Banken-Aktien nach Stresstest auf Talfahrt

EZB-Zentrale in Frankfurt

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Nach Veröffentlichung des Banken-Stresstests 2016 trennen sich die Anleger in ganz Europa von Banken-Aktien.

Kein guter Start in die neue Börsenwoche und den Monat August für Europas Banken. Nach Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse (--> Hier finden Sie die Ergebnisse zum Download) haben sich viele Anleger von Bankenaktien getrennt. Nach einer Kursrally am Freitag im Vorfeld der Veröffentlichung der Ergebnisse nahmen die Anleger dabei aber offenbar auch Gewinne mit.

Hart erwischt hat es am Montagvormittag die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI; AT0000606306). Die RBI-Papiere brachen an der Wiener Börse zeitweise um mehr als neun Prozent ein. Hintergrund: Die RBI-Mutter Raiffeisen Zentralbank (RZB) kam beim europäischen Bankenstresstest am Freitag nur auf den vorletzten Platz. Die harte Kernkapitalquote würde in einem Stress-Szenario auf 6,12 Prozent von 10,2 Prozent Ende 2015 schrumpfen.

Die Stärkung des Eigenkapitals sei eines der wesentlichen Ziele, teilte die RZB-Gruppe nach der Veröffentlichung des Stresstest mit. Die RBI bestätigte ihr Vorhaben, bis Ende 2017 die harte Kernkapitalquote auf mindestens zwölf Prozent zu steigern. Erreicht werden soll dies mit einem umfassenden Konzernumbau. Unter anderem soll das Geschäft in Russland und in der Ukraine zurückgefahren werden. Dadurch soll die harte Kernkapitalquote um insgesamt 2,4 Prozentpunkte verbessert werden. Einen großen Effekt erwartet das Institut durch einen Verkauf der polnischen Tochter Polbank. Die Kapitalquote soll sich dadurch um einen Prozentpunkt erhöhen.

Bankenwerte europaweit unter Druck

Die RBI ist nicht der einzige Verlierer nach Veröffentlichung des Stresstests. Die zweite im Rahmen des Stresstests untersuchte österreichische Bank, die Erste Group (AT0000652011), gab 1,88 Prozent ab. Nach anfänglichen Kurszuwächsen drehten auch die Papiere der Deutschen Bank (DE0005140008) um zwei Prozent, die der Commerzbank (DE000CBK1001) um mehr als drei Prozent ins Minus. Beim Test der Aufsichtsbehörde EBA landeten die Deutsche Bank und die Commerzbank unter den letzten zehn von 51 überprüften Geldhäusern. Die getesteten Banken hätten ihre Kapitalpolster zwar gestärkt, seien aber noch nicht völlig gesund, sagte EBA-Chef Andrea Enria.

Beide Banken haben zu hohe Kosten, was sich angesichts wegbrechender Erträge als schwerer Fehler erweist. Im Stresstest hatte die Commerzbank von allen deutschen Instituten am schlechtesten abgeschnitten. Die harte Kernkapitalquote sackte auf 7,4 Prozent ab. Die Deutsche Bank kam auf 7,8 Prozent.

Investoren schichten um

Auch Institute in Italien, Frankreich und Großbritannien, die beim jüngsten Fitness-Check für die Branche auf den hinteren Plätzen gelandet waren, wurden von den Investoren abgestraft. Vor allem bei den systemrelevanten Großbanken habe der Test gezeigt, dass die Kapitaldecke dringend aufgepolstert werden müsse, erklärten die Analysten von Goldman Sachs. "Die Unterschiede werden immer größer."

Die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit (ISIN IT0004781412) schloss mit einem Minus von sieben Prozent. Banco Popular (60575009) und BBVA (ES0113211835) aus Spanien sowie Societe Generale (FR0000130809) aus Frankreich verloren bis zu 6,2 Prozent.

Zweifel haben Experten zudem, ob sich der Rettungsplan für die angeschlagene italienische Monte dei Paschi die Siena schnell umsetzen lässt. Die Europäische Zentralbank gab zwar grünes Licht für den Rettungsplan des ältesten Geldhauses der Welt; im Krisenfall, so die Befürchtung würde aber das Eigenkapital der Bank komplett aufgezehrt. Monte dei Paschi hat seit 2014 acht Milliarden Euro verbrannt und ist heute nicht mal mehr eine Milliarde wert.

Die Anleger nahmen die Aussicht auf eine Rettung der Monte dei Paschi dagegen positiv auf. Die Aktien der drittgrößten italienischen Geldhauses stiegen um fast vier Prozent und waren damit einziger Gewinner im europäischen Bankenindex, der um 2,4 Prozent fiel.

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Eric Bramoullé, CEO Amundi Austria

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