Bank Austria startet Private Banking für den „kleinen Mann“

Bank Austria startet Private Banking für den „kleinen Mann“

Die Bank Austria krempelt unter ihrem neuen Vorstand, Robert Zadrazil, das Privatkundengeschäft kräftig um und macht Angebote des Private Banking auch Kunden mit kleinerem Vermögen zugänglich. Welches Service, das bisher den Top-Kunden der Bank vorbehalten war, künftig auch diesen Kunden zugänglich sein wird und wo es angeboten werden wird.

Der neue Bank Austria Vorstand Robert Zadrazil bricht ein Tabu, wenn er nun plant die heiligen Hallen des Private Banking auch dem vergleichsweise kleinen Mann zugänglich zu machen. „Wir wollen in unseren Filialen flächendeckend ein private Vermögensverwaltung unter 100.000 Euro anbieten“, so Robert Zadrazil, Chef der Bank Austria gegenüber trend.at. Schließlich soll das neue Konzept auf rund 80 Filialen der insgesamt 125 Filialen ausgerollt werden.

Zadrazil erklärt sein Ziel mittels eines Vergleichs: „Autokäufer, die sich zwar keinen 7er BMW leisten können, aber trotzdem die Assistenzsysteme dieses Luxuswagen genießen wollen, können vieles davon nun auch in kostengünstigeren Modellen verbauen lassen. Auf einem ähnlichen Konzept basiert unser neues Private Banking für jene Kunden, die nicht in der klassischen Vermögensverwaltung betreut werden“. Diese gehobenen Services des Private Banking der Bank sollen nun auch Kunden mit kleineren Vermögen zugänglich gemacht werden, denn die Einstiegsgrenze für das Private Banking liegt nach wie vor bei 500.000 Euro.

Kunden finden mit Standardprodukten nicht mehr das Auslangen

Doch nun bietet die Bank dieses Veranlagungswissen auch Otto-Normalsparern, die eine erkleckliche Summe auf der hohen Kante haben und nicht mehr bereit sind, sich das Ersparte von den Niedrigzinsen langsam auffressen zu lassen. „Die Märkte haben sich in den vergangenen Jahren so stark verändert, dass wir reagieren mussten. Viele Kunden finden aufgrund der niedrigen Zinsen mit den Standardprodukten nicht mehr das Auslangen“, erläutert Zadrazil die neue Strategie für weniger Betuchte. „Deshalb haben wir uns entschlossen, für diese Klientel eine neue Struktur zu schaffen,“ so der Banker. Gerade für jene, die etwas mehr Geld am Konto hätten, seien viele der klassischen Sparprodukte kein probates Mittel mehr zum Vermögensaufbau. War es früher doch selbst für sicherheitsorientierte Kunden vergleichsweise einfach eine Rendite von ein paar Prozent im Jahr zu machen. Klassische Staatsanleihen bester Bonität warfen laut Bank Austria vor der Finanzkrise im Schnitt pro Jahr 3,5 Prozent ab. „Doch diese Zeiten sind wohl für die nächsten 30 Jahre vorbei“, warnt der Banker. Etwas mehr Risiko sollten Anleger deshalb auch bereit sein in Kauf zu nehmen. Um dennoch nicht übers Ziel zu schießen, stehen zahlreiche Risikomanager, die darauf achten, das Investmentrisiko im Blick zu haben, parat.

100 Mitarbeiter zusätzlich qualifiziert

Um künftig auch eine Vermögensverwaltung für den "kleinen Mann" bieten zu können, wurden in den Banken 100 Mitarbeiter mit zusätzlichen Qualifikationen ausgestattet. Zadrazil: „Es gibt nun bereits in den Filialen Spezialisten für jeden Bereich und bei Bedarf werden Experten per Videotelefonie zugeschalten.“ Ziel der Investmentexperten ist es mit verschiedensten Anlageformen und Abstimmung der weltweiten Finanzmärkte eine möglichst hohe Rendite zu erzielen und dabei ein ausgewogenes Chancen-Risiko-Verhältnis im Auge zu behalten.

Wie die genaue Ausgestaltung des neuen Private Banking für den „kleinen Mann“ aussehen wird, daran wird derzeit noch gefeilt. Geplant sind zum einen Fonds, denen eine aktive Vermögensverwaltung zu Grunde liegt. „Einzeltitelauswahl für jeden einzelnen Kunden wird es aber weiterhin nicht geben“, schränkt Zadrazil ein. Das sei, aufgrund der hohen Kosten, erst ab rund einer Million Euro sinnvoll möglich.

Vermögensverwaltungsfonds ab 50.000 Euro geplant

Aber in Form von Fonds, die auf die Bedürfnisse dieser neuen Schicht der Vermögensverwaltungskunden zugeschnitten sind, sei das sehr wohl eine probate Lösung, um auch diesen Kunden das Know-how des Private Bankings zu Gute kommen zu lassen. Private Vermögensverwaltungsfonds könnten ab 50.000 Euro erhältlich sein.

Fixe jährliche Gebühr ohne Extrakosten Wertpapiere kaufen und verkaufen

Eine weitere Variante, über seine Investments zu entscheiden, die bisher ebenfalls nur den Top-Kunden der Bank zur Verfügung stehen, ist das Bank Austria Service „Univers“. Die Kunden zahlen jährlich, prozentuell nach Höhe des Investments, eine pauschale Managementgebühr und können auf diese Weise so oft sie wollen ihre Wertpapiere kaufen und verkaufen.

Exklusiv die Meinung von Experten

Um den Kunden die Entscheidung zu erleichtern, erhalten diese Private Banking Kunden und künftig auch jene ab rund 100.000 Euro exklusiv einen erweiterten Zugang zu den Meinungen der Kapitalmarktexperten der Bank, also Analysten und Empfehlungen. „Wenn etwa ein Kunde vor drei Wochen aus einer eigenen Überlegung heraus einen Japan-Fonds gekauft hat, unsere Experten aber nun raten, den Japan-Anteil im Depot zu senken und der Kunde unserem Experten vertraut, braucht er sich wegen der Spesen keine Gedanken mehr zu machen“, so Zadrazil. Was sich laut Bank-Austria-Boss in der Vergangenheit als erheblicher Vorteil erwiesen hat. „Die Freiheit zu wissen, es kostet nichts, erleichtert es Kunden unseren Empfehlungen oder ihren eigenen Überlegungen zu folgen. Sie agieren dadurch flexibler und letztlich im Schnitt erfolgreicher.“

Das Service „Univers“ bietet den Kunden zwei Möglichkeiten des Investierens: Entweder der Kunde trifft letztlich selbst die Entscheidung in welche Wertpapiere investiert wird, oder die Private-Banking-Experten nehmen die Entscheidung dem Kunden auf seinen Wunsch hin ab. Diese veranlagen dann das Geld des Kunden nach ihrer Einschätzung automatisch. Beides soll künftig auch Kunden mit einem kleineren Vermögen zur Auswahl stehen.

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