Börse: Steht 2020 die Trendwende bevor?

Börse: Steht 2020 die Trendwende bevor?

Erholt sich China 2020? Eine der großen Fragen für Anleger im kommenden Jahr.

Trend.at sprach mit Gergely Majoros, Ökonom und im Investmentkommittee bei Carmignac, darüber, auf welche Entwicklungen Anleger 2020 besonders achten sollten und warum eine Trendwende bevorstehen könnten und Anleger wieder vermehrt in Aktien investieren könnten.

Die Wirtschaft war in den vergangenen zwei Jahren ein kranker Patient, dem kein Mittel geholfen hat. Der Zustand verschlechterte sich sogar immer wieder. Zunächst war von der Verschlechterung des Allgemeinzustandes bis Ende 2018 aber zunächst nur China und Europa betroffen. Das Krankheitsbild: Das Wachstum ging in beiden Regionen kontinuierlich zurück.

2019 hat die Schwäche weiter um sich gegriffen. „In diesem Jahr hat das Wachstum auch in den USA nachgelassen“, erklärt Gergely Majoros, Mitglied des Investmentkommittees und Makro-Experte von Carmignac. Die Fondsgesellschaft verwaltet für seine Anleger 35 Milliarden Euro. Bis Anfang 2019 gelang es den USA noch sich durch den starken fiskalischen Stimulus unter US-Präsident Donald Trump von der übrigen globalen Entwicklung zu entkoppeln. „Fast egal wo man heute hinsieht, das Wachstum fällt schwächer aus als im Vorjahr“, resümiert Majoros.

Konjunkturentwicklung als dominierende Frage für die Börsen

2020 könnte nun eine Trendwende bevorstehen. Die große Frage für Anleger ist jedoch, wie sich die Konjunktur im nächsten Jahr entwickeln wird. „Davon wird abhängen, wie sich die Märkte entwickeln“, so Majoros. Zwei Fragen sollten Investoren dafür im Auge behalten:

  1. Kommt es zu einer Stabilisierung des Wirtschaftswachstums, vielleicht sogar gefolgt von einer Erholung. Dann würde es laut Carmignac unter Umständen auch zu einem Kursanstieg an den Börsen kommen oder
  2. schwächt sich das weltweite Wirtschaftswachstum weiter ab?

Alles hängt von China ab

Carmignac selbst ist optimistisch und erwartet zumindest eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums. Wie sich das weltweite Wachstum entwickelt, hängt seiner Einschätzung zufolge davon, ab ob sich das Wachstum in China, dem größten Kontributor zum globalen Wachstum, erholt. Entscheidend wird laut Carmignac sein, ob China massive geld- und fiskalpolitische Maßnahmen ergreift, um seine Wirtschaft anzukurbeln oder nicht.

Mit kleineren Maßnahmen rechnet der Ökonom zwar, „aber ein Riesen-Konjunkturpaket wie China im Jahr 2016 veranlasst hat, werde es nicht geben. „Das war damals eine große Hilfe und hat weltweit einen Wachstumszyklus angefacht.“ Dass nun keine große Geldspritze zu erwarten sei, liege schon daran, dass China seither hohe Schulden angehäuft hat und der Handelsspielraum dadurch kleiner geworden ist. Kleine geld- und fiskalpolitische Impulse hat China jedoch seit 2018 laufend gesetzt.

Noch hat China mit schwachem Wirtschaftswachstum zu kämpfen.


Ist immer mehr Geld nötig, um Wachstum zu erzielen

Ein weiterer problematischer Grund, warum China nicht mehr so viel Geld in die Hand nehmen dürfte: „Es ist immer mehr Geld nötig, um damit Wachstum zu erzielen“, argumentiert Majoros. Das trifft zwar auch für Europa und die USA zu, aber die Schere zwischen Aufwand und erzieltem Effekt sei in China besonders groß.

Prognose: Stabiles Wachstum auf niedrigem Niveau

Insgesamt geht Carmignac für 2020 von einem stabilen Wachstum auf niedrigem Niveau aus. Die Verlangsamung des Wachstums werde gestoppt. Diese Annahme würde jedoch, sobald sich dieser Trend verfestigt, einen Schwenk in der globalen Investmentstrategie der Fondsgesellschaften weltweit erfordern.

2019 ist das meiste Geld in Anleihen geflossen

Denn bisher spiegeln die Investments der globalen institutionellen Anleger, eine vorsichtige und defensive Positionierung wider. (siehe Grafik). Diese haben deshalb 2019 das Geld vor allem in Anleihen investiert. Auf der Aktienseite vor allem in defensive Qualitätsaktien, zu Ungunsten von zyklischen Aktien. „Das Geld ist vor allem in die US-Aktienmärkte geflossen Der US-Blue-Chip-Index S&P zählte denn auch 2019 bisher zu den Bestperformern unter den großen Aktienindex. Seit Ende 2018 legte dieser Index um rund 25 Prozent zu.

Tritt nun eine Stabilisierung des Wachstums ein, „wären die Investoren gezwungen, ihr extrem negative Bild der wirtschaftlichen Erwartungen zu revidieren und ihre Portfolios umschichten“, prognostiziert der Carmignac-Investmentvorstand.

Institutionelle Investoren haben heuer bisher rund 600 Milliarden Dollar in Anleihen-Fonds investiert, bei Aktienfonds gab es aufgrund ihrer pessimistischen Einstellung Abflüsse.

