Bidens Klimapläne - Wendepunkt in den USA

Die ehrgeizigen Pläne des neuen US-Präsidenten zum Klimaschutz könnten ein Wettrennen zwischen China, den USA und Europa um erneuerbare Energie entfachen. Wie Anleger davon profitieren können.

Bidens Klimapläne - Wendepunkt in den USA

Billionen von Euro werden weltweit in nächsten Jahren locker gemacht, um die erneuerbare Energie voranzutreiben.

Mit einem Federstrich hat der neue US-Präsident Joe Biden die USA wieder auf Klima-Kurs gebracht. Bereits am Tag der Amtseinführung leitete Biden die Rückkehr Amerikas in das internationale Klima-Abkommen von Paris ein und gab der Umweltagenda damit höchste Priorität: Biden will die USA zu einer führenden Nation beim Kampf gegen die Erderwärmung machen. Die Demokraten wollen für grüne Investitionen zwei Billionen Dollar bereitstellen. Ziel der neuen Regierung ist, die USA bis 2050 klimaneutral zu machen.

Eine radikale Kehrtwende gegenüber seinem Amtsvorgänger Donald Trump, der in seiner Amtszeit fast 100 Umweltgesetze aufgehoben hatte und gleichzeitig Regulierungen für die Industrie gelockert, den Einsatz fossiler Brennstoffen gefördert und Mittel für die Klimaforschung gekürzt hatte.

Auch im Rest der Welt ist der Kampf gegen die Klimaerwärmung in den vergangenen Monaten wieder stärker in den Vordergrund gerückt. China, Japan und Korea haben etwa ehrgeizige CO2-Ziele ausgegeben und EU-Chefin Ursula von der Leyen den "Green Deal" postuliert. Der Investitionsplan für den europäischen Grünen Deal sieht vor, in den kommenden zehn Jahren öffentliche und private Investitionen in Höhe von mindestens einer Billion Euro zu mobilisieren. Um in der EU eine Reduktion der Emissionen von 40 Prozent bis 2030 zu erreichen, sind nach Schätzungen der Europäischen Kommission 260 Milliarden Euro an zusätzlichen jährlichen Investitionen notwendig.

Nach Berechnungen der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien müssen sich die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien bis 2050 auf 800 Milliarden Dollar verdreifachen, um die wichtigsten Dekarbonisierungs- und Klimaziele zu erreichen.

„Angetrieben vom Know-how und der Finanzkraft der USA dürfte der Sektor in eine dynamische neue Ära einzutreten“, glaubt Stephen Freedman, Leiter für Nachhaltigkeit bei Pictet Asset Management. Es dürften öffentliche und private Investitionen in Milliardenhöhe in grüne Infrastruktur und Umwelttechnologie fließen. „Saubere Energie könnte die wichtigste Säule der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts werden“, betont er.

Bidens Umweltprogramm

Joe Bidens neues Ökoprogramm ist weit gefasst. So soll die Stromerzeugung der USA durch den Übergang zu erneuerbarer Energie bis 2035 dekarbonisiert werden. Weltweit ist Kohle derzeit noch mit einem 40 Prozent-Anteil nach wie vor das Rückgrat der globalen Stromerzeugung, wenn der Anteil in den USA auch deutlich geringer ist. Die IEA (International Energy Agency) sagt jedoch bis 2040 einen Anstieg des globalen Strombedarfs von 60 Prozent voraus. Um bei der Stromerzeugung auf fossile Brennstoffe weitgehend verzichten zu können, müssten unter anderem in den USA doppelt so viele Solarmodule als bisher eingesetzt werden. In fünf Jahren sollten 500 Millionen Einheiten installiert sein. Der Plan Bidens enthält auch Maßnahmen zum Ausstieg von Autos mit Verbrennungsmotor zugunsten von Elektrofahrzeugen.

Ein weiterer Punkt ist die thermische Sanierung von Häusern, auf die nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur mehr als ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen entfallen. Förderungen sollen Anreize für die Sanierung von sechs Millionen Gebäuden schaffen und diese energieeffizienter machen. Das Staatsoberhaupt will auch neue Gesetze erlassen, wonach öffentliche Unternehmen finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel und Treibhausgasemissionen offenlegen müssen.

Ein großer Hebel für eine Reduzierung der globalen CO2-Emissionen ist die Elektromobilität. China will etwa die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2035 auslaufen lassen. Das Land, der größte Anbieter von Elektrofahrzeugen, wird zudem in den Aufbau einer eigenen Lieferkette investieren, um die Abhängigkeit beim E-Autobau zu reduzieren.

Die USA wiederum hat unter Biden nun Ambitionen, China auf dem Elektroautomarkt zu überholen. Die eigenständige Versorgung mit wichtigen Autokomponenten wie Batterien soll ebenfalls gesichert werden, dazu sollen der Etat auf 400 Milliarden Dollar erhöht werden.

Biden, der grüne Wendepunkt

„Mit Bidens Amtseinführung und den damit verbundenen neuen Impulsen für den globalen Klimaschutz scheint sich die Welt an einem Wendepunkt zu befinden“, sagt Freedman von Pictet. Nicht zuletzt, weil sein Klimaagenda zu einem günstigen Zeit kommt, in der die Dynamik in diese Richtung etwas voranzutreiben, an Stärke gewinnt. So erzielen viele Technologien für erneuerbare Energien heute, noch vor wenigen Jahren undenkbare, große Skaleneffekte. Mittlerweile sind diese Anwendungen gegenüber fossilen Brennstoffen sogar günstiger (Vergleiche New Energy Outlook 2020 von Bloomberg ). Wind und Sonne sind die billigsten erneuerbaren Stromquellen in Ländern, auf die rund 73 Prozent des weltweiten BIP entfallen, so die Bloomberg-Studie.

Ähnliche Skaleneffekt werden bei der Produktion von E-Autos erwartet.

„Wenn die USA bei der Klimapolitik anderen Volkswirtschaften nachzieht, wird das der globalen Industrie, also solchen Zweigen, die darauf spezialisiert sind, einen massiven Schub verleihen“, glaubt Freedman. Es werde als Katalysator für neue Investitionen in diesem Sektor dienen und einen neuen Wettlauf um Ökotechnologien in Gang setzen.


Top-Ökofonds für Anleger

Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren möchten, können in spezielle Ökofonds investieren. Nachfolgend eine Auswahl von Angeboten

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  • BNPP Energy Transition (ISIN: LU0823415442). Der Fonds legte in fünf Jahren insgesamt um 266 Prozent zu. Investiert wird derzeit vor allem in den USA, China und Großbritannien. Aktien wie Sunnova, GM oder Astom und General Holding sind aktuell am stärksten gewichtet.
  • Pictet Clean Energy (ISIN: LU0280435388) . Kauft Aktien von Unternehmen, die einen Beitrag zur Verminderung des CO2 Ausstoß
    es leisten, indem sie beispielsweise bei ihren Fertigungsprozessen saubere Energien bevorzugen. In den vergangenen fünf Jahren erzielte der Fonds eine Performance von jährlich 13,3 Prozent. Investiert wird in die Bereiche erneuerbare Energie, Basistechnologie und Energieeffizienz. Über 50 Prozent des Kapitals wird in US-Werte veranlagt, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Aktuellen Investmentschwerpunkt bilden Aktien von Enel, Nxp Semiconductors, Rwe, On Semiconductors, Iberdrolam Nextera Energy und Infineon.

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