Bilanzen vom 25.7.: Terror und Brexit setzen Ryanair zu

Bilanzen vom 25.7.: Terror und Brexit setzen Ryanair zu

Der bevorstehende Brexit und die Angst vor Anschlägen könnten die irische Billig-Airline im laufenden Jahr zu einer Senkung der Gewinnprognose zwingen. Besser läuft es bei Philips, wo durch Kosteneinsparungen der Gewinn stärker stieg als von Analysten erwartet. Weitere Bilanzen kommen heute von Huawei, Sartorius und der Bank Julius Bär.

Brexit und Terrorangst: Ryanair sieht Gewinnziel in Gefahr

Die Terrorangst und der Brexit bedrohen die Gewinnpläne des irischen Billigfliegers Ryanair. Der bevorstehende Ausstieg der Briten aus der EU könnte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr zu einer Senkung seiner Gewinnprognose zwingen, kündigte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Montag in Dublin an.

Bisher peilt Ryanair für das Geschäftsjahr bis Ende März 2017 einen Überschuss von 1,375 bis 1,425 Mrd. Euro an.

Zuletzt hielten die Terroranschläge in Europa, das schwache britische Pfund und die Streiks der Fluglotsen laut Ryanair viele Menschen vom Buchen ab. In der Hauptreisezeit von Juli bis September dürften die Ticketpreise im Schnitt mindestens 6 Prozent niedriger ausfallen als ein Jahr zuvor, schätzt das Management.

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni musste Ryanair die Flugtickets im Schnitt bereits 10 Prozent billiger abgeben als im Vorjahreszeitraum. Dank eines ausgeweiteten Flugangebots wuchs der Umsatz dennoch um zwei Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Der billigere Treibstoff und weitere Einsparungen ließen den Gewinn um vier Prozent auf 256 Mio. Euro steigen.

Kosteneinsparungen helfen Philips auf die Sprünge

Gut laufende Geschäfte in der Medizintechnik haben den niederländischen Elektrokonzern Philips im zweiten Quartal weiter nach vorn gebracht. Mit Kosteneinsparungen stemmte sich der Siemens-Rivale gegen den sich verschärfenden Wettbewerb vor allem aus China. Der Gewinn fiel zwischen April und Ende Juni daher höher aus als von Analysten erwartet.

In der zweiten Jahreshälfte werde sich das Gewinnwachstum weiter beschleunigen, kündigte Konzernchef Frans van Houten am Montag an. Gleichzeitig dürfte aber auch die Unsicherheit in vielen Märkten weiter zunehmen, warnte er.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (Ebita) legte im Quartal um knapp 9 Prozent auf 544 Mio. Euro zu. Dies war mehr, als Analysten erwartet hatten. Der Nettogewinn stieg um mehr als die Hälfte auf 431 Mio. Euro. Darin enthalten ist allerdings auch eine Schadenersatzzahlung des japanischen Funai-Konzerns, die im Zusammenhang mit dem geplatzten Verkauf des Unterhaltungselektronikgeschäfts vor rund drei Jahren steht.

Der Konzernumsatz ging um zwei Prozent auf 5,86 Mrd. Euro zurück. Philips hatte im Mai seine Lichtsparte teilweise an die Börse gebracht. Der vergleichbare Umsatz stieg um drei Prozent. Am besten lief es für Philips in Westeuropa.

Die Niederländer sind derzeit dabei, ihr Geschäft rund um die Bereiche Gesundheit und Medizintechnik auszurichten und sich vom Lichtgeschäft zu trennen. Nach dem Teilbörsengang von Philips Lighting hält Philips noch gut 70 Prozent, will aber die Anteile in den kommenden Jahren nach und nach abstoßen. Die Tochter verbuchte im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang.

Auch die Trennung von Lumileds treibt Philips weiter voran. Zwar hatten die Regulierungsbehörden in den USA den geplanten Verkauf des Geschäfts mit LED- und Autolichtbauteilen an ein Konsortium rund um den chinesischen Investor Go Scale Capital gestoppt. Er gehe aber davon aus, dass Lumileds in der zweiten Jahreshälfte verkauft werden könne, sagte van Houten.

Huawei im ersten Halbjahr mit 40 Prozent mehr Umsatz

Der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2016 deutlich steigern können. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte der Umsatz um 40 Prozent auf 245,5 Mrd. Yuan (33,41 Mrd. Euro)zu, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. "Wir sind zuversichtlich, dass Huawei den derzeitigen Schwung beibehalten wird", erklärte Finanzchefin Sabrina Meng.

