Binäre Optionen, FX-Trading: Warnung vor hochriskanten Finanzprodukten

Binäre Optionen, FX-Trading: Warnung vor hochriskanten Finanzprodukten

Ja oder nein, Gewinn oder Totalverlust - auf diese Möglichkeiten können Binäre Optionen reduziert werden. Es handelt sich wie auch bei Differenzkontrakten und Forex-Angeboten um hochspekulative und hochriskante Finanzprodukte, um die Anleger einen Bogen machen sollten. Die FMA rät Verbrauchern zu besonderer Vorsicht.

Vermeintliche Anlage-Experten haben einen neuen Weg gefunden, um hochriskante Produkte an leichtgläubige Anleger heranzutragen. Dabei handelt es sich um "Binäre Optionen“ und Differenzkontrakte (CFD), die unter anderem auch über Inserate auf Social Media Plattformen beworben und häufig ohne jegliche Beratung vertrieben werden. Obwohl bei diesen Produkten jederzeit ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist, wird in den Werbebotschaften suggeriert, dass damit nur geringe oder keine Risiken verbunden wären.

Tatsächlich handelt es sich bei binären oder digitalen Optionen Produkten um Termingeschäfte, bei denen der Anleger darauf wettet, dass der Kurs eines Basiswerts, wie zum Beispiel einer Aktie oder einer Währung, bis zu einem festgelegten Zeitpunkt über oder unter einem definierten Schwellenwert wie zum Beispiel dem Kurs zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses liegt.

Tritt der vom Anleger prognostizierte Fall ein, so gewinnt er und erhält einen vorher festgelegten Betrag, der in der Regel immer weniger als das Doppelte des eingesetzten Kapitals ausmacht. Tritt der vom Anleger prognostizierte Fall nicht ein, so verfällt die Option als wertlos und der Anleger verliert sein gesamtes eingesetztes Kapital. Es tritt also ein Totalverlust ein. Der maximal erzielbare Gewinn liegt also immer unter dem des möglichen Verlusts.

Rein mathematisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Totalverlust der Logik der Angebote zufolge wie bei einem Münzwurf bei 50 Prozent. Wenn man die Märkte, die den angebotenen Produkten zugrunde liegen, näher betrachtet, kann das Risiko eines Totalverlusts sogar noch erheblich höher sein.

Differenzkontrakte und Forex-Angebote

Noch größer ist das Anleger-Risiko bei Differenzkontrakten. Bei einem Differenzkontrakt (CFD) spekuliert der Anleger auf die Kursentwicklung von Basiswerten, wie einer Aktie, eines Rohstoffs, einer Währung oder auch eines Index. Allerdings wird dabei nicht der Basiswert selbst erworben; es wird lediglich auf die Entwicklung des Wertes gesetzt. Dafür muss der Käufer nur einen geringen Teil des Basiswertes als Sicherheitsleistung beim Anbieter hinterlegen.

Entwickelt sich der Kurs positiv, erhält der Anleger den Differenzbetrag. Bei einer negativen Entwicklung muss der Anleger dagegen die Differenz ausgleichen. Durch den niedrigen Einsatz werden durch die Hebelwirkung bei positiven Verlauf große Gewinne erzielt, bei einem negativen Verlauf aber große Verluste erzielt. Bei diesen Geschäften können Anleger sogar in Nachzahlungspflichten kommen, die ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals betragen können.

Der Einsatz von Differenzkontrakten sollte daher nicht zu spekulativen Zwecken erfolgen, sondern ist nur für professionelle und sehr erfahrene Anleger etwa zur Risikoabsicherung von Wertpapierportfolios geeignet.

Auch hinter den meisten Foreign-Exchange-Market-Angeboten (Forex, FX Trading, Rolling Spot Forex Contracts) stehen Differenzkontrakte. Anbieter unterschiedliche Finanzprodukte entwickelt, mit denen auch Privatanleger mit wenig Kapital am internationalen Handel von Devisen mitmischen können. In der Regel sind die Angebote aber so gestaltet, dass Privatanleger nicht tatsächlich die Fremdwährung erwerben, sondern gegen Hinterlegung einer Sicherheitsleistung („Margin“) bloß auf die Kursentwicklung spekulieren können.

