Bankaktien: Die größten Verlierer der Branche

Bankaktien: Die größten Verlierer der Branche

Im Zentrum der Bankenkrise: Die Deutsche Bank - kein anderes Institut der Welt könnte das Finanzsystem aufgrund seiner schlechten Verfassung so destabilisieren wie die Frankfurter Großbank.

Morgen Abend werden die Ergebnisse des Stresstest veröffentlicht. Schon jetzt sind die Quartalsbilanzen vieler Banken desaströs, ebenso wie die Entwicklung der Aktienkurse. Seit Jahresbeginn haben diese bis zu 60 Prozent nachgegeben. Welche Aktien es am stärksten erwischt hat und wie die einzelnen Institute dastehen. Wie das Drama weiter gehen könnte.

Am Freitag um 22 Uhr wird in so manchen Bankzentralen noch Licht scheinen. Dann werden die Ergebnisse des Stresstests der bekanntgegeben. Europas große Banken haben sich nämlich in den letzten Monaten einem umfassenden Gesundheitscheck unterziehen müssen und morgen steht nun die Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten Ergebnisse an.

Einige Banken in Italien und Deutschland stehen dabei besonders im Fokus, „wobei ein düsteres Bild am Markt bereits eingepreist scheint“, so Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege der Fondsgesellschaft BlackRock. Viele europäische Banken stecken in einer schweren Krise. Auch Raiffeisen erwartet kein erfreuliches Ergebnis. Aber auch andere Banken in Europa sind stark unter Druck. Niedrige Zinsen, die extrem auf die Margen drücken und hohe Kosten bilden eine Mischung, die so manche Bank an den Rande des Abgrunds treibt.

Deutsche Bank & Commerzbank: Die deutschen Problembanken

Einzelne Banken, allen voran die Deutsche Bank, gilt mittlerweile sogar als Gefahr für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems (siehe auch die untenstehende Slideshow). Nach Einschätzung von Barclays hat die Deutsche Bank eine Kapitallücke von sieben Milliarden Euro Mit einer Kernkapitalquote von 10,8 Prozent liegt diese hinter vielen Konkurrenten. Wie die Deutsche Bank macht auch die Commerzbank kaum noch Gewinne. Richtig kritisch wird es laut den Bankentestern ab einer Kapitalquote von sieben Prozent.

Risiko vervierfacht

Schon beim Stresstest 2014 gelten auch italienische Geldhäuser als größte Sorgenkinder - passiert ist seitdem wenig. In Italien hat sich die Quote der ausfallgefährdeten Kredite seit 2008 vervierfacht und liegt heute bereits um ein vielfaches höher als beispielsweise in den USA während des Höhepunktes der Krise. Das Eigenkapital einiger Institute droht damit bedrohlich zu schrumpfen.

Die Institute im Einzelnen (Slideshow):

UniCredit: - 59,6 % seit 1.1.2016

Die italienische Großbank und Bank Austria-Mutter erwägt angeblich eine Kapitalerhöhung von bis zu fünf Milliarden Euro. Außerdem denke der neue Chef, der französische Manager Jean-Pierre Mustier, laut Insidern über den kompletten Ausstieg aus der Beteiligung Bank Pekao nach. Erst vor vierzehn Tagen hatte Unicredit mit dem Verkauf des polnischen Instituts von Anteilen 749 Millionen Euro eingenommen und seinen Anteil damit auf 40,1 Prozent reduziert. Zu den Überlegungen gehöre auch der Verkauf eines großen Teils der faulen Kredite, hieß es dazu laut der Nachrichtenagentur Bloomberg weiter. Unicredit wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Ob der Kursrückgang von bis zu 20 Prozent nach dem Brexit-Votum ausreichend sei, wagte die UBS nicht zu prognostizieren. Die Erträge aus dem Kerngeschäft seien erneut sehr gefährdet, so die UBS-Analysten.

Deutsche Bank: -47,1 Prozent seit Jahresbeginn

Die größte Bank Deutschlands konnte mit Ach und Krach noch einen Gewinn einfahren (20 Millionen Euro). Auch für die Zukunft erwarten Analysten nichts Gutes. Die Probleme der Deutschen Bank sind damit in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal deutlich größer geworden. Die Erträge gingen in allen Konzernsparten zurück – außer bei der zum Verkauf stehenden Postbank. Im Wertpapierhandel, Kernkompetenz der Bank, schrammte der Frankfurter Bankriese knapp an einem Verlust vorbei. Die Kapitaldecke wird damit dünner und dünner. Die Deutsche Bank dürfte auch den zweiten Stresstest nicht bestanden.