Dax-Kursanstieg könnte Trendwende für Zykliker signalisieren

Auf eine Trendumkehr könnte der in den vergangenen zwei Monaten gut gelaufene deutsche Aktienindex Dax hindeuten. Diese Börse, mit zahlreichen zyklischen Werten wie Banken und Industrieunternehmen, legte in den vergangenen zwei Monaten zu. „Anleger könnten das Geld hin vom defensiven S&P hin, zum wesentlich zyklischeren Dax und auch anderen europäischen Aktien, umschichten. Selbst wenn es nur zu einer Stabilisierung des Wachstums käme, könnten die Anleger ihre Strategie ändern, „da die Positionierung derzeit zu defensiv ausgerichtet ist“, erläutert Majoros und ergänzt: „Deshalb wird 2020 die Frage sein, ob es zu einer Rotation bei den Investments kommt.“

Die politischen Unsicherheiten haben der Weltwirtschaft seit 2017 ordentlich zugesetz.


Drei Gründe, warum die weltweite Konjunktur 2020 besser ausfallen könnte, als erwartet

  1. Handeslkonflikte. Politische Unsicherheiten werden in den Hintergrund treten. Allen voran die brennende Frage des Handelskonflikts zwischen China und den USA, für dessen Lösung es erste positive Ansätze gibt. „Noch vor drei Monaten war zu befürchten, dass gar kein Deal zustande kommt. Dieses Worst-Case-Szenario ist nun vom Tisch“, sagt Majoros. Weshalb die Märkte in den vergangenen Wochen auch positiv reagiert haben.
  2. Brexit. Es gibt Anzeichen, dass der Brexit sanfter verlaufen wird als bereits befürchtet wurde.
  3. Notenbanken und Zinsen. Große Zentralbanken, allen voran die US-Notenbank FED, lassen vielleicht erkennen wie 2020 die Richtung aussehen dürfte. Carmignac-Ökonom: „Die Maßnahmen der FED sind ein guter Konjunkturfrühindikator. Die Geldpolitik von heute ist ein guter Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung von morgen.“ Im kommenden Jahr könnten Zinssenkungen in den USA anstehen, um einer Verlangsamung der Wirtschaft entgegenzuwirken.


Schauen, wie auf die Milch am Herd, was die Notenbank macht

Mehr Zinssenkungen wären für die Aktienmärkte im kommenden Jahr gut. „Es könnte in diese Richtung gehen“, glaubt Majoros, da sich die US-Konjunktur weiter abschwächen könnte. Derzeit sind die Märkte nur auf eine Zinssenkung für 2020 eingestellt. „Das ist in den Anleihen eingepreist.“ Kommt es in den USA zu mehr Zinssenkungen, könnte das eine massive Verschiebung von Investments in Anleihen zu Aktien nach sich ziehen. Und damit wiederum in Value-Aktien und zyklische Papiere. Majoros: „Deshalb schauen wir auch ständig, wie auf die Milch am Herd, was die Notenbank macht.“


Noch ist das Glas halb voll

Europäische Aktien und Emerging Markets könnten profitieren
Kommt es zu einer Stabilisierung der Ökonomie dürften nicht nur europäische Aktien wieder in der Gunst der Anleger steigen, sondern auch jene von Emerging Markets. Damit wieder Geld in diese Region fließt, braucht es große Investoren, die diese Aktien für lohnenswert erachten. „Die Frage wird jedoch sein, ob es zu einer spürbaren konjunkturellen Verbesserung kommt, um wieder signifikant in Emerging Markets zu investieren. „Noch ist das Glas halb voll“, so Marjoros. Die drei US-Zinssenkungen 2019 waren jedoch bereits eine Erleichterung für die Schwellenländer. Damit steigt die Attraktivität von Emerging Markets im Vergleich zu entwickelten Märkten „Wir haben erste Positionen in unterbewertete Papiere in Emerging Markets aufgebaut. Da wurde vor allem in wachstumsstarke Titel investiert, dort seinen die Bewertungen derzeit besonders niedrig. Für Europa ist Carmignac aber noch in Warteposition und hat derzeit nur sieben Prozent in Aktien aus dieser Region investiert. Bei Schwellenländer-Aktien beträgt der Anteil sechs Prozent.

Wachstumsstarke Aktien aus den Emerging Markets sind besonders unterbewertet und könnten vor einer Erholung stehen.

China-Währung ist fragiler, große Konjunkturpakete deshalb unwahrscheinlicher
Gegen ein größeres Konjunkturpaket spricht auch die Entwicklung der chinesischen Währung, die fragiler geworden ist, als in früheren Jahren. Einer der Hauptgründe: „Die Leistungsbilanz liefert kaum noch Überschüsse“, so Majoros. Vor Jahren brachten die hohen Exporte billiger Waren und die Errichtung großer Infrastrukturprojekte für Geldflüsse aus dem Ausland. Das erzeugte einen Puffer für die Währung und hielt diese stabil und hoch. Doch das hat sich geändert. China hat sich zu einem Hightech-Land entwickelt, dessen Wachstum verstärkt vom inländischen Konsum kommen soll. „Die Währung hat damit jedoch seinen Puffer verloren und wird schwankungsanfälliger.“ Ein großes Konjunkturpaket würde die Währung abschwächen. Was jedoch nicht erwarten ist, da China damit riskiert den Ärger von US-Präsident Donald Trump auf sich zu ziehen. „Beide Parteien, sowohl China als auch die USA werden versuchen die Verhandlungen über Einigung zum Handelskonflikt nicht zu gefährden“, so der Experte. Dürfte die erste Phase der Verhandlung doch vor einem erfolgreichen Abschluss stehen.

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