Börsen im Hoch - die Risken und Chancen

Börsen im Hoch - die Risken und Chancen

Dax und S&P steigt auf ein Jahreshoch. Wie Experten die weitere Entwicklung an den weltweiten Börsen einschätzen, warum US-Aktien als am verwundbarsten gelten und welche Börsen und Sachwerte eine solide Performance prognostiziert wird und weshalb.

Derzeit läuft es einmal in Europa richtig gut. Der deutsche Aktienindex Dax ist zeitweise auf ein neues Jahreshoch gestiegen und am 4. Juli auf 12.631 Zähler geklettert. Die europäischen Börsen feiern die proeuropäische und pro-QE Nominierung eingestellte Christine Legarde, die die Nachfolge von Mario Draghi als EZB-Chefin antreten soll. Aber auch sichere Häfen wie Gold und deutsche Staatsanleihen stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Die Krisenwährung Gold notiert bei 1.426 Dollar je Feinunze. Ein Plus von sieben Prozent in nur einem Monat. In den letzten drei Jahren legte der Kurs des Edelmetalls nicht so viel zu. Auf die Wiener Börse hat das neue Feuer der Anleger allerdings nicht nennenswert übergegriffen, wenn im letzten Monat auch etwas Schwung in die Kurse gekommen ist.

Anleihenkurse auf neue Tiefstände abgerutscht
Auf Basis des neuen Zinsumfelds "Lower for longer" - tat sich auch bei Anleihen bemerkenswertes. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen unterschritten erstmals seit Dezember 2016 die Zwei-Prozent-Marke, während die Bundrenditen auf nie zuvor erreichte -0,35 Prozent rutschten. In Deutschland muss man seine Staatsanleihen schon fast 20 Jahre halten, um mit einer positiven Rendite belohnt zu werden.

In den USA läuft es für die Anleger wie im Dax ebenfalls gut. In den letzten drei Monate kletterte der breite Aktienindex S&P um 4,3 Prozent, in einem Jahr war an der US-Börse mehr als zehn Prozent zu holen. Auch jenseits des Atlantiks sind die Anleger, trotz sich verlangsamender Konjunktur, guter Dinge. Auch hier hofft man auf den Zinssenkungen. Doch wie nachhaltig ist der ganze Börsenzauber? Lesen Sie, wie Profis die Lage einschätzen und wie sie sich jetzt positionieren.

Überzogene Euphorie in den USA?
Die Euphorie über die Zinssenkungen in den USA ist nach Einschätzung von Paolini überzogen. „Die Zinssenkungen dient dazu einen ernsten Rückgang der Wirtschaftsleistung abzufedern.“ Der Markt hätte bereits eine Zinssenkung von einem Prozent für die nächsten zwölf Monate eingepreist.

Stagnierende Erträge, teure US-Börse
Mittlerweile notiert der US-Leitindex S&P nahe seines Rekordstandes. Schon einmal ein guter Grund als Anleger Vorsicht walten zu lassen, dazu kommt weltweit Schulden von zwölf Billionen Dollar, die negative Renditen aufweisen - womit der Rekord von 2016 gebrochen ist. Pictet hat daher Anleihen herabgestuft, ebenso Aktien und dafür die Cashposition erhöht. „In einem Umfeld sinkenden Wachstums und rückläufiger Unternehmenserträge ist es nötig, vorsichtiger zu agieren“, argumentiert Paolini. Die Firmenerträge weltweit könnten laut Berechnungen der Schweizer Investmentgesellschaft 2020 sogar stagnieren. Breite Consensus-Schätzungen gehen jedoch von einem Ertragswachstum von sieben Prozent aus. Noch im Vorjahr erzielten Dax-Unternehmen den zweithöchsten Gewinn in der Geschichte.

Globale Aktien: Im Schnitt günstig, aber anfällig für Verluste
Ansonsten sehen globale Aktien trotz starker Zuwächse zuletzt im Großen und Ganzen recht günstig aus. Da die Gewinnaussichten jedoch nach Einschätzung von Pictet erheblich schwächer ausfallen dürften als von Analysten prognostiziert, "bleiben Aktien anfällig." Zuletzt griffen Anleger vor allem zu Aktien von zyklischen Werten, etwa den Sektoren Grundstoffe / Bergbau, Informationstechnologie und zyklische Konsumgüter.

Keine harte Landung
Die Pictet-eigenen Konjunkturindikatoren zeigen zwar weiterhin von einer Verlangsamung der Weltwirtschaft an, deuten sie nicht auf eine harte Landung hin.


US-Aktien sind weltweit die teuersten Titel

US-Wirtschaft seit Monaten im Rückwärtsgang
warnt der Chefstratege. Und deshalb partiell am verwundbarsten. Denn die amerikanische Wirtschaft hat sich sechs Monate in Folge verlangsamt und hat sich damit in diesem Punkt schlechter performt als große entwickelte Staaten und Schwellenländer. „Die Geschichte hat gezeigt, sinkt das Wachstum der Firmen sinkt, wenn die US-Wirtschaftsleistung unter drei Prozent fällt“, sagt Paolini. Und das ist definitiv der Fall. Im zweiten Quartal ist das US-BIP auf nur 1,3 Prozent und im dritten Quartal auf 1,2 Prozent geschätzt. Negative Überraschungen bei den Wohnungsdaten und dem Auftragseingang langlebiger Güter machten den größten Teil des Rückgangs aus.

