Börse: Für die Mehrheit der Österreicher eine Black Box

Börse: Für die Mehrheit der Österreicher eine Black Box

Das Treiben an der Börse: Eine "Black Box" für die Mehrheit der Österreicher - die IV und das Aktienforum wollen den "Change" - die Schulen sollen ran.

Einer Umfrage der Industriellenvereinigung (IV) und dem Aktienforum (AF) zufolge, wollen nur wenige Österreicher ihr Geld in Wertpapieren veranlagen. Einfacher Grund: Nur vier Prozent der Befragten kennen sich mit Wertpapieren und Börse aus. Nur weitere zwei Prozent würden trotz Niedrigzinsphase in Aktien & Co. investieren. Der Staat und die Schulen sollen's wieder richten.

"Das Wertpapiergeschäft ist Neuland", so könnte man Willen, Kenntnisse und die Bereitschaft, sich vielleicht doch einmal mit der Vermögensveranlagung in Aktien, Fonds, Anleihen & Co zu befassen hierzulande auf den Punkt bringen. In der Alpenrepublik halten die Sparer nämlich nur wenig bis gar nichts von Wertpapieren. Sich sein hart erarbeitetes Geld abseits vom Sparbuch in alternativen Anlagemöglichkeiten zu investieren ist aus verschiedenen Gründen noch immer undenkbar.

Ein Land tritt auf der Stelle

Laut Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies haben 84 Prozent der befragten Personen, die selbst keine Wertpapiere haben, kein Interesse in Wertpapieren ihr Geld zu veranlagen, elf Prozent "wären prinzipiell interessiert", fünf Prozent der Befragten sind sind unentschlossen (Weiß nicht/keine Angabe). Im Vorjahr waren es zwar noch 93 Prozent der Befragten, denen Wertpapiere ein Gram sind und nur sieben Prozent zeigten Interesse. Die Meinungsforscher haben dazu im Zeitraum November/Dezember 2017 per Telefon und Online 808 Personen ab dem Alter von 16 Jahren befragt.

Das Ergebnis bringt eine wichtige Erkenntnis: Was im Jahresabstand als ein Lichtlein am Horizont interpretiert werden kann, ist in Wirklichkeit alles andere als ermutigend. Blickt man über die vergangenen gut 20 Jahre hinweg, hat sich nämlich so gut wie gar nix geändert, was die Akzeptanz von Kapitalmarkt und Wertpapiere in der Bevölkerung anbetrifft. Die hohen Ablehnungsquoten haben sich in den vergangenen zwei Dekaden nicht oder bestenfalls kaum geändert. Allerdings gibt es einen Unterschied: In früheren Jahren waren Sparbücher und Sparbriefe der Banken tatsächlich noch lukrativer dank höherer Zinsen im Vergleich zur derzeitigen Nullzinsphase.

Kein Nährwert im Kapital

Warum in der Alpenrepublik noch immer offenbar weit mehrheitlich außer Sparbuch und Sparbriefen nichts anderes zählt, obwohl diese beiden sicheren Anlagekategorien derzeit eigentlich unterm Strich ein Draufleggeschäft sind, hat triftige Gründe: Rund 80 Prozent der Befragten haben offenbar wenig bis gar keine Kenntnisse zur Veranlagung an den Börsen. Gerade einmal ganze vier Prozent der Befragten meinten sich "sehr gut" bei Geldgeschäften an der Börse auszukennen.

Dies zeigt sich auch an der Frage nach Gründen, was die Menschen etwa von einem Aktienkauf überzeugen könnte. Fast zwei Prozent der Befragten glaubt, dass die Rendite bei Aktien wesentlich höher als auf einem Sparbuch sein müssten, wo die Sparzinsen schon seit geraumer Zeit im Regelfall die Nulllinie tangieren. Die Gründe reichen dann freilich auch von zu hohen Steuern (KEST) bis hin zur offenbar negativen Medienberichterstattung oder fehlenden Freunden, die für einen ultimativen Tipp benötigt würden.

Die Vertreter von IV und Aktienforum diagnostizieren neben der Unkenntnis der Personen freilich auch Defizite, was die praxisnahe, effiziente und kostensparende Kapitalmarktregulierung betrifft. Auf den Punkt gebracht: Der Gesetzgeber ist Schuld, die Verwaltung muss besser werden, Regulator und Finanzmarktaufsicht müssen besser werden. Daher gehörten gesetzliche Grundlagen sowie die Verwaltungspraxis verbessert. Un ein bisschen mehr Ahnung sollten freilich die Privatanleger auch haben.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer hat mit der Ursachenforschung auch gleich seinen Wunschzettel an die neue Regierung geschrieben und Steuernachlässe urgiert. Die alte Regierung ist demnach freilich mitschuldig, weil unter ihrer Ägide und dem Ex-ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling die Kapitalertragsteuer von 25 auf 27,5 Prozent erhöht wurde. Diese Erhöhung habe "negative Folgen für den heimischen Kapitalstandort gehabt. IV und Aktienforum plädieren daher für eine Wiedereinführung einer Behaltefrist bei Aktien von über einem Jahr, wie sie schon vor 2011 bestanden hat. Einen Kapitalmarktbeauftragten sowie mehr Effizienz beim Regulator würden zudem eine sinnvolle Ergänzung sein, um einen funktionierenden Kapitalmarkt zu schaffen.

Für die Börsegänge fordern IV und Aktienforum zudem weitere Erleichterungen, was etwas die teils hohen Kosten für die Vorbereitung eines Börseganges anbetrifft.

Weniger Steuern, weniger Risiko

Gesetze und flankierende Maßnahmen, die den Kapitalmarkt selbst betreffen sind eine Sache - die Rechnung kann jedoch nicht ohne die Anleger gemacht werden. Und da gibt es wie bereits ausgeführt ein beträchtliches Wissensdefizit und offenbar auch Ängste, die das Risiko anbetreffen.

Kaum verwunderlich sind gleich drei Motivatoren, die Investments an der Börse stimulieren könnten und von gut zwei Dritteln der Befragten favorisiert werden: Erstens, die steuerlichen Begünstigungen für die Veranlagungen zur privaten Vorsorge.

Und zweitens kommen in derartigen Situationen - in etwas vergleichbar mit dem Thema Digitalisierung - die Bildungsinstitutionen auch wieder den "Schwarzen Peter" zugespielt, wird offenbar in Schulen zu wenig getan, um die Menschen, die selbstverantwortlich agieren sollten, auf die Mühen den kommenden Lebens vorzubereiten.

Wird bei der Digitalisierung kritisiert, dass nicht jeder programmieren lernt, stattdessen angeblich unnütze Sprachen gelehrt werden (wie Latein, Altgriechisch, Philosophie oder ähnliches), sieht man Defizite bei der Wirtschafts- und Finanzbildung an den heimischen Schulen. Aber auch das ist nichts Neues: Die Forderung nach der sogenannten "praxisorientierten" Ausbildung ist freilich genauso alt, wie die Zeit des wirtschaftlichen Aufstiegs und des Wirtschaftswunders. Kaum Wunder, dass nun die Forderung zur Wirtschafts- und Finanzbildung in die Schullehrpläne Eingang finden sollen.

Und drittens, und das ist freilich typisch für ein Land von Sparern und Freunden des Fixzinses und der kompletten Absicherung: Der Staat soll eine Garantie für Aktien geben - wie bei der Einlagesicherung bei Sparbüchern.

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