Extremes Risiko, verbotene Anrufe

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) rät daher Verbrauchern zu besonderer Vorsicht beim Erwerb solcher Finanzprodukte. "Wir raten Privatanlegern davon ab, ohne Risikoaufklärung und angemessene Beratung in derartige Instrumente zu investieren. Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht“, erklärt der FMA- Vorstand und hält ausdrücklich fest, dass derartige Produkte höchst spekulativ und komplex sind und sich daher nicht für eine nachhaltige Geldanlage eignen.Schon gar nicht als Einzelinvestment von Privatanlegern

Hohe Renditen sind typischerweise auch mit einem höheren Risiko verbunden. Wenn „Geheimtipps“ oder „Wundermittel“, die risikolos hohe Renditen versprechen, angeboten werden. ist höchste Vorsicht geboten. Häufig werden Verbraucher auch unaufgefordert kontaktiert, oft auch telefonisch, um ihnen eine Finanzanlage anzubieten. Dieses so genannte „Cold Calling“ ist in Österreich gesetzlich verboten, daher ist es sinnvoll solche Gespräche unverzüglich zu beenden.

"Diese riskanten Produkte sind in der Regel nicht standardisiert, sodass sich ihre Produkteigenschaften von Anbieter zu Anbieter unterscheiden und ein echter Vergleich unmöglich ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Anleger der Risiken solcher Produkte häufig nicht bewusst sind und auch schon erhebliche Verluste erlitten haben", erklärt FMA-Chef Helmut Ettl.

Die Erbringung einer Wertpapierdienstleistung in Verbindung mit den erwähnten Finanzprodukten ist in Österreich außerdem konzessionspflichtig. Entsprechende konzessionierte Dienstleister sind Kreditinstitute und Wertpapierfirmen. Mit den online beworbenen Angeboten umgehen die Dienstleister die Konzessionspflicht in Österreich und damit auch der FMA-Aufsicht. Die Wertpapierdienstleistungen können nämlich auch im Rahmen der Dienst- und Niederlassungsfreiheit von Wertpapierdienstleistern aus anderen EWR-Mitgliedstaaten angeboten werden.

Die Anbieter unterstehen der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörde ihres Herkunftsmitgliedsstaates. Allerdings sind die Unternehmen zur Einhaltung der Wohlverhaltensregeln der MiFID (Richtlinie für Märkte in Finanzinstrumente) verpflichtet.

Warnung vor Betrug

Die heimische FMA ist nicht die einzige Finanzmarktaufsicht, die eine derartige Warnung ausspricht. Die europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hat bereits im Juli 2016 eine Warnung vor CFDs, binären Optionen und anderen spekulativen Produkten ausgegeben. Auf ESMA-Ebene wird außerdem intensiv an der Weiterentwicklung von Anlegerschutz-Bestimmungen zu diesen Finanzprodukten gearbeitet.

Mittlerweile warnen selbst Regulierungsbehörden von Ländern wie Zypern vor unregulierten Anbietern. Zumal auch schwer überprüfbar ist, ob hinter einem Online-Angebot tatsächlich ein von einer staatlichen Behörde zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen steht. Für Kunden nicht kontrollierter Unternehmen ist das Risiko, ein Opfer krimineller Handlungen, insbesondere von Betrug und Untreue, zu werden, besonders hoch. Rechts- oder Schadenersatzansprüche sind in einem Solchen Fall in der Regel nur sehr schwer bis unmöglich durchzusetzen.

Anleger sollten sich, so die FMA, bei Wertpapiergeschäften in keinem Fall von Chancen verlocken lassen, sondern stets die Risiken dieser Geschäfte abwägen und sich außerdem über die Berechtigung des Anbieters informieren. "Keine Geschäfte tätigen, für die keine verständlichen und transparenten Informationen zur Verfügung stehen", warnt Ettl.

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