegt der Buchwert des DAX laut Bloomberg-Schätzungen bei 8.100 Punkten.

Börsen droht ein Minus für das Gesamtjahr
Historisch betrachtet verliert der S&P 500 bei einer milden Rezession von der Spitze durchschnittlich 18 Prozent. 33 Prozent waren es bei einer tiefen Rezession. Am 10. März lag der US-Aktienindex bereits bei 18 Prozent. Wenn der März im Minus endet, nach einem ebenfalls schwachen Januar und Februar, endet das Gesamtjahr in 80 Prozent der Fälle ebenfalls mit einem Minus. Der weitere Monatsverlauf ist somit wichtig.

Noch kein Einstiegszeitpunkt - Gewinnprognosen werden nach unten revidiert
Auch ohne Rezession droht der globale Gewinntrend am Aktienmarkt nachhaltig nach unten abzukippen, ähnlich wie in den Jahren 2015/16, warnt die DZ Bank. So hat der Coronavirus schon jetzt dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft, aber auch auf schwächere Gewinne der Banken und Ölkonzerne in der USA zurückzuführen. Die Stunde der Wahrheit kommt erst. Bis die Unternehmen die aus dem Coronavirus resultierenden Negativeffekte offenlegen, vergehen wohl noch einige Wochen. "Ein Großteil der Folgewirkungen dürfte erst Anfang April nach Abschluss des
Jahresauftaktquartals feststehen und bekanntgegeben werden", so die DZ Bank. Die Unternehmen werden ihre Prognosen laufend nach unten korrigieren. Der breite US-Aktienindex S&P dürfte in diesem Jahr beim Gewinnwachstum bestenfalls stagnieren. Das Gewinnwachstum, etwa der großen US-Techaktien ist nach wie vor beachtlich, auch die hohe Liquidität. Insbesondere bei den größten vier US-Unternehmen: Microsoft 140 Milliarden Dollar, Alphabet 120 Milliarden Dollar, Apple 100 Milliarden Dollar und Facebook 55 Milliarden Dollar. Diese Werte sollten Anleger gut im Auge behalten und jetzt oder nach einem weiteren, recht wahrscheinlichen Kurseinbruch, Positionen aufbauen.

Wie ist die Erwartung für den Dax und Euro Stoxx 50 bis Jahre

Schrumpft die Wirtschaft 2020?

Wie wahrscheinlich eine Rezession ist, darüber scheiden sich die Geister. Die DZ Bank geht nicht von einem solchen Szenario aus. Joachim Fels, Investmentstratege bei Pimco, sieht die Gefahr einer Rezession jedoch als real an. Die USA und Europa stünden im ersten Halbjahr vor der „eindeutigen Möglichkeit“ einer technischen Rezession. Am schwärzesten sieht derzeit die US-Investmentbank Goldman Sachs die Lage: Sie prognostiziert, dass die deutsche Wirtschaft statt eines ursprünglich erwarteten Wachstums in diesem Jahr von 0,9 Prozent um 0,2 Prozent schrumpft. Auch die OECD warnt mittlerweile vor heftigen Bremsspur des weltweiten Wirtschaftstempos. Peter Brezinscheck, Chefanalyst von Raiffeisen rechnet für Europa ebenfalls mit einer technischen Rezession, also an zwei Quartalen in Folge mit einem Rückgang der Wirtschaft. Dann sollte aber seiner Einschätzung nach eine Erholung einsetzen.

Gewinne vor deutlichem Rückgang

Vor allem für Unternehmen, die wie viele deutsche Unternehmen einen großen Teil ihrer Umsätze in China und anderen Teilen Asiens machen, könnten die Auswirkungen der Verbreitung des Coronavirus auf ihr Geschäft zu erheblichen Einbußen führen. Signifikante Auswirkungen erwartet die DZ Bank vor allem für Unternehmen, die dem zyklischen Sektor zuzuordnen sind.

Erst wenn der Konsument einbricht, wird es dramatisch
Noch ist von den negativen Auswirkungen der neuen Viruserkrankung in den Bilanzen wenig zu spüren. Selbst erste Ausblicke in den jüngsten Quartalszahlen sind noch vergleichsweise optimistisch. Selbst eine Delle, wie sie derzeit aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen und Lieferengpässen zu Tage tritt, hätte nur kurzfristige Auswirkungen, wenn in ein, zwei Monaten der Spuk wieder vorbei ist. Dramatisch für die wirtschaftliche Entwicklung es erst, wenn der private Konsum einbricht, warnt die DZ Bank, also wenn die Menschen sich bei wichtigen Ausgaben und Investitionen zurückhalten und lieber abwarten. War dieser doch in den vergangenen Jahren eine wichtige Stütze für die Konjunktur. Um die Konsumenten bei Laune zu halten, wird damit gerechnet, dass Notenbank und Politik, in die Presche springen. So wird spekuliert, dass die Notenbank Unternehmensanleihen kauft.

Ölpreis-Schock: Unternehmen droht Schwierigkeiten einen Kredit zu bekommen
Für Angst sorgt auch die Heftigkeit mit der der Ölpreis eingebrochen ist, war es doch bis zu 30 Prozent in der Spitze. "Bei abrupten Preisanpassungen, droht stets ein Kreditrisiko, da kein Unternehmen auf so etwas vorbereiten ist“, warnt Marktexperte Jochen Stanzl von CMC Markets. Er fürchtet, dass die Cashflows der Unternehmen schwinden, was wiederum die Bedingungen, um einen neuen Kredit zu bekommen, verschärfen dürfte, mit negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Der niedrige Ölpreis hilft zwar auch der Wirtschaft, aber bei einer anhaltenden Coronakrise nicht sofort. Monika Rosen, Chefanalystin der UniCredit rechnet erst mit einer positiven Wirkung, wenn Corona an den Märkten kein Thema mehr ist.

Dollar-Crash könnte Euro um 15 Prozent teurer werden lassen
Der Dollar galt bereits ohne die Risiken, den der Ausbruch des Virus mit sich brachte, als überbewertet. Jetzt erst recht. Wie bei vielen Krisen könnten auch diesmal die Probleme, die durch eine gute Konjunktur verdeckt werden, nun als Licht kommen. In den USA ist das die hohe Auslandsverschuldung. Die DZ Bank rechnet damit, dass im Extremfall der Eurokurs auf 1,30 Dollar steigt. Bei einem aktuellen Stand von 1,14 Euro pro Dollar würde das eine Aufwertung des Euros von rund 15 Prozent bedeuten. So viel Euros für einen Dollar musste zuletzt 2014 bezahlt werden. Das vergangene Monat bot diesbezüglich bereits einen Ausblick auf das was noch kommen könnte. Seither stieg der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als vier Prozent, das größte Plus legte der Euro dabei in der letzten Woche hin.


Wirtschaft auf solidem Fundament, das Finanzsystem ist robuster als 2008

Vermögensverwalter BlackRock sieht die Folgen der Viruserkrankungen dennoch nicht so dramatisch wie die Finanzkrise 2008 ein. „Die Wirtschaft steht diesmal auf soliderem Fundament und das Finanzsystem ist deutlich robuster als im Zuge der Krise 2008“, schreibt das BlackRock Investment in einem aktuellen Kommentar. Angesichts dessen „sollten Anleger den Kopf nicht hängen lassen, eine langfristige Perspektive einnehmen und investiert bleiben“ – auch wenn die Auswirkungen des Virus‘ wahrscheinlich umfangreich und scharf ausfallen würden, so .

Doch noch rollt die Corana-Welle und ein Ende ist nicht abzusehen. Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management: „Erfahrungsgemäß ergeben sich in länger anhaltenden Phasen eines willkürlichen Ausverkaufs an den Märkten stets attraktive Investitionsmöglichkeiten.

Nachfrage nach Goldbarren um 500 Prozent gestiegen - einfach investieren in ETFs
Treffen Rezession, hohe Umsatz- und Gewinneinbrüche bei Unternehmen ein und gerät der Konsum ins Stocken, sind Gold und Staatsanleihen erste Wahl. Der Preis des Edelmetalls hat schon kürzlich ein 7-Jahreshoch erreicht, aber bei Picet Asset Management geht man davon aus, dass die Nachfrage weiter anzieht, da immer mehr Coronaviren-Fälle außerhalb Chinas registriert werden. The Royal Mint hat in den jüngsten Tagen einen Anstieg der Nachfrage nach Goldbarren und -münzen um fast 500 Prozent vermeldet; die Nettokapitalzuflüsse in Gold beliefen sich im vergangenen Monat auf mehr als drei Milliarden Dollar. Einfach und kostengünstig sind, zumal es vielleicht nur kurz- und mittelfristige Engagements oder Aufstockungen sein könnten, Indexprodukte. Am besten solche, die mit physischem Gold hinterlegt sind, wie der Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold.. Mit dem ETF Com- stage NYSE Arca Gold Bugs können Anleger auf die großen Aktien von Minenunternehmen setzen. Die Aktien dieser Konzerne steigen meist im Verhältnis zum Anstieg bei Gold überproportional. In der Krise sind auch sichere Staatsanleihen gefragt. Eine gute Möglichkeit weltweit in Staatsanleihen zu investieren, bietet der ETF Xtrackers Global Government Bond.

Nach der Epidemie ist vor den Kursgewinnen
Ob die Erholung nach dem Abklingen der Corona-Epidemie langsam oder rasch geht, kommen wird sie. Zwar ist der aktuelle Lungeninfektionskrankheit nicht mit dem SARS-Virus vergleichbar, aber es zeigt dennoch, dass eine massive Erholung eingesetzt hat. So ging es nach dem Virus eingedämmt werden konnte, innerhalb von zwölf Monaten um 21 Prozent hinauf, nach anderen Epidemien waren es im Schnitt acht Prozent, wie die Aktienspezialisten von Julius Bär aus historischen Daten ermittelt haben. Bei Corona könnte der Rebound nach dem Senkrecht-Absturz noch höher sein.

Aktien: USA und Schweiz zu bevorzugen
In Zeiten erhöhter Unsicherheit hält es die Investmentgesellschaft Swisscanto für sinnvoll, sich weniger auf Stimmungsindikatoren als vielmehr auf die Fundamentaldaten der einzelnen Aktienregionen zu konzentrieren. Im Universum der Industriestaaten sehen die Experten nach wie vor die Vorteile bei den USA und der Schweiz. Die US-Wirtschaft zeichnet sich weiterhin durch ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum aus. So hat die USA, im Gegensatz zu den meisten anderen Regionen, aufgrund des Coronavirus bislang keine Abwärtsrevision beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für das Gesamtjahr vorgenommen. Die USA bleiben das globale wirtschaftliche Kraftzentrum, was sich auch in überdurchschnittlichem Gewinnwachstum der Unternehmen widerspiegelt. Zwar weist der Aktienmarkt eine eher zyklische Sektorstruktur auf, "aber auch die Zykliker besitzen gegenüber anderen Regionen Umsatz- und Kostenvorteile", argumentiert Swsscanto. Bei den Schweizer Unternehmen seien es die Kostenvorteile, die für überdurchschnittliches Gewinnwachstum sorgen. Die im Gegensatz zu den USA defensive Sektorstruktur des Marktes sorgt zudem für eine vergleichsweise stabile Gewinnentwicklung.

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