Börse Indien: Da spielt die Musik

Börse Indien: Da spielt die Musik

Die Inder legen an Tempo zu. Einschneidende Reformen legen die Basis.

Indiens Wirtschaft wächst schneller als die Chinas, die Regierung setzt Reformen um, die zum "Game Changer" werden könnten. Das neue Wachstumspotential bietet auch an der Börse große Chancen. Welche Indien-Fonds sich bisher gut geschlagen haben.

Seit Mitte Dezember ist die indische Börse um 22 Prozent gestiegen. Und das obwohl Ministerpräsident Narendra Modi in einer Nacht-und-Nebel-Aktien im November des Vorjahres alle 400- und 1.000 Rupien-Scheine für ungültig erklärt hat. Was wie ein Staatsstreich klingt, ist nur ein Puzzlestein in Modis großem Reformplan, der das Land wie kein Premier zuvor vorantreibt.

Seither seinem Amtsantritt vor vier Jahren hat Indien eine Kehrtwende vollzogen, die vielen in der Bevölkerung zu nie dagewesenen Chancen verhelfen und eine Grundlage dafür aufbereiten, das Land von Grund auf zu modernisieren.

Wachstumsknick nach Bargeld-Reform

Das im November 2016 überraschend umgesetzte Verbot großer Geldscheine, hat zwar der Wirtschaft einen Dämpfer versetzt, der bis jetzt deutlich spürbar ist. Schließlich war damit über Nacht 86 Prozent des gesamten in Umlauf befindlichen Bargeldes wertlos. Die Aktion hat auch den bisher starken Konsum gebremst. Darunter leidet auch die Konjunktur. 2017 wurden laut einer Umfrage so wenige Arbeitsplätze geschaffen, wie zuletzt vor zwölf Jahren. Die Investitionen der Unternehmen haben 2017 bisher, gegenüber dem Vorjahr, sogar halbiert. Doch bereits 2019 dürften die Investitionen, laut einer Schätzung der Schweizer Bank UBS, wieder mit 6,5 Prozent pro Jahr steigen und damit wieder auf dem Niveau von 2015 liegen. Das Ziel der Bargeld-Aktion, die Schattenwirtschaft massiv zurückzudrängen, beginnt langsam aber doch zu greifen.

Game Changer: Konten und Sozialversicherung

Die indische Börse hat das plötzliche Verbot der beiden großen Rupien-Scheine jedenfalls rasch verkraftet. An der Börse wird schließlich die Zukunft gehandelt. Dass die Anleger so guter Stimmung sind, ist gut nachvollziehbar. Das BIP-Wachstum ist, trotz der Delle im heurigen Jahr, hoch und soll bis 2019 von derzeit rund sieben Prozent auf knapp acht Prozent steigen.
Als echten „Game Changer“ wertet Jupiter Asset Management, dass zum ersten Mal in der Geschichte Indiens alle Haushalte Zugang zu einem Bankkonto haben. Bisher waren Konten und damit auch Bankkredite nur einer kleinen Bevölkerungsschicht zugänglich. Nun können arme Menschen überhaupt erst auch finanzielle staatliche Unterstützung erhalten. Ein weiterer "Game Changer": Erstmals gibt es für für eine breite Bevölkerung eine Sozialversicherung. „Diese beiden wichtigen Faktoren werden den Konsum langfristig ankurbeln. Die Menschen müssen weniger sparen, da sie abgesichert sind und ihnen bleibt mehr Geld zum Ausgeben“, analysiert Karl Banyai von Jupiter Asset Management in Wien gegenüber trend.at. Auch Wucherzinsen von windigen Kreditgebern ist damit auch deutlich Einhalt geboten.

200 Millionen mehr Internetzugänge in zwei Jahren

Da es nichts mehr bringt, große Geldscheine zu Hause zu horten, steigen wiederum die Kontostände. Zumal auch der Import von Gold von der Regierung restriktiver gehandhabt wird. „Mit der Einführung der Sozialversicherung verliert auch die finanzielle Vorsorge mit Gold den großen Stellenwert, den es bisher hat. Auch deshalb sinkt die Nachfrage“, so Banyai.
Einen hohen Wachstumseffekt bringt auch die zunehmende Verbreitung des Internets. Binnen zwei Jahren ist die Zahl jener mit einem Internetzugang von 400 Millionen Indern auf 700 Millionen hochgeschnellt. Die Preise für die Datenmengen sind gleichzeitig stark gesunken.

Schon heute steht indische Wirtschaft steht robust da. Die Inflation ist zuletzt weiter gesunken und liegt bei 2,4 Prozent. Der Leitzins beträgt moderate sechs Prozent. „Die indische Notenbank hat ihr Pulver noch nicht verschossen“, sagt Banyai, dessen Gesellschaft den Jupiter India Select Fonds (ISIN: LU0946219929) auflegt. Der Fonds schlägt regelmäßig den Durchschnitt der Indien-Fonds- Konkurrenz. In den vergangenen drei Jahren lag der Wertzuwachs des Fonds pro Jahr im Schnitt bei knapp 16 Prozent.

Zahl der Inder, die Steuern zahlen steigt

Die Reformen machen auch vor der Steuer nicht halt. So sollen die Bundesstaat sukzessive ihre Steuern vereinheitlichen. Das soll nicht nur für einen starken Wachstumsimpuls sorgen, die Zahl der Steuerzahler, bisher nur um die fünf Prozent der Bevölkerung zahlt Steuern, steigt. Das macht sich auch an den Einkommenssteuererlösen bemerkbar. Diese sind in Prozent des BIPs von 13 Prozent im Jahr 2002 auf 17,5 Prozent gestiegen.

Aktien-Bewertungen noch nicht überzogen

Der indische Aktienmarkt gilt, trotz der hohen Kurszuwächse seit Mitte Dezember, nicht als hoch bewertet. Seit Anfang 2014 hat der Börsenindex Sensex um insgesamt 50 Prozent zugelegt, doch für ein Schwellenland wie Indien, mit derart hohem Verbesserungs- und Wachstumspotential, ist auch das nicht überbordend viel. So liegt das geschätzte Ertragswachstum der Unternehmen für 2018 bei 25 Prozent. Das KGV liegt jedoch erst bei 20. Von den letzten Bewertungshöchststand im Jajr 2008 - das KGV betrug 25 - ist der Markt noch ein Stück entfernt. „Der indische Aktienmarkt weist zudem bei größeren Kursanstiegen weniger Kursschwankungen auf“, bemerkt Banyai.

Zu den renditestärksten Indien-Fonds in den vergangen fünf Jahren zählen:
- Goldman Sachs India Equity (ISIN: LU0381555043). Jährliche Rendite in 5 Jahren: 17,5 Prozent. Das Risiko, das für diesen Ertrag eingegangen wird, liegt laut Fondsrater Morningstar über dem Durchschnitt. Dafür gibt es auch mehr Rendite als bei anderen.
Morgan Stanley Indian Equity (ISIN: LU0266115632). Rendite p.a 16,5 Prozent. Das Risiko ist geringer als beim Goldman Sachs Fonds und liegt im Durchschnitt der anderen Fonds (die jedoch weniger Rendite erzielt haben).
BlackRock Global India : 14,9 Prozent p.a in fünf Jahren. Das Risiko liegt im Schnitt der in Österreich aufgelegten Indienfonds.
Jupiter India Select Das Risiko, das der Fonds eingeht, ist vergleichweise hoch. Die jährliche Rendite betrug in den vergangenen fünf Jahren aber dennoch stattliche 14,9 Prozent.

Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

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