Bankkunden rechnen mit massivem Filialsterben

Bankkunden rechnen mit massivem Filialsterben

Das Marktforschungsinstitut YouGov hat Bankkunden befragt welche Rolle online- und mobile Bezahlsysteme in Zukunft spielen werden, welches Vertrauen sie zu online und mobile Bezahldienste haben und wie weit sie bei der Nutzung dieser sogenannten FinTechs gehen würden.

In der Bankenbranche wird in Zukunft kein Stein auf dem anderen bleiben. Der von vielen Unternehmen der Bankenbranche erwartete dramatische Wandel wird auch von den Bankkunden selber als realistisches Szenario eingeschätzt.

Kunden glauben: In 10 Jahren gibt es kaum noch Filialen

62 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es in zehn Jahren kaum noch Bankfilialen geben wird. Ebenfalls rund die Hälfte (55 Prozent) der Bankkunden nimmt an, dass neue Bezahlsysteme von Internetunternehmen Kredit- und EC-Karten verdrängen werden. Dies ist das Ergebnis des Highlight-Themas „Marktpotenzial von FinTechs“ aus der Studie „Kundenmonitor Banken“ des internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov, für die 1.756 Bankentscheider- und Mitentscheider im Dezember 2015 in Deutschland befragt wurden.

PayPal ist die Nummer eins

Als bekanntestes online oder mobile Bezahlsystem, außerhalb der klassischen Bankenwelt, gilt PayPal (89 Prozent gestützte Bekanntheit) mit einem großen Vorsprung die Spitze. Ebenfalls zu den Top 5 Bezahldiensten in Deutschland zählt SOFORT Überweisung (53 Prozent), giropay (39 Prozent), ClickandBuy (34 Prozent) und Amazon Payments (33 Prozent). ClickandBuy stellt seinen Bezahldienst allerdings Ende April ein. Derzeit noch weniger bekannt sind die Bezahlsysteme von Google (Google Wallet, 14 Prozent) und Apple (Apple Pay, 14 Prozent).

Das größte Vertrauen bezüglich eines innovativen Bezahlsystems genießt ebenfalls PayPal mit 56 Prozent. PayPal profitiert von der dominanten Marktstellung im Bereich Zahlungsverkehr. Auch Amazon trauen viele Personen (38 Prozent) eine attraktive Lösung zu. Die Sparkassen als klassische Filialbank runden mit 32 Prozent die Top 3 ab, gestützt von ihrer starken Marktreichweite.

Vergleichsweise wenige wollen im Supermarkt mobile Zahlsysteme

Die Nutzungsbereitschaft für Online- und Mobile-Bezahlsysteme ist vor allem für Interneteinkäufe hoch (55 Prozent). Zur Zahlung im öffentlichen Nahverkehr (24 Prozent) oder für Supermarkteinkäufe (23 Prozent) sind Online- und Mobile-Bezahlsysteme für rund jeden Vierten vorstellbar. Innerhalb der Familie oder unter Freunden können sich nur wenige Bezahlsysteme via E-Mail, SMS oder App vorstellen: Lediglich elf Prozent können es sich bei der Begleichung von Schulden unter Freunden vorstellen, gerade einmal sechs Prozent beim Taschengeld für Kinder.

Bankverbindung bei Google oder anderen FinTechs stößt auf Ablehnung

Wenn es jedoch darum geht, nicht nur für gelegentliche Zahlungsvorgänge innovative Anbieter aus der FinTech-Branche zu nutzen, sondern eine Bankverbindung bei einem Internetunternehmen wie Google oder Apple regelmäßig zu nutzen, sieht die Situation anders aus. „Auch wenn hier Vorteile beim Preis-Leistungs-Verhältnis gesehen werden, wird den Studienergebnissen zufolge klassischen Banken und Sparkassen immer noch eine größere Kompetenz in anderen Bereichen wie z. B. einer individuellen, bedarfsgerechten Beratung und insbesondere der Datensicherheit zugesprochen“, sagt Andre Soldwedel, Consultant in der Finanzmarktforschung bei YouGov. „Diese Vorzüge können sich Banken bspw. durch den ganzheitlichen Beratungsansatz zu Nutze machen, um ihre Kunden nachhaltig an sich zu binden“, so Soldwedel weiter.

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