Dass die Wall Street durch Zinssenkungen einen neuerlichen Boost erhält, glaubt der Pictet-Stratege nicht. „Aggressive Zinssenkungen der Notenbank wurden bereits im ersten Halbjahr 2019 eingepreist.“

Aussichten für Eurozone haben sich verbessert und übertreffen die USA
Im Gegensatz dazu könnten europäische Aktien zur Aufholjagd ansetzen. „Die Aussichten für die vergleichsweise günstigen europäischen Werte hellen sich auf“, meint Paolini. Insbesondere die Aussichten für die Eurozone haben sich verbessert - und das noch, bevor die EZB ein erneutes Bekenntnis bei Bedarf Impulse zu setzen abgab.

Europäische und amerikanische Aktien: Große Bewertungslücke

Konsum und Kreditnachfrage in Europa robust
So haben sich die von Pictet entwickelten Frühindikator in Europa, die zwar noch immer im negativen Bereich liegen, in den letzten seit drei Monaten verbessert und die USA übertroffen. Der Konsum, der Hauptwachstumsmotor in Europa, bleibt robust und die Kreditvergabe an Banken verbessert sich. Europäische Aktien sind nach unserem Bewertungsmodell, das Preis-zu-Buch-, Preis-zu-Gewinn- und Preis-zu-Umsatz-Verhältnisse berücksichtigt, relativ günstiger als die USA.

Gemischte Signale aus Europa
Nur alles eitel Wonne ist es auch in Europa nicht. Die Zahlen vom 4. Juli deuten auf eine andere Richtung hin. Demnach hat sich Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone - vor allem auch wegen Deutschland - so stark eingetrübt, wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Das Barometer dazu fiel im Juni um 1,9 auf 103,3 Punkte und damit stärker als von Ökonomen erwartet, wie die EU-Kommission 4. Juli mitteilte. In der Industrie ging es so stark bergab, wie zuletzt vor rund acht Jahren. Bei Verbrauchern und Dienstleistern trübte sich die Stimmung ebenfalls ein, während sie sich bei den Einzelhändlern etwas aufhellte und am Bau spürbar besserte. Das Barometer sank in allen fünf großen Euro-Volkswirtschaften, am stärksten allerdings in Deutschland, gefolgt von Italien, den Niederlanden, Frankreich und Spanien. Vorsicht ist also auch für Investments in Europa geboten.

Dax hinkt S&P hinterher
Der Dax etwa stieg in den letzten drei Monaten um 5,5 Prozent. In den letzten zwölf Monaten waren es insgesamt aber nur gut zwei Prozent und in drei Jahren kamen knapp 30 Prozent zusammen. Im US-Index S&P 500 war da schon mehr zu holen. In vergangenen Monat betrug das Plus neun Prozent, in den letzten zwölf Monaten waren es über zehn Prozent und in drei Jahren summierte sich der Anstieg auf rund 42 Prozent.


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Britische Aktien attraktiv
Die meisten im britischen Aktienindex FTSI gelisteten Unternehmen agieren international. Der Markt bietet eine hohe Dividendenrendite von 4,8 Prozent, während ein schwaches Pfund aufgrund von Sorgen im Zusammenhang mit dem Brexit die Gewinne vieler britischer multinationaler Unternehmen steigert.

Hohes Gewinnwachstum in Schwellenländern
Pictet setzt auf aufstrebende Märkte. Inzwischen profitieren andere Volkswirtschaften vom Konflikt zwischen China und den USA. Vietnam, Taiwan und Südkorea haben einen erheblichen Teil des verlorenen Geschäfts in China aufgegriffen, und chinesische Unternehmen sind zunehmend aus den USA nach Lateinamerika gewechselt, um Agrarimporte zu tätigen. Die Frühindikatoren der Asset Manager zeigen, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften stärker wachsen als die Industrieländer, während das Gewinnwachstum der Schwellenländer bis 2020 voraussichtlich 14 Prozent über dem der Industrieländer liegen wird. Ebenfalls als lohnenswert stufen die Geldmanager Aktien des pazifischen Raums, ohne Japan, ein.

Dollar-Abwertung droht: Energie- und Rohstofftitel meiden
Paolini bleibt in Sektoren neutral, die anfällig für eine Abwertung des Dollars sind, wie Energie und Rohstoffe. Auch in wirtschaftlich sensiblen Branchen wie Finanz- und Immobiliengeschäften bleiben die Schweizer Investmentprofis neutral.


Hände weg von europäischen Anleihen
Die Anleihen der Eurozone und der Schweiz sind so teuer wie noch nie. Abgesehen von US-amerikanischen Investment-Grade-Anleihen und Schuldtiteln in Lokalwährungen der Schwellenländer, die neutral bewertet sind, ist jeder zweite Vermögenswert im Rentenuniversum überbewertet, befindet Pictet.

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