Huawei nannte keine Details zu den Zahlen. Der Konzern ist nicht an der Börse und daher auch nicht zur Veröffentlichung von Einzelheiten verpflichtet.

Das Unternehmen gehört zu den weltgrößten Anbietern von Netzwerktechnologie, stellt aber auch verschiedene Produkte für Verbraucher her. Im vergangenen Jahr lag Huawei auf Platz drei der größten Smartphoneanbieter hinter Samsung und Apple, wie das Beratungsunternehmen IDC berechnete. Demnach hatte der Konzern einen Marktanteil von gut acht Prozent.

Das Geschäft mit Smartphones und anderen Geräten für Privatkunden ist zentral für den Erfolg von Huawei. Im vergangenen Jahr legten die Umsätze mit solchen Produkten um 73 Prozent auf 129,1 Mrd. Yuan zu. Am Montag erklärte der Konzern, der Bereich sei im ersten Halbjahr weiter gewachsen. Zahlen zum Smartphonegeschäft will das Unternehmen im Laufe dieser Woche veröffentlichen.

Laborausrüster Sartorius nach Gewinnsprung optimistischer

Der Laborausrüster Sartorius hat nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr seine Prognose angehoben. "Wir haben uns in beiden Sparten und allen Regionen sehr gut entwickelt", sagte Konzernchef Joachim Kreuzburg am Montag.

Vor allem der starke Auftragseingang im Geschäft mit Einwegprodukten für die Herstellung von Biopharmazeutika (Bioprocess Solutions) sowie die jüngsten Zukäufe stimmten ihn für das Gesamtjahr optimistischer.

2016 peilt Kreuzburg nun ein Umsatzplus von etwa 15 bis 18 Prozent an statt zehn bis 14 Prozent. Die operative Ertragsmarge soll auf 25 von 23,6 Prozent zulegen. Bisher hatte Kreuzburg ein Plus von einem Prozentpunkt erwartet. Die im Technologieindex Tecdax notierte Vorzugsaktie sprang daraufhin um 3,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 71,76 Euro.

In den ersten sechs Monaten stieg der Umsatz wechselkursbereinigt um 18,7 Prozent auf 625,4 Mio. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (underlying Ebitda) schnellte um über ein Viertel auf 153,4 Mio. Euro in die Höhe, das maßgebliche Nettoergebnis um 30,4 Prozent auf 47,8 Mio. Euro.

Neben dem Geschäft mit Einwegprodukten für die Herstellung von Biopharmazeutika verkauft Sartorius auch Laborinstrumente für Forschungs- und Qualitätssicherungslabore (Lab Products & Services). Zuletzt erwarb Sartorius drei Start-up-Unternehmen, die insbesondere in der Laborsparte die Angebotspalette für Kunden aus der biopharmazeutischen Industrie und der Forschung erweitern. "Alle drei Akquisitionen bringen hohes Wachstumspotenzial mit", sagte Kreuzburg.

Bank Julius Bär steigerte Gewinn im ersten Halbjahr deutlich

Die Privatbank Julius Bär hat im ersten Halbjahr den Gewinn gegenüber dem Vorjahr vervielfacht. Der Gewinnsprung ist jedoch vor allem das Resultat hoher Sonderkosten im ersten Semester 2015. Der Konzerngewinn fiel mit 362,1 Mio. Franken (333,43 Mio. Euro) mehr als achtmal höher aus als im Vorjahr. Die verwalteten Vermögen nahmen um 3,9 Prozent auf 311,4 Mrd. Franken (286,74 Mrd. Euro) zu.

Diese markante Verbesserung ist jedoch nicht primär das Resultat einer sprunghaften Verbesserung des Geschäftsverlaufs. Die Bank hat auch deutlich von Sondereffekten profitiert. So fiel im Vorhalbjahr eine Rückstellung von 326 Mio. Franken für die Beilegung des US-Steuerstreits an. Zudem haben sich die Ausgaben für Amortisationen und Abschreibungen halbiert (von 93,8 Mio. Franken auf 47,2 Mio. Franken).

Ohne diese Sondereffekte fällt das Ergebnis solide aus. Der bereinigte Gewinn stieg um 4,7 Prozent auf 402 Mio. Franken (370,17 Mio. Euro). Bei den Erträgen entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich. So konnte Julius Bär im Zins- und Dividendengeschäft die Einkünfte deutlich steigern. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie im Handelsgeschäft jedoch waren die Erträge rückläufig, was die Bank vor allem mit der geringen Risikobereitschaft der Kunden erklärt.

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