Aktien-Ausblick 2. Halbjahr: Kommt das Ende der Börsenrallye?

Aktien-Ausblick 2. Halbjahr: Kommt das Ende der Börsenrallye?

Es ist Halbzeit an den Börsen. Indizes wie Dax oder der S&P haben eines der erfolgreichen Halbjahre der vergangenen zehn Jahre hinter sich. In der zweite Hälfte des Jahres könnte die Rallye aber ins Stocken geraten, warnen Experten. Welche Börsenengagements sie zurückfahren und wie sie ihre Depots neu ausrichten.

Wer hätte das noch zu Jahresbeginn gedacht: Der deutsche Aktienindex Dax ist seither um 18 Prozent gestiegen, beim US-Index S&P waren es gar fast 27 Prozent. Selbst die Börse des krisengebeutelten Brexit-Landes FTSE hat seither 15 Prozent gemacht.

Kursschwenk der Zentralbanken beflügelt - wieder einmal - die Börsen
Dabei haben noch Dezember 2018 erhebliche Wachstumssorgen für den schwärzesten Börsenmonat der letzten Jahre gesorgt. Ein Ende des starken Wachstumszyklus erschien nah. Zur Jahresmitte 2019 sieht das Bild rückblickend jedoch anders. „Die Zentralbanken haben einen deutlichen und in der Form nicht erwarteten Kursschwenk hingelegt“, so Felix Hermann, Kapitalmarktstratege von BlackRock in seinem Halbjahresausblick. Aus Sorge vor den negativen Auswirkungen des Handelskonfliktes auf das Wachstum haben die beiden Notenbanken, die US- Fed und europäische EZB, innerhalb kürzester Zeit und fast im Gleichschritt auf geldpolitische Lockerung umgeschaltet. Auch die für viele überraschend positivere Berichtssaison des ersten Quartals 2019 hat die Kurse angetrieben.

Ruppigeres und schwankungsanfälligeres 2. Halbjahr?
Der Börsenrausch könnte sich jedoch im zweiten Halbjahr verflüchtigen. „Viele gute Nachrichten sind eingepreist und die Bewertungen ambitioniert“, schreibt die Fondsgesellschaft Ethenea in ihrer Halbjahresprognose. Die Entwicklungen im Mai habe schon gezeigt, dass es in den nächsten Monaten an den Börsen etwas ruppiger und volatiler zugeht als in den ersten Monaten des Jahres. Über den Sommer hinweg gehen die Aktienexperten von Ethenea von einem schwankungsanfälligerem und eher schwachen Verlauf der Börsen aus, was speziell zyklische Aktien belasten dürfte. Hohe Kurszuwächse im zweiten Halbjahr hält auch BlackRock für unrealistisch: "Eine Wiederholung der starken Performance im zweiten Halbjahr ist unwahrscheinlich.“


Es ist mit einer schnellen Abkühlung der Wirtschaft zu rechnen

Frühindikatoren signalisieren Abschwächung
Das Wachstum bremst sich ein. Verschiedene Frühindikatoren, wie Einkaufsmanagerindizes, das Geschäftsklima, das Verbrauchervertrauen trüben sich zusehends ein und auch eine invertierte Zinskurve in den USA lassen auch auf eine Abschwächung des globalen Wachstums hin schließen. Laut IWF soll das Wirtschaftswachstum 2019 nur noch um 3,2 Prozent zulegen. Um 0,1 Prozent weniger als bisher prognostiziert. Nicht viel, aber dennoch ein schlechtes Vorzeichen. Die Begründung: Die Abwärtsrisiken hätten sich seit April verstärkt. Als Folge der Eskalation des Handelsstreits Anfang Mai kehrten vermehrt Sorgen über die Auswirkungen für das globale Wirtschaftswachstum auf die Agenda zurück. JP Morgan schreibt dazu in einer Analyse: "Angesichts der Einbußen im Handel und der Industrie ist mit einer schnelleren Abkühlung in der gesamten Wirtschaft zu rechnen. Unternehmen wissen inzwischen überhaupt nicht mehr, wo sie investieren sollen, wenn das Ergebnis von Handelsvereinbarungen nicht absehbar ist."

Keine Rezessionssorgen
Die meisten Investmentgesellschaften wie BlackRock und Ethenea erwarten unterm Strich vielmehr ein moderates Wachstum. „Angesichts geringer Rezessionssorgen dürften sich Anleger in den nächsten Monaten nicht mehr Fragen, in welchem Stadium des Zykluses sich die Konjunktur befinden. Die Frage, wie es mit dem Welthandel und dem Handelskrieg weitergeht und ob womöglich geopolitische Risiken die nächste Rezession auslösen werden, rückt in den Vordergrund“, glaubt Kapitalmarktstratege Hermann von BlackRock.

Geopolitische Risiken wiegen derzeit schwerer Die Vergangenheit zeigt: Gerade in einer Phase, in der das Wachstum schwächelt, schlagen geopolitische Risiken laut BlackRock stärker auf die Märkte durch. Der amerikanische Fondsgigant hat daher auch seine globale Wachstumsprognose gesenkt.

China schwächelt, Streit und Konsum als Ursache
Wie gut der Wirtschaftsmotor der Welt läuft, hängt auch von China ab. Für Chinas Wirtschaft rechnen die Anlagestrategen von BlackRock mit einer Flaute, die den Zöllen der Amerikaner zuzuschreiben ist. Der Außenhandel geht zurück. Als weiteres Zeichen der Schwäche Chinas wird das stagnieren der Erzeugerpreise gewertet. Die Aktienspezialisten von HSBC sehen die Ursachen für die aufkeimende Schwäche Chinas anderswo. „Diese rühren weniger vom Handelskonflikt, sondern von einer nachlassenden heimischen Nachfrage. Die Regierung ist jedoch gewillt, die Wirtschaft über fördernde Maßnahmen am Laufen zu halten“, so HSBC in ihrem Ausblick. Trotz eines Wachstumsrückgangs im zweiten Quartal rechnet die Regierung Chinas für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 6 bis 6,5 Prozent. Der Rückgang gerade im Handel, ausgelöst durch den Handelskonflikt, und die Verunsicherung der Investoren, bremst nicht nur das Wachstum in China, sondern auch in den USA und schadet der globalen Konjunktur.

Sinkende Gewinne erwartet
Zum sinkenden Wirtschaftswachstum kommt der Druck auf die Unternehmensmargen. Derzeit sind die Gewinne der Firmen zwar auf Rekordhöