Die besten Börsen seit Jahresbeginn und die Verlierer

Nach einem erstklassigen Jahr für Anleger bisher kriselt es nun an den Börsen. Die Bilanz im Überblick, was die Kursrückgänge bewirkt hat und worauf sich Anleger einstellen sollten.

Die besten Börsen seit Jahresbeginn und die Verlierer

An den Börsen herrschte die vergangenen Monate Euphorie. Doch nun ist Vorsicht geboten.

An vielen großen Börsen leuchten derzeit die Anzeigetafeln der Kurstabellen rot. Seit August gehen die Kurse beim deutschen Aktienindex Dax tendenziell nach unten, bei der US-Techbörse Nasdaq und bei der breiten Börsenbarometer S&P begann es Anfang September ungemütlich zu werden, nur bei einzelnen Börsen, darunter auch der Wiener ATX, ist seit Jahresbeginn die Welt voll Sonnenschein. Die Kurse legten seither um fast 67 Prozent zu.

Börsen in China leidet unter massiven Verlusten
Angesichts der zuvor stark gestiegenen Kurse bleibt die Jahresbilanz für Aktien mit zweistelligen Kursgewinnen aber positiv, wenn man von China absieht. Der Index der Börse in Hongkong, an der auch die großen chinesischen Technologieunternehmen notiert sind, verlor im dritten Quartal fast 15 Prozent.


Am besten stehen Anleger auf Jahressicht da die in einen Weltaktienindex oder -Fonds investiert haben. Ein dieser Art breit gestreutes Investment bracht mehr als 15 Prozent. Wer Geld in den Dax investiert hat, kann sich ebenfalls über eine ähnliche Kursentwicklung freuen (siehe Grafik).

Kursentwicklung 2021 großer Börsenindizes Gold und Anleihen

Wie schon in der jüngsten Vergangenheit waren auch 2021 bisher die Börsen großer Industrienationen vorne. Die Gewinne, die Anleger mit Weltaktien oder dem Dax machen konnten, waren wiederholt überdurchschnittlich hoch. Der große Verlierer waren im Vergleich dazu Investoren, die in Gold investierten.

Lieferengpässe werden noch länger bestehen bleiben
Es mehren sich nun jedoch die Zeichen, dass der noch junge Konjunkturaufschwung an Kraft verliert. "Die Lieferengpässe werden sich nicht so rasch auflösen wie anfangs gedacht. Hinzu kommen Turbulenzen am chinesischen Immobilienmarkt, wo ein großer, hoch verschuldeter Immobilienentwickler in akute Schieflage geraten ist", befindet Bert Flossbach, von der deutschen Fondsgesellschaft Flossbach von Storch.

Diese Gemengelage führte an den Aktienmärkten, gemessen am S&P 500, zu einer Kurskorrektur von rund fünf Prozent seit den Höchstständen Anfang September.

Gold enttäuschte bisher
Der Goldpreis konnte von den gestiegenen Inflationsrisiken bislang noch nicht profitieren, sondern fiel im Laufe des dritten Quartals um knapp ein Prozent, wodurch sich das Minus im laufenden Jahr auf rund sieben Prozent erhöhte. Der starke Dollar konnte das aber weitgehend kompensieren, wodurch sich im Euro das Minus mit rund zwei Prozent in Grenzen hielt.

Europäische Staatsanleihen: Nichts zu holen
Die Rendite von Bundesanleihen, eine wichtige Messgröße für den europäischen Anleihenraum, veränderte sich per Saldo kaum. Das Gesamtergebnis aus Zins- und Kursveränderung beträgt seit Jahresanfang 1,5 Prozent – gemessen am REXP-Index für deutsche Bundesanleihen.

Sorgen vor steigenden Zinsen steigen
Der ruppige Börsenverlauf der vergangenen Wochen verdeutlicht, dass die Übergangsphase in ein neues Inflationsregime und die damit verbundene Sorge vor einer strafferen Geldpolitik bei Investoren zu erhöhter Unsicherheit führt.

