Bawag-Effekt als Kick für Anleger und Wiener Börse

Bawag-Effekt als Kick für Anleger und Wiener Börse

Die Wiener Börse könnte zum Jahresende 2017 dank Bawag-Börsegang einen Kick bekommen.

Der Anteil der Privatanleger ist laut Wilhelm Rasinger vom Interessensverband für Kleinanleger (IVA) in Österreich zwar zurückgegangen. Aber jetzt sei ein guter Zeitpunkt für Börsengänge an der Wiener Börse. Der Bawag-Börsegang in Wien könnte das Interesse von Anlegern und Unternehmen wieder verstärken.

Wien. Nach dem angekündigten Börsegang der Bawag, die noch heuer in Wien an die Börse gehen will - wie der trend auch in der Ausgabe 39/2017 berichtet - macht der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger der heimischen Börse die Mauer. "Das wäre auf jeden Fall eine große Bereicherung für die Wiener Börse, die in den letzten Jahren eher mit Abgängen aufgefallen ist und keine Zugänge zu verzeichnen gehabt hat", so Rasinger.

Der IVA-Präsident bedauert, dass in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Privatanleger an der Wiener Börse deutlich zurückgegangen sei (siehe Grafik, u.) . Institutionelle Anleger würden dominieren, sagte Rasinger am Mittwoch im Klub der Wirtschaftsjournalisten in Wien.

"Wien ist ausgehungert. Alle freuen sich, denn es tut sich wieder mal was", sagte der IVA-Präsident am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. "Aber die BAWAG P.S.K. ist nicht mehr die BAWAG P.S.K. wie die meisten von Ihnen es kennengelernt haben."

Die Bank habe jetzt über zehn Jahre lang andere Eigentümer gehabt, und die Anleger müssten sich jetzt sehr genau anschauen wie es weitergeht im Rechtsstreit mit der Stadt Linz oder im Verhältnis zur Post und wie die möglichen Ertragsaussichten in der Zukunft sind.

"Derzeit weist die BAWAG P.S.K. hervorragende Ergebnisse aus, hat sehr viel Umstrukturierungsarbeit geleistet - aber wer weiß, ob das in den nächsten Jahren in diesem Ausmaß erzielt werden kann." Dass die Fonds, die ihre BAWAG-Anteile sehr lange gehalten haben, diese nach zehn Jahren verkaufen wollen, sei nicht überraschend. "Eines muss uns aber klar sein: dass diese Aktionäre sicher keine Geschenke verteilen werden."

Das reiche Österreich

Noch vor der Nationalratswahl legt Rasinger Anregungen und Forderung zur Aufwertung des Wirtschaftsstandorts Österreich und des heimischen Kapitalmarkts vor. Dabei sorgt er sich um die Dominanz der ausländischen Investitionen. "Österreich glaubt reich zu sein, aber den Österreichern gehört immer weniger", sagt der Kleinanlegerschützer. Der Anteil ausländischer Eigentümer an den heimischen Unternehmen sei verhältnismäßig hoch. Rasinger: "Dabei wäre die Zeit günstig für Unternehmen, an die Börse zu gehen.


Die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern.

Der ATX tendiert momentan um die Marke von 3.300 Punkten - das entspricht dem Niveau vor der Finanzkrise. "Wenn jemand mit neuen Erwartungshaltungen kommt, der wird jetzt sicher auf großes Interesse stoßen", ergänzte der IVA-Präsident. Das gilt auch für die BAWAG.

Die Zurückhaltung

Doch Kleinanleger halten sich bei Investitionen in heimische Unternehmen zurück. Die hohe Sparquote erklärt er mit der Idealisierung des Sparbuchs als "absolut sicher". Zudem sieht er einen Grund im hohen bürokratischen Aufwand, den Anleger in Kauf nehmen müssten. Die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern. Dabei sei ein klares Bekenntnis der politischen Entscheidungsträger zu einem fairen Kapitalmarkt für Privatanleger nötig. Ein Wohlfahrtsstaat lasse sich sehr wohl mit einem gut funktionierenden Kapitalmarkt vereinbaren, verwies der IVA-Präsident auf das Beispiel Schweden.

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger

IVA-Präsident Wilhelm Rasinger: "Das Leben wird erst spannend am 16. Oktober."

Allerdings werde einem am Kapitalmarkt nichts geschenkt. "Wenn ich ein höheres Entgelt bekomme, dann ist das auch mit einer Gegenleistung, das heißt mit Risiko verbunden." Wichtig sei es, dass die Anleger sich auskennen und selbstbewusst agieren, betonte Rasinger. "Der beste Anlegerschutz ist der mündiger Anleger."

Das Geldvermögen sei in Österreich vorhanden. Es fehle aber die Möglichkeit, es in die heimische Wirtschaft zu kanalisieren, kritisiert Rasinger. Da sei auch die Politik gefordert. Die Nachfrage, welche Partei seine Forderungen am besten vertrete, kommentierte er nicht. Zu sehr festgelegte Positionen der Parteien im Wahlkampf würden Kompromisse nach den Wahlen erschweren. "Das Leben wird erst spannend am 16. Oktober."

Die Zusammenführung der Kassen

Rasinger sprach sich überdies für eine Zusammenführung von Pensionskassen und Mitarbeitervorsorgekassen aus, die teilweise parallel geführt würden. Die aus der Abfertigung entstandene Mitarbeitervorsorge sollte so umkonstruiert werden, dass damit eine Zusatzpension nach Pensionsantritt angespart wird, schlägt Rasinger vor.

Derzeit gebe es ja bei einem Jobwechsel die Möglichkeit der Auszahlung, aber da seien die Renditen ohnehin gering. "Ich bin sehr dafür, dass man diese 1,53 Prozent auf mindestens 2 Prozent erhöht".

Eine steigende Beschäftigungsquote sei erfreulich, man müsse aber auch auf die Qualität der Arbeitsplätze schauen. Und Rasinger fordert, dass nicht nur Niedriglohnjobs geschaffen werden: "Niedriglohnjobs in der Tourismusbranche reichen nicht aus."

Laut IVA haben 2016 die in Österreich börsennotierten Konzerne nur 29 Prozent ihrer Belegschaft im Inland beschäftigt. Dabei verweist der IVA-Präsident allerdings auf Aufträge beispielsweise der Baufirmen im Ausland. Von den 39 betrachteten Unternehmen haben nur sieben mehr als 50 Prozent ihrer Belegschaft im Inland beschäftigt. Bei 14 Konzernen im ATX Prime beträgt der Frauenanteil an der Belegschaft weniger als 20 Prozent - bei einem höheren Anteil müssten sie ab 2018 die vorgeschriebene Frauenquote von 30 Prozent im Aufsichtsrat erreichen.


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