Bilanzsaison: Boom and Bust

Bilanzsaison: Boom and Bust

An der Börse geht es derzeit zur Sache. Die Anleger teilen ordentlich aus und werfen Aktien nach der Bilanzpräsentation entweder rigoros aus dem Depot oder kaufen ordentlich zu.

Die angelaufene Bilanzsaison bietet wieder Drama pur. Die einen Firmen steigen nach der Präsentation der Zahlen an der Börse in luftige Höhen, die anderen stürzen kerzengerade ab. Anleger in Einzeltitel taumeln derzeit zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Denn die Kluft zwischen Top-Firmen und Absteiger ist zum Start der Bilanzsaison groß. Eine US-Firma sorgt für den ganz großen Knaller.

US-Firmen sitzen fest im Sattel

Es scheint alles beim alten zu sein. Für Europa werden zwar erstmals seit sehr langer Zeit wieder höhere Wachstumsraten als in den USA erwartet. Doch an der Börse stiehlt nach wie vor die USA Europa die Show. Schuld daran ist aktuell die Bilanzsaison. Da wie dort prasselt zwar jeden Tag ein Zahlregen auf die Anleger nieder. Allein in dieser Woche stehen die Geschäftszahlen von etwa 190 der 500 größten US-Firmen an. Nur die USA haben die Nase vorn. Bisher hat kaum ein US-Unternehmen enttäuscht. Von Reuters befragte Experten rechnen mit einem Gewinnanstieg im Schnitt von 8,8 Prozent. In Europa dagegen waren schon in den ersten paar Tagen der Bilanzsaison ein paar deftige Enttäuschungen dabei.

Europas Börsen belasten gleich zweierlei: Der andauernde Höhenflug des Euro und enttäuschende Bilanzen einzelner großer Konzerne. Die anhaltende Euro-Stärke, die Waren hiesiger Unternehmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig macht, bremsen Firmen wie Börsenkurse in Europa. Für den letzten Euro-Höhenflug sorgte US-Notenbank-Chefin Janet Yellen, indem sie den Leitzins nicht weiter erhöht hat.

Deutsche Börse, Deutsche Bank, Bayer enttäuschen an der Börse

in Deutschland haben schon zu beginn der Bilanzsaison mehrere Unternehmen enttäuscht. Besonders heftig abgestraft wurde unter anderem die Deutschen Börse AG für ihre Bilanz. Die Aktie war nach der Präsentation am Frankfurter Parkett mit einem Abschlag von 4,6 Prozent konfrontiert. Dem Handelsplatzbetreiber setzt der maue Handel im laufenden Jahr zu, auch der Ausblick ist dämpft. Die Aktien der Deutschen Bank fielen nach der Vorlage von Quartalszahlen ebenfalls zeitweise um mehr als vier Prozent. Die Anleger waren enttäuscht vom schwachen Geschäft mit Firmenkunden und dem Investmentbanking. Auch das Geschäft bei der Emission von Anleihen schwächelt. Trotzdem ist es der Bank gelungen im wichtigen Kapitalmarktgeschäft wieder mehr Geld zu verdienen. Das Ergebnis vor Steuern hat sich insgesamt sogar verdoppelt.

Bayers Absatz im Riesen-Agrarmarkt Brasilien schwächelt - 66-Milliarden-Dollar-Übernahme von Monsanto soll trotzdem über die Bühne gehen

Auch Bayer-Papiere verloren mehr als vier Prozent. Probleme beim Absatz von Pflanzenschutzmittel, etwa in Brasilien (der zweitgrößte Agrarmarkt der Welt), hatten dem Chemie- und Pharmakonzern im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Rund läuft es dagegen im Pharmabereich des Unternehmens.

Daimler: Nötige Knaller ist ausgeblieben

Dass Daimler das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 15 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro steigerte half dem Aktienkurs nichts. Die Aktien des deutschen Autobauers gaben wegen möglicher Abgastest-Manipulationen und angeblicher Kartell-Absprachen nach der Veröffentlichung der Bilanzzahlen leicht nach. "Um von dem Dilemma der gesamten Branche abzulenken, hätte es bei den Zahlen einen richtigen Knaller geben müssen", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Das war nicht der Fall."

Airbus: Riesenjet A380 bisher ein Flop

Wegen schlechter Ergebnisse musste auch die im MDax notierende Airbus mit minus 3,5 Prozent ordentlich Federn lassen. Fehlende Bestellungen für den Riesenjet A380 und Rückgänge bei Umsatz und Gewinn gaben den Ausschlag. Jetzt wird die Produktion noch weiter heruntergefahren. Im TecDax kamen die Papiere von Dialog Semiconductor nach Quartalszahlen mit mehr als drei Prozent minus unter Druck.

Chemiehersteller profitiert von anziehender Konjunktur

Auf der anderen Seite konnten sich Anleger auch über erstklassige Bilanzen freuen. BASF, der größte Chemiekonzern der Welt, hat im abgelaufenen Quartal seinen Betriebsgewinn um fast ein Drittel gesteigert. Der Grund sind gute Geschäfte mit Chemikalien und in der Öl- und Gassparte. Vorstandschef Kurt Bock peilt nun deutliche Verbesserungen der Margen auch im Gesamtjahr an. Denn aufgrund der anziehenden Wirtschaft gelingt es dem Konzern auch höhere Preise durchzusetzen. Der schwäche Dollar und der niedriger als erwartete Ölpreis würden sich jedoch im zweiten Halbjahr bemerkbar machen, mutmaßt das Management.

Peugeot, STMicroelectronics und die Allianz begeistern Anleger

Die künftige Opel-Mutter Peugeot arbeitet so wirtschaftlich wie noch nie. Das Unternehmen erreichte im ersten Halbjahr erstmals eine Rendite von 7,3 Prozent. Der Betriebsgewinn stieg um 11,5 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro. Das honorierten die Anleger am Tag der Bilanzpräsentation mit einem Kursplus von fünf Prozent. STMicroelectronics überraschte ebenfalls positiv. Europas zweitgrößter Chip-Hersteller steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal um 5,6 Prozent auf 1,92 Milliarden Dollar und sieht sich auf gutem Weg zum Gesamtjahresziel von Erlösen in Höhe von acht Milliarden Dollar. Unterstützung bekam der Dax auch von Schwergewichten wie Allianz. Die Aktien des Versicherers gewannen nach der Bilanzvorlage fast zwei Prozent.

Facebook: Online-Werbung geht durch die Decke: Umsatz steigt um 45 Prozent, Nettogewinn um 71 Prozent

In den USA jubeln die Anleger, gibt es doch praktisch kaum große Spaßverderber an der Börse. Starke Geschäftszahlen und die Zinspause der US-Notenbank Fed machen es US-Anleger auch leicht. Der Knaller unter den Bilanzpräsentationen war wohl Facebook. Der Umsatz stieg um 45 Prozent. gegenüber dem Vorjahr auf 9,3 Milliarden Dollar - und damit gut doppelt so schnell wie beim größeren Rivalen Google. Der Nettogewinn erreichte 3,89 Milliarden Dollar, ein Plus von 71 Prozent. Praktisch der gesamte Umsatz wird mit Werbung verdient, die wiederum überwiegend im mobilen Internet platziert wird, auf Smartphones oder Tablets. Wer bisher geglaubt hat mit Online-Werbung kein Geld verdienen zu können, könnte seine Meinung vielleicht überdenken.

Unerwartet stark auch die Zahlen von Firmen wie General Motors, Caterpillar oder McDonald's.

Boeing, AT&T und Chipriese AMD zünden Kursrakete

Airbus-Konkurrent Boeing hob zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose an. Die Kurse legten daraufhin um zehn Prozent zu. Die Chipfirma AMD-Papiere rutschte im abgelaufenen Quartal zwar in die roten Zahlen, für das laufende Quartal stellte die Chipfirma aber einen überraschend hohen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Aktien des Intel-Rivale stiegen daraufhin um 4,6 Prozent.
AT&T verdiente im zweiten Quartal mit 3,9 Milliarden Dollar mehr als gedacht. Die Kurse des zweitgrößten US-Mobilfunker AT&T-Titel verteuerten sich nach dieser Meldung um fünf Prozent. "Die Berichtssaison scheint generell recht stark zu sein und es gab noch keine negativen Überraschungen", sagte Paul Springmeyer, Analyst bei U.S. Bank Private Wealth Management.

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Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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