Stromkosten von Cloud-Spezialisten wie Amazon oder Microsoft nagen am Gewinn
An den Börsen hat es besonders Techunternehmen erwischt. Diese, insbesondere solche mit einem hohen Softwareanteil, leiden naturgemäß weniger unter Inflation, die zuletzt stärker gestiegen ist. Hier wirken sich dagegen steigende Strompreise und mit Verzögerung höhere Personalkosten negativ aus. Die Stromkosten des energieintensiven Cloud-Geschäfts dürften sich nach unseren Schätzungen bei Alphabet, Amazon und Microsoft auf rund zwei Prozent des Umsatzes belaufen. Angesichts der hohen Ertragsmargen hätten selbst drastisch steigende Energiekosten keinen wesentlichen Effekt auf den Gewinn dieser Unternehmen. Auch ambitionierte Dekarbonierungsziele, wie die von Alphabet bis 2030 angestrebte CO2-Neutralität sollten deshalb ohne nennenswerte Ertragseinbußen erreichbar sein. Der wichtigste Werttreiber für diese Unternehmen bleibt das überdurchschnittliche Umsatzwachstum. Wenn gleich diese Unternehmen nicht so stark unter Lieferengpässe leiden wie Industrieunternehmen.

Größte Angst der Techinvestoren: steigende Zinsen
"Die jüngsten Kursverluste bei Aktien des Technologiesektors sind jedoch nicht auf die steigende Inflation und etwaige Lieferengpässe zurückzuführen, sondern eher auf die abgeleitete Angst vor steigenden Zinsen und in Einzelfällen die Sorge vor einer schärferen Regulierung", so Flossbach. Dies galt zuletzt auch für die chinesischen Technologiekonzerne, wo die Angst vor dem langen Arm Xi Jinpings zu einer Massenflucht der Investoren aus diesen Titeln gefüht hat. Dadurch kamen auch die Aktien der führenden Internetkonzerne Tencent und Alibaba unter Druck.

Alibaba und Tencent: Cashflow von je 20 Milliarden Euro
Um das Wohlwollen der Regierung zu gewinnen, haben sich Tencent und Alibaba zu „gemeinwohlfördernden Investitionen“ in Höhe von jeweils 100 Milliarden Yuan verpflichtet, die über fünf Jahre gestreckt werden sollen. Ein wesentlicher Teil davon dürfte eher als unfreiwillige „Spende“ zu werten sein und indirekt auch dazu beitragen, den niedrigen Steuersatz, der in den vergangenen Jahren zwischen zehn und 20 Prozent schwankte, zu kompensieren. Angesichts ihrer hohen Profitabilität und eines freien Cashflows von jeweils rund 20 Milliarden Euro können sich die Unternehmen diese Sondersteuer leisten. Die Beispiele verdeutlichen aber auch die Gefahr von Eingriffen in Eigentumsrechte, die in staatlich gesteuerten Schwellenländern größer ist und sich bei den betroffenen Unternehmen inzwischen auch in einer niedrigen Börsenbewertung ausdrückt. Wenn es auch seit dem Tief bereits wieder eine kräftige Gegenbewegung gegeben hat. Die Bewertungen sind jedoch bereits recht niedrig. Goldman Sachs empfiehlt Aktien wie Alibaba wieder zum Kauf. Das KGV beträgt nach einem Kursminus von 30 Prozent nur neun.

Wann steigende Zinsen für Anleger zum Problem werden
Wichtig für die Börsen ist, dass die Zinsen nicht deutlich steigen, da sonst die Bewertung von Aktien sinken würde, so wie es in den Siebzigerjahren der Fall war. Damals kamen die Aktienkurse trotz steigender Unternehmensgewinne per saldo nicht vom Fleck, weil der extreme Zinsanstieg die Aktienbewertung halbiert hat.

Gewinne müssen so stark steigen, wie Inflation
Solange davon auszugehen ist, dass der Realzins sicherer Anleihen negativ bleibt, sind Aktien die einzige liquide Anlageklasse, die dem Anleger neben laufenden Erträgen auch die Aussicht auf einen realen Wertzuwachs bietet. Flossbach: "Diese Eigenschaft gilt jedoch nicht pauschal für alle Aktien, da sie die Fähigkeit des Unternehmens voraussetzt, seine Preise und Mengen so zu erhöhen, dass der Gewinn mindestens genauso stark steigt wie die Inflation. Dann würde die Aktie bei unveränderter Bewertung mindestens mit der Inflationsrate steigen und ihren realen Wert erhalten oder erhöhen."

Schnelle Abkühlung der Wirtschaft noch nicht eingepreist
Doch es könnte an den Börsen weiter bergab gehen. Die Wirtschaft kühlt schneller ab, als dass die Wall Street eingepreist hat. Das macht sich etwa in den USA an den deutlich weniger neu geschaffenen Jobs bemerkbar als von Analysten erwartet. Die Lohninflation ist in den USA dagegen stärker gestiegen. Was zusätzlich zu steigenden Preisen für Rohstoffe und Produkte den Druck auf die Unternehmensgewinne erhöht.

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