Österreichische Banken haben Kosten nicht im Griff

Österreichische Banken haben Kosten nicht im Griff

Österreichische Banken haben mit Schließungen von Filialen versucht die Kosten in den Griff zu bekommen. Ohne Erfolg wie eine neue Studie von A.T. Kearney feststellt. Woran die Banken kranken und welche drastischen Maßnahmen die Experten bei Gehältern und Provisionen empfehlen. Eine einst krisengeschüttelte Austro-Bank wurde jedoch zum kosteneffizientesten deutschsprachigen Institut gekürt.

Europas Banken haben in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte bei Einsparungen gemacht, aber gereicht hat das vielfach nicht, um die hohen Ertragseinbußen durch die Niedrigzinsen zu kompensieren, so das Ergebnis der aktuellen Studie "Retail Banking Radar 2017" der internationalen Managementberater A.T. Kearney. 2016 hat der Reformschwung bei vielen Instituten auch nachgelassen.
Bei österreichischen Banken zeigt sich Licht und Schatten. Zwar haben die Banken gegenüber 2015 die Erträge mehr steigern können als die meisten anderen europäischen Banken, trotzdem sind sie bei den Kosten Schlusslicht. Bis auf ein Glanzlicht in der heimischen Bankenlandschaft: Die einst krisengeschüttelte BAWAG zeichnet sich, laut Studie, durch besondere kosteneffizient aus.

Die internationale Bankenlandschaft ist weiter im Umbruch. Bisher mit mäßigem Erfolg. „Den europäischen Banken ist es noch nicht gelungen, sich dem Niedrigzinsumfeld anzupassen“, so die Analyse von Daniela Chikova, Co-Studienautoren der großen A.T. Kearney-Bankenstudie.

Die Studie untersucht seit 2007 jährlich die finanzielle Entwicklung europäischer Banken und bietet so einen Einblick in deren Stärken und Schwächen. Diese ermöglicht so auch einen Vergleich wie österreichische Banken gegenüber dem übrigen europäischen Wettbewerb dastehen. Für die Studie wurden die Daten von 122 Banken in europäischen Ländern auf folgende Kriterien hin untersucht:
- Ertrag pro Kunde und Mitarbeiter,
- Gewinn pro Kunde,
- Verhältnis Verwaltungsaufwand zu Erträgen und
- Vorsorgequote von Kreditrisiken.

Rückgang der Margen trifft alle

Die Studie, die seit 2008 jedes Jahr durchgeführt wird, machte ein Grundproblem deutlich: Sowohl das Wachstum der Spareinlagen als auch des Kreditgeschäft ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Folge ist ein Rückgang bei den Margen.

Italien und Portugal: Wieder viele faule Kredite in den Büchern

Länder wie Italien und Portugal haben zudem wieder massiv mit faulen Krediten zu kämpfen. „Dies führt zu einer deutlich schlechteren Profitabilität, die den Fortschritt des Jahres 2015 komplett aufgezehrt hat“, so A.T. Kearney-Bankexpertin Chikova.

Österreich: Strukturelle Bereinigung noch nicht ausreichend

Österreich schneidet bei der Profitabilität zwar im EU-Vergleich zwar besser ab, „aber die Institute haben die Chancen zu strukturellen Bereinigungen noch nicht ausreichend genutzt“, stellt Chikova fest. Die Achillesferse sind nach wie vor die zu hohen Kosten.

Kosten fressen zu hohen Anteil am Ertrag – andere Länder bei Filialabbau rigoroser

Mit 70 Prozent Kosten zu erwirtschafteten Erträge bleiben heimische Banken durchgehend Schlusslicht im europäischen Vergleich. So sind zwar in den vergangenen fünf Jahren beispielsweise Fortschritte beim Filialabbau (12%) erzielt worden, diese liegen jedoch deutlich unter den 30% anderer Länder wie Großbritanniens oder der Niederlande.“

EU-Ertrag pro Kunde: 633 Euro

Die Aussichten werden für die Banken nicht aufhellen, trotz des deutlich besseren wirtschaftlichen Umfeldes, so das Resümee der Autoren der Bank-Studie. Schuld sind weiterhin die niedrigen Zinsen. Der durchschnittliche Ertrag pro Kunde ist in der EU um drei Prozent auf mittlerweile 633 Euro pro Kunde gesunken. Gleichzeitig musste die Risikovorsorge der Institute um 20 Prozent gesteigert werden, vor allem bei Banken in Portugal und Italien. Das konnte laut Studie auch durch eine um zwei Prozent höhere Produktivität pro Mitarbeiter nicht ausgeglichen werden, sodass der Gewinn je Kunde in diesen Ländern um 14 Prozent gesunken ist.

