Börsen: In Europa brechen die Dämme

Neuer Tag, Crash. Europa macht den Anfang. Die ersten Tiefstände für Dax & Co, die Experten prognostiziert haben, waren tagsüber schon fast erreicht. Vor allem den ATX trifft es schwer. Die USA ziehen mit Verlusten nach. Kommt die große Corona-Rezession, ist der Tiefpunkt bald erreicht? Wer sind die Krisengewinner und -verlierer?

Börsen: In Europa brechen die Dämme

Die Kursverluste an den Börsen sind derzeit beispiellos. Auch in der zweiten Crash-Woche. Die Overtüre machte Europa. An vielen Marktplätzen brachen, nach den enormen Kursverlusten der Vorwoche, an diesem Montag zahlreiche Dämme nach unten. Das Minus seit Börsenstart am 16. März beim Dax etwa lag zwischenzeitlich bei 8,5 Prozent. Die Handelsplätze in London, Paris, Madrid und Mailand verbuchten Kursverluste in ähnlicher Größenordnung. Der ATX, in diesen Tagen stets für einen Platz unter den Hauptverlierern an den Märkten gut, bricht bis zum Nachmittag sogar um über elf Prozent ein, erholt sich aber wie die anderen Börsen von diesen Tiefs leicht. Der europäische Banken-Index fällt im Tagesverlauf gar auf ein 32-Jahrestief.

USA ebenfalls in Corona-Panik
Dass an den Börsen in Europa die Kurse wie ein Kartenhaus zusammenbricht, hat einen Hauptverursacher: Keine Region der Welt ist derzeit so vom Corona-Virus infiziert, wie diese Region. Aber auch in den USA, wo die Börsen nach MESZ um fünf Stunden später starten, zeigt sich dass die Panik auch diesen Teil der Welt auch an diesem Montag fest im Griff hat. Der Dow Jones verliert alleine am Vormittag Ortszeit mehr als sieben Prozent, beim S&P und dem Nasdaq sind es zu dieser Zeit mehr als sechs Prozent.

Anleger müssen verkaufen, um Schulden zu begleichen oder weil sie Cash brauchen
Warum die Verluste so drastisch ausfallen, dürfte aber auch noch andere Gründe haben. "Die wahrscheinlichste Ursache für die hohen Kursausschläge ist eine Zwangslage bei vielen Marktteilnehmern, um jeden Preis Liquidität schaffen zu müssen – um Schulden zu begleichen oder um für einen sich abzeichnenden Liquiditätsengpass vorzusorgen", so die Börsenexperten von Eyb Wallwitz.


Der Bullenmarkt hat zu Sorglosigkeit geführt, aus der es nun ein grausames Erwachen gibt

Viel mit geborgtem Geld spekuliert
Viele über Jahre verwöhnte Anleger sind für die Risiken blind geworden. Die Wirtschaft hat sich gut entwickelt, die Kursschwankungen waren niedrig und das Momentum positiv. Der Hacken war und ist nur, dass sich immer mehr Anleger dazu verleiten haben lassen, auf Pump zu spekulieren. "Der Bullenmarkt der letzten zwölf Jahre hat zu Sorglosigkeit geführt, aus der es nun ein grausames Erwachen gibt", so die Investmentgesellschaft Eyb Wallwitz in einer Börsenanalyse.

Trendfolgemodelle verstärken Abwärtsdynamik
Hinzu kommt ein plötzlicher Entzug von Liquidität aus großen Teilen der Anleihemärkte. Europäische Staatsanleihen wurden etwa ebenfalls massiv verkauft. Auch bei vielen Rohstoffen gab es einen Crash. Mitverursacher dieses Höllentempo bei den Kursverlusten ist auch die immer größere Rolle, die quantitativen Strategien im Aktien- und Anleihenmarkt einnehmen. Diese basieren etwa auf mathematischen Trendfolgemodellen. Geht es abwärts, werden die Wertpapiere automatisch aus den Portfolios solcher Fonds geworfen. "Das führt zu einer schnellen Verschärfung negativer Kursentwicklungen", erläutert Eyb Wallwitz.

Fed-Eingriff verpufft - vorerst
In dieser Situation macht auch die US-Notenbank, sonst der Retter aller grausamen Börsenschlachten, keinen schlanken Fuß. Zwar senkte diese bereits am Sonntag -selbst bereits offenbar im Zustand einer Panikattacke, kräftig die Zinsen und kündigte Anleihenkäufe zur Stützung der Wirtschaft an, nur diese Maßnahmen wirken nicht von einem Tag auf den anderen, sondern zeitverzögert. Die Fallzahlen für die Ansteckungsrate des Virus und Schreckensmeldungen von Unternehmen wirken dagegen auf die Anleger in der Sekunde.