80 Prozent Kursverlust seit 2007

Damit setzt sich ein Trend fort: Im Jahresabstand hat der Bankenindex 45 Prozent verloren, seit dem Jahr 2007 (dem Jahr, in dem die Finanzkrise eskalierte) sind es mehr als 80 Prozent. Die Zweifel an der Stabilität europäischer Banken hat gute Gründe.

Ein Problem, das den europäischen Bank im Gegensatz zu den US-Instituten nachhängt, die Anforderungen an die Eigenkapitalquote wurde nach Einschätzung von Experten zu später erhöht. Die geringe Profitabilität der deutschen Finanzinstitute liegt laut IWF in ihrem Geschäftsmodell begründet. Der IWF warnt: "Die niedrigen Zinsen schmälern den Zinsüberschuss und könnten die Banken und Versicherer auf der Suche nach Rendite in riskantere Geschäfte treiben. Mit den Problemen der Banken steigt auch die Kritik an den Lenkern der Institute. So mancher wurde deshalb in den vergangenen Monaten ausgetauscht. Ob ihre neuen Ideen fruchten, wird sich zeigen. Aber nicht nur die europäischen Institute stehen unter Druck, auch ihre US-Konkurrenten haben deutliche Gewinnrückgänge gemeldet, wenn ihre Schwierigkeiten auch nicht so groß sind, wie jene Europas.

Zweistelliger Gewinnrückgang erwartet

JP Morgan rechnet für die Banken aus der Eurozone, nach dem Brexit, bis 2018 mit einem durchschnittlichen Rückgang beim Gewinn je Aktie von 18 Prozent. Europas ohnehin schwache Wirtschaft werde unter dem Brexit leiden, und die Zinsen weiter um null Prozent liegen. Gerade die niedrigen Zinsen belasten die Banken massiv. Damit schrumpfen Zinsmarge und Gewinn der vielfach gebeutelten Banken noch weiter. „Das Schlüsselproblem bleibt die niedrige Profitabilität der Bank“, urteilte Analyst Philipp Häßler von der Equinet Bank. Die Folge: Den Banken fehlen Milliarden Euro in den Bilanzen. Diese haben teils kaum noch Geld auf der Seite, also Eigenkapital.

Banken wie die UniCredit versuchen nun verzweifelt über die Börse zu frischem Kapital zu kommen. Nur private Geldgeber sind gegenwärtig kaum bereit, diesen Banken frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. EU-Regeln verbieten außerdem, dass der Staat zur Hilfe eilt, bevor private Gläubiger Banken in Haftung genommen werden. Damit aber noch nicht genug der Dilemmata: In Italien wurden in der Vergangenheit staatliche. Anreize für Kleinanleger gesetzt, damit diese in Bankanleihen investieren. Sollten diese Anleger erneut für die Rettung der Banken geradestehen müssen, kann sich der italienische Regierungschef Renzi ein aus seiner Sicht positives Votum des Volkes bei dem Verfassungsreferendum im Herbst wohl an den Hut stecken. Neuwahlen wären dann vermutlich die Folge, da Renzi den Ausgang des Referendums mit seiner politischen Zukunft verknüpft hat. Dass die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung in den Umfragen derzeit sogar knapp vor der Partei von Renzi liegt, setzt der verzwickten Situation die Krone auf.

Für die Banken heißt es in jedem Fall: Sparen, sparen, sparen. Es müssen noch mehr Filialen geschlossen werden und der Vertrieb auch stark in Richtung Internet ausgerichtet werden. Und es müssen noch deutlich mehr Beteiligungen verkauft werden, auch im Industriebereich - womit allerdings mehr Industriebetriebe an ausländische Investoren gehen dürften, also von manchen Staaten gewünscht.

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Die US-Geldpolitik - 5 Top-Themen der US-Notenbank Fed

Geld

Die US-Geldpolitik - 5 Top-Themen der US-Notenbank Fed

Rürup: "Große Pensionskürzungen sind längst beschlossen"

Geld

Rürup: "Große Pensionskürzungen sind längst beschlossen"