Börsen-Analyse: In Asien und den USA lebt die Chance

Der Chefaktienstratege der Deutschen Bank setzt 2021 auf Asien und die USA. Für europäische Werte sieht er von Einzeltiteln abgesehen wenig Kurspotenzial.

Börsen-Analyse: In Asien und den USA lebt die Chance

Corona und die Folgen der Pandemie werden die Wirtschafts noch viele Quartale und etliche Jahre beschäftigen. Selbst dann noch, wenn es immer mehr Geimpfte gibt. "Den Ökonomien machen hohe Schulden, fehlende Strukturreformen und steigende Inflationsrisiken zu schaffen", so der Befund von Markus Müller, Chefanlagestratege im Wealth Management der Deutschen Bank.

Von den wirtschaftlichen Leiden und Auswirkungen der Pandemie sind jedoch nicht alle Länder gleichermaßen betroffen. Die Ökonomien der Eurozone hat der Virus am stärksten erwischt. „Hier erwarten wir nur eine schleppende Erholung mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent für 2021", so Müller. Auch über 2021 das Jahr hinaus wird das Wachstum in dieser Region noch eine Weile gedämpft bleiben. Nur in Japan dürfte die Wirtschaft mit 2,5 Prozent noch langsamer wachsen als in der EU.

Hoffnung auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft macht Müller, dass diese Rezession anders verläuft als die Finanzkrise 2008. "Diesmal ist weder die Kreditnachfrage noch die Investitionen zurückgegangen sind und es wurden auch keine Kapazitäten abgebaut." Die Voraussetzungen für den Reset sind also besser.

Die Wachstumslokomotive ist dagegen China, das heuer voraussichtlich um 8,7 Prozent wieder auf Vorkrisenniveau wächst, in Indien dürfte das Wachstum sogar um elf Prozent anziehen. Der Wirtschaftsmotor brummt auch in Großbritannien mit einem prognostizierten Jahresplus von 4,5 Prozent. In den USA soll der Wert um fünf Prozent steigen. „Das sind aber alles noch konservative Schätzungen“, so Chief Investment Officer Müller.

Börsen am 10-Jahreshoch

Die Börsen sollen der Deutsche Bank zufolge von dieser makroökonomischen Erholung weiter profitieren, wenn die Luft auch schon sehr dünn wird. Die meisten wichtigen westlichen Börsen notieren nahe oder über den Höchstständen. Der Dax notiert mit einem Zuwachs von 64 Prozent in nur einem Jahr so hoch wie noch nie in den letzten zehn Jahren.

Ein fast gleich hohes Kursplus verzeichnet auch die Austrobörse ATX und kratzt damit am 10-Jahreshoch. Der US-IndexS&P konnte mit Plus 70 Prozent in den letzten zwölf Monaten sogar noch eines drauflegen. In zehn Jahren hätte dieses Investment Anlegern eine Wertsteigerung von gut 200 Prozent gebracht. An der indischen Börse Sensex ist wie in der EU und den USA das Börsenfieber ausgebrochen.

Nur auf China, wo die Wirtschaft wirklich bereits vor Monaten ohne große staatliche Hilfe angesprungen ist, haben die Anleger bisher verhalten reagiert. Der Shanghai Stock Exchange ist in den vergangenen zwölf Monaten nur um knapp zehn Prozent gestiegen.

Weiter Luft nach oben

Trotz der unglaublichen Corona-Rallye sollten die Aktienkurse in vielen Teilen der Welt weiter anziehen, so die Prognose der Deutschen Bank. In den USA dürfte die hohe Impfrate (33 Prozent der Bevölkerung sind geimpft. Täglich werden 2,5 Millionen Amerikaner geimpft) und der enorme fiskalische Stimulus die Börsen am Laufen halten. „Das US-Fiskalpaket macht 30 Prozent des BIP aus“, erklärt Wealth-Manager Müller. In China beträgt der staatliche Zuschuss am BIP nur fünf Prozent. „Da das Land bei der Eindämmung der Pandemie viel rigoroser vorgegangen ist, hat es höhere staatliche Interventionen, um das Wachstum anzukurbeln, nicht nötig“, so der Deutsche-Bank-Stratege.