Erste China-Bilanz
Für Adrenalinstöße in Form von Unternehmensmeldungen sorgen derzeit Meldung aus China, wo Firmen eine erste Bilanz ziehen. Hohe zweistellige Umsatzeinbrüche sind die erste Bilanz des Monats Februar, in der die Corona-Katastrophe in China ihren Höhepunkt erreicht. Das wirkt auch auf die vielen Exporte Europas. So sind die Umsätze von VW im Februar um ein drei Viertel geschrumpft. Bei BMW fällt der Gewinn von acht auf fünf Milliarden Euro, wenn das in diesem Fall auch die Bilanz des Vorjahres betrifft. VW erwartet jedoch, dass sich das Geschäft in China Mitte des Jahres wieder normalisiert.


Stimmung ist noch nicht schlechter als die Lage

8.100 Punkte im Dax rücken näher
Doch in Europa und den USA ist das Stimmungstief noch nicht erreicht. „Die Stimmung ist noch nicht schlechter als die Lage", so Charttechnikexperte Marcel Mußle. Aber davon sei man noch immer weit entfernt. Der Abwärtstrendkanal lässt bereits in wenigen Stunden einen Kursrutsch auf 8160 Punkte erwarten. Doch die Abwärtsdynamik ist derzeit so gewaltig, dass kein Trendvorhersagemodell dieser anhaltenden Börsenpanik stand hält.


Fed-Maßnahmen können Folgen lindern, Rezession nicht verhindern

"Es überrascht uns nicht, dass die amerikanische Notenbank in Erwartung eines starken wirtschaftlichen Einbruches die Leitzinsen massiv gesenkt und darüber hinaus erneute Käufe von Staatsanleihen beschlossen hat. Das kann allerdings nur die schlimmsten Folgen lindern, eine Rezession aber nicht verhindern", erläutert Jörg Zeuner, Kapitalmarktexperte bei Union Investment.


Impfstoff wird gefunden, bevor die Lichter ausgehen

Kurse schon heute günstig, selbst wenn Gewinne in diesem Jahr 20 Prozent unter 2019 liegen Doch es gibt Hoffnung, wenn diese auch noch nicht um die Ecke sind. "Die Forschung wird Medikamente und Impfstoffe entwickeln, bevor die Lichter ausgehen. Viele Unternehmen sind heute an den Börsen sehr günstig bewertet, wenn sie im nächsten Jahr auch nur annähernd wieder an das Gewinnniveau der Vergangenheit anknüpfen können. Selbst wenn die Gewinne des Jahres 2021 noch um 20 Prozent unter denen des Jahres 2019 liegen und damit auf dem Niveau von 2014, ist der DAX lediglich mit dem 12-fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis

Wie erfolgreich sind die Geschäftsmodelle
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Funktionieren die Geschäftsmodelle der Firmen, in die Anleger ihr Geld investiert haben, auch nach der Corona-Rezession noch? Die Antwort lautet: Ja. Viele der Unternehmen werden nach der Rezession vielleicht sogar noch besser dastehen als vorher. Amazon wird auch im nächsten Jahren erfolgreich E-commerce und Rechenzentren betreiben, Apple wird weiterhin viele IPhones verkaufen oder etwa Fresenius Medical Care, diese wird weiterhin seine Dialysepatienten versorgen.

Potentielle Krisengewinner
Auch wenn es noch zu früh ist, für eine Bilanz. Aber es wird auch viele Krisengewinner geben. Allen voran die Digitalisierungsbranche. Unternehmen, die Telemedizin- Dienstleistungen anbieten (Teladoc und JD.com), werden zu den Gewinnern zählen, glaubt man Unternehmen, die Telemedizin- Dienstleistungen anbieten (Teladoc und JD.com), werden zu den Gewinnern zählen, ebenso wie Anbieter von Cloud-Dienstleistungen für Unternehmen (Microsoft, Amazon, Zendesk).

Diese Geschäftsmodelle könnten dauerhaft Schaden nehmen
Einige Geschäftsmodelle werden durch die Corona-Rezession erheblichen Schaden erleiden. Etwa könnte es sein, dass Geschäftsreisen dauerhaft durch Videokonferenzen ersetzt werden, wenn im Zuge des massenhaften Home Office immer mehr Firmen realisieren, dass sich viele Meetings ökologischer, billiger und weniger zeitaufwändig über Skype oder Zoom abhalten lassen. Für Luftfahrtgesellschaften und Flugzeughersteller wäre das eine schlechte Nachricht, für die Umwelt eine gute. Die Ölindustrie wird sich ebenfalls auf dauerhaft niedrige Preise einstellen müssen und damit auf den Umstand, dass viele ihrer Projekte, etwa in kanadischem Ölsand, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

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