Effekt der Kosteneinsparungen blieben in Österreich komplett aus

Das Ergebnis, was die österreichischen Banken betrifft, fällt zwar im Vergleich zu Westeuropa besser aus, ist aber längst nicht optimal. Die Banken verloren hierzulande unter anderem durch restriktivere Bestimmungen, etwa was die Höhe der Provisionen für Kreditkarten betrifft, drei Prozent an Erlösen. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, wurden fünf Prozent der Filialen geschlossen. Selbst die Zinserträge konnten, bei erodierenden Margen, um 3,7 Prozent gesteigert werden. „Unterm Strich blieben Kosteneinsparung aber letztlich komplett aus“, so die Bilanz der Studie.

Problem der Austro-Banken: Seit Jahren zu schwache Absicherung gegen Risiken

Trotzdem schneidet Österreich im Vergleich zu anderen westlichen EU-Ländern besser ab. Das ist vor allem den günstigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet. So sind Spareinlagen und Kredite im letzten Jahr um 5,8 Prozent deutlich stärker gestiegen als im europäischen Schnitt von 3,1 Prozent. Die Kosten-Ertrags-Relation hat sich bei österreichischen Banken zwar um zwei Prozentpunkte verbessert, aber die Risikovorsorgequoten der Banken ist in Österreich chronisch schlecht und liegt nur im letzten Drittel der europäischen Banken.

BAWAG als europäischer Champion ausgezeichnet – Weniger komplex dafür effizient

Für die Überraschung in der Studie sorgt die Bawag, die einstige Krisenbank. Sie wurde von den Studienautoren in deutschsprachigen Raum zum _"Best Champion" gekürt. Seit der Übernahme durch Cerberus hat die Bank, laut Studie, ihre Produkt- und Vertriebskomplexität reduziert, digitale Kanäle intensiviert und die Mitarbeiterproduktivität verbessert. Die Bawag ist es so in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Kosten um 16 Prozent zu senken.

Großkunden, Zukäufe, florierendes Depotgeschäft – die Erfolgsfaktoren der Banken

Auch die ING-DiBa fällt im deutschsprachigen Raum durch eine überdurchschnittlich hohe Performance auf. Sie erzielte 2016 mehr als zehn Prozent Ertrag pro Kunde. Die Gründe: überdurchschnittliches Wachstum im Geschäftsvolumen, steigende Erträge aus dem Depotgeschäft und ein stark wachsender Großhandel. Auch Zukäufe können ein Erfolgsrezept sein, wie das Beispiel Banca Transilvania aus Rumänien zeigt. Mit der Übernahme der Volksbank Romania, die sie in Rekordzeit von acht Monaten nach dem Closing in das operative Geschäft integriert hat, ist sie zum Marktführer im hochprofitablen und wachstumsstarken Segment für klein- und mittelständische Unternehmen aufgestiegen. Das Ergebnis: Steigerung des Ertrags pro Kunde um 23 Prozent in nur zwei Jahren.

Ziel: 20 Prozent Gehaltskürzung, 30 Prozent mehr Provisionserlöse

„Die österreichischen Banken haben die Gunst der Stunde noch nicht ausreichend genutzt, um ihre strukturellen Nachteile zu beseitigen“, kommentiert Achim Kaucic, Finanzspezialist bei A.T. Kearney in Österreich. Die Banken sind mit zwei Problemen konfrontiert: Die niedrigen Zinsen bieten weiterhin kaum Spielraum für Erträge, zugleich werde sich das aktuelle Wachstum bei Einlagen und Kredite nicht nachhaltig fortsetzen. Kaucic: „Um die Kosten in den Griff zu bekommen, müssten die Provisionserlöse um fast 30 Prozent steigen und die Gehaltskosten müssten um fast 20 Prozent - vor jährlichen Gehaltssteigerungen - gesenkt werden, um eine Cost-Income-Ratio von 60 Prozent zu erreichen. Eine gewaltige Herausforderung, die jetzt in einem positiven Wirtschaftsumfeld konsequent angegangen werden sollte.“

- In der Studie wurden auch Champions unter den europäischen Privatkundenbanken identifiziert: jene Institute, die sich besonders deutlich bei Kosten, Ertrag und Digitalisierung vom Wettbewerb absetzen.

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