„Bald sind wir bloß noch ein Disneyland für Touristen“

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger sieht schwarz für den Finanzstandort Wien und somit für den gesamten Wirtschaftsstandort: Wenn Unternehmen die Börse oder den ATX verlassen, dann gehen ihm zufolge wertvolle Arbeitsplätze verloren, Österreich versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Die Schuld sieht er unter anderem in der Politik.

Nach dem angekündigten Rückzug des österreichischen Feuerfestprodukte-Herstellers RHI von der Wiener Börse zeigt sich Wilhelm Rasinger, Geschäftsführer des Interessensverbands für Anleger (IVA), im Gespräch mit trend.at besorgt um den heimischen Wirtschaftsstandort. Denn zu einem solchen gehöre ein funktionierender Kapitalmarkt, mit dem hochqualifizierte Arbeitsplätze verbunden sind: „Irgendwann fällt der Finanzstandort Wien aber unter eine kritische Größe“, beklagt Rasinger: „Dann sind wir nur noch ein Anhängsel von London oder Frankfurt, ein Disneyland für Touristen – als seriöser Wirtschaftsstandort mit hochqualifizierten Jobs sind wir dann abgemeldet.“

Dabei sei Österreich ein reiches Land, dessen wohlhabende Bevölkerung auch in heimische Unternehmen investieren könne – als Vorbild nennt Rasinger Schweden, das zwar sozialdemokratisch geprägt sei, dessen Bürger aber dennoch auf den Kapitalmarkt setzen: „Aktionärsdemokratie“ ist hier das treffende Schlagwort. In Österreich hingegen beobachtet Rasinger, dass das Finanzwissen nur marginal vorhanden ist: „Das Sparbuch gilt als dodelsicher“, sagt er: „Aber man muss den Menschen auch näherbringen, dass es unterschiedliche Risikokategorien gibt.“ Aus Ängstlichkeit und Phantasielosigkeit erleben Sparbuch-Sparer reale Verluste, betont Rasinger.

Politik ist gefordert

Jüngst wieder laut gewordene Kritik an den Vorständen der Wiener Börse, dass diese sich zu wenig engagierten, will Rasinger so nicht gelten lassen: „Die Vorstände der Börse Wien sind immer engagiert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, sagt er: Das Problem sei mehr, dass die Politik hier wenig Priorität sehe. In Österreich werde mehr reagiert als agiert, die politischen Akteure sind mehr mit Themen wie der Hypo Alpe Adria beschäftigt. Hingegen sollten ausgesprochene Pläne – wie etwa, mehr KMU an die Börse zu bringen – konkretisiert und in die Tat umgesetzt werden.

Ein Dorn im Auge sind Rasinger auch diverse Auflagen wie die verpflichtenden ad-hoc-Mitteilungen, die Veröffentlichungen in der Wiener Zeitung und die umfangreichen Kapitalmarktprospekte. Auch stellt er die Option einer Börse in den Raum, an der nicht jeden Tag gehandelt wird – ein Nebeneffekt dieser Entwicklung wäre auch, dass Anleger nicht von täglichen Kursentwicklungen getrieben werden, sondern langfristig investieren.

Licht am Ende des Tunnels?

Nach einem recht starken Quartal im heimischen Leitindex ATX gibt sich Rasinger zuversichtlich, dass dieser stärker wachsen wird als das BIP und die Inflation. „Mittel- bis langfristig setzt sich Qualität durch“, sagt er: Hinzu kommt, dass manche Aktien gute Dividenden bieten, hier zahlt sich ein direktes Investment laut Rasinger mehr aus als in ein Sparbuch.

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