Bilanzbetrug: Millionen-Prämien für Whistleblower

Mit dem Dodd-Frank-Gesetz hat die US-Börsenaufsicht SEC Anreize für Whistleblower geschaffen, Vergehen und Bilanzbetrug aufzudecken. Über hundert Millionen Dollar hat die SEC bereits an Informanten ausgeschüttet. In Österreich hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Whistleblowing-Plattform eingerichtet.

Bilanzbetrug: Millionen-Prämien für Whistleblower

Bilanz- oder Börsenbetrug sind oft schwer aufzudecken und nachzuweisen. Als Folge der Finanzkrise von 2007 wurde daher zunächst in den USA der Dodd-Frank-Act (Dodd–Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act ) erlassen, ein Gesetz zur Förderung der Transparenz und der Stabilität des US-Finanzmarkts, das Banken auch einschränkt, riskante Wetten einzugehen.

Ein Punkt im Dodd-Frank-Act - der Abschnitt 922 - ist Whistleblowern gewidmet. Demnach werden Informanten, die der US-Börsenaufsicht SEC zielgerichtete, originäre Informationen zukommen lassen, die zu einer erfolgreichen Untersuchung und Sanktionen von mehr als einer Million Dollar gegen ein Unternehmen führen, zu zehn bis 30 Prozent an den von der SEC verhängten Bußgeldern beteiligt.

Die Aussicht auf ein Kopfgeld in Millionenhöhe hat in den USA mittlerweile Analysten und Börsendetektive auf den Plan gerufen, die Ungereimtheiten bei Unternehmen gezielt unter die Lupe nehmen. Mit Erfolg: Bis Ende September vergangenen Jahres hatten Whistleblower durch das Programm bereits Belohnungen von insgesamt 111 Millionen Dollar erhalten.


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Whistleblower können nicht nur Insider sein, also Mitarbeiter von Banken und Firmen oder Marktakteure. Auch externe Tippgeber erhalten Belohnungen für entscheidende Hinweise. "Manchmal haben Auswärtige eine besondere Expertise. Sie sind unabhängig und können Dinge zu einem Gesamtbild fügen, wie es für Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, nicht ersichtlich ist", erläutert SEC-Expertin Jane Norberg.

In Österreich gibt es keine Regelung, dass Whistleblower an von der Finanzmarktaufsicht FMA verhängten Strafen beteiligt werden, Informanten sind jedoch rechtlich geschützt. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat eine Website eingerichtet, über die unter der Zusicherung voller Anonymität Hinweise zur Aufklärung von Korruptionsfällen und Wirtschaftskriminalität gegeben werden können.

Suche nach Unregelmäßigkeiten

Ein Beispiel, wie Aufdecker in den USA mit ihren Untersuchungen Millionen verdienen können ist der Fall des texanischen Medizingeräteherstellers Orthofix. Das Unternehmen hatte rund um das Jahr 2010 aufgrund seiner ehrgeizigen Ergebnisziele gute Bewertungen erhalten. Doch ein Analyst, der seine Identität geheim halten will, traute dem nicht. Er nahm die Bilanzen des Unternehmens unter die Lupe und entdeckte dabei Unstimmigkeiten, die das Management nicht überzeugend erklären konnte. Unter anderem fand er heraus, dass es auffällig lange dauerte, bis das Unternehmen von Großhandelskunden bezahlt wurde und dass sich offene Rechnungen türmten.

"Ich halte immer Ausschau nach etwas Ungewöhnlichem", erzählt er. "Und bei dem Unternehmen zeigte sich etwas, das sich als ungewöhnlich schlecht erweisen könnte." Er verbrachte Monate damit, Quartalsberichte und Telefonkonferenzen zu durchforsten. Er jagte massenweise Orthofix-Zahlen durch Computerprogramme, um sie mit denen von Konkurrenten zu vergleichen. Schließlich zog er einen befreundeten Kollegen hinzu. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass die Firma ihre Zahlen mit Hilfe des sogenannten Channel Stuffing aufpoliert. Das bedeutet: Ein Unternehmen vertreibt mehr Produkte an Lieferanten, als diese verkaufen können. Damit werden Umsätze gewissermaßen verfrüht gebucht und Ausfälle in die Zukunft verschoben. Eine solche Praxis verstößt gegen das Gesetz, wenn die Investoren nicht darüber informiert wurden.

Aktienkurs des Medizingeräteherstellers Orthofix. Der Knick ab Jahresende 2012 ist auch auf das Auffliegen des Bilanzbetrugs zurückzuführen.

Aktienkurs des Medizingeräteherstellers Orthofix. Der Knick ab Jahresende 2012 ist auch auf das Auffliegen des Bilanzbetrugs zurückzuführen.

In ihrer Einschätzung bestärkt wurden die Analysten im, als Orthofix Quartalsziele verfehlte und einen Geschäftseinbruch bekanntgab. Sie schalteten eine Anwaltsfirma ein, die sich an die US-Börsenaufsicht SEC wandte. Die Anwälte machten einen früheren Orthofix-Mitarbeiter ausfindig, der den Verdacht bestätigte. Die SEC nahm die Firma aufs Korn und verhängte über Orthofix eine Strafe von 8,25 Millionen Dollar. Einem weiteren erzielten Vergleich zufolge müssen frühere Orthofix-Manager wegen Betrugsvorwürfen zusammen 120.000 Dollar zahlen.

Den Analysten, die den Fall aufgedeckt haben, winken nun rund 2,5 Millionen Dollar Belohnung - ein Drittel der von der SEC verhängten Millionenstrafe. Das Geld haben sie vorerst noch nicht bekommen, denn die Mühlen der SEC mahlen langsam. Im Mai wird ihre Anwaltsfirma die Belohnung beantragen. Erst wenn die zugesprochen wird, wollen sie darauf anstoßen. "Dann können wir uns treffen und Champagner trinken", sagt einer von ihnen.

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