Bei europäischen Aktien ist nach Einschätzung der Deutschen Bank jedoch in diesem Jahr nicht mehr viel zu holen. Dem Dax, schon jetzt bei 14.688 Punkten, wird nur noch ein Anstieg auf 14.800 Punkten zugetraut, also gerade einmal ein Plus von einem Prozent.

Japan und die USA pulvern derzeit am meisten Corona-Hilfsgeld in ihre Volkswirtschaften. Die EU hinkt hinterher.

Längerfristig sieht der Aktienstratege jedoch für die Euro-Zone ein interessantes Wachstumspotenzial. "In den USA sorgt das jüngste Coronahilfspaket für die Wirtschaft in diesem Jahr zwar ein enormer Boost, in Europa dagegen sind die Maßnahmen im Zuge des Green Deal, auf Jahre ausgelegt und deshalb insgesamt attraktiver.“

Derzeit sieht der Deutsche-Bank-Stratege jedoch selbst in Japan bessere Investmentchancen als in der Eurozone, obwohl dort das BIP etwas niedriger ausfallen dürfte als in Europa. Dort buttert die Regierung, gemessen am BIP, noch höhere Summen in die Wirtschaft als die USA. Chief Investment Officer Müller baut bei Börsenengagements aber vor allem auf Asien und die USA.

Asien als Gewinner der Pandemie

Asiatische Volkswirtschaften haben die besten Karten, wenn es darum geht, als Gewinner der Krise hervorzugehen. „Die vier größten Volkswirtschaften kommen schon 2024 aus Asien“, glaubt Müller. China wird laut den Berechnungen der Deutschen Bank bereits 2024 das Land mit dem höchsten BIP sein und die USA auf Platz eins ablösen. Indien hat ebenso gute Chancen zu einer Nation mit dem höchsten Wirtschaftswachstum der Welt, gemessen an der Kaufkraftparität, aufzusteigen. Deutschland wird aus heutiger Sicht der Experten allerdings hinter Russland zurückfallen (siehe Tabelle).

China zieht, gemessen am BIP, bis 2024 an den USA vorbei. Auch Indonesien und Indien steigen zu den Staaten mit der höchsten Kaufkraft auf. Deutschland dürfte deutlich abrutschen, so die Prognosen der Deutschen Bank.

Die Stringenz in der Bekämpfung der Pandemie in asiatischen Staaten wie China ist nur ein Grund, warum diese Ökonomien in den nächsten Jahren schneller wachsen als andere: „Asien hat geringere Kosten, neue Technologien einzusetzen, da sie geringere Kosten durch veraltete Technologien haben als westliche Staaten."

Das hohe Wachstum und die geringen Kosten wiederum machen es in diesen Ländern einfacher, Zinsen zu erhöhen. So ist in China in den nächsten fünf Jahren ein gigantischer Ausbau des 5G-Netzes geplant. Der Anteil soll von derzeit acht Prozent auf 56 Prozent steigen. Die Urbanisierung soll ebenfalls vorangetrieben werden. So sollen 70 Millionen Chinesen, die derzeit noch am Land leben, in Städte ziehen. Diese insgesamt geringeren Kosten in China geben der Notenbank in Zukunft mehr Handlungsspielraum als etwa in den USA.

Einzementierte Niedrigzinsen

„In den USA ist die Niedrigzinspolitik durch die Geldpolitik auf Jahre einzementiert“, so der Deutsche Banker. Maßnahmen, um die Zinsen anzuheben und so präventiv die steigende Inflation zu dämpfen, sind vorerst nicht zu erwarten. Müller: „Die Inflation könnte in den USA 2021 auf drei Prozent steigen.“ Rechnen tut Müller aber mit rund zwei Prozent. Sorgen vor einer steigender Inflation veranlasst Anleger ihr Depot ihr Anleihenanteil abzuschichten und Aktien aufzustocken. „Ab einem gewissen Anstieg der Kapitalmarktzinsen wird auch die Börse nervös werden“, warnt Müller.

Für den Goldpreis sieht Müller hingegen, obwohl Gold eine gute Absicherung gegen steigende Inflation ist, kaum Luft nach oben: „Die Chancen auf steigende Preise sind limitiert, da der Anstieg der Inflation nicht nachhaltig sein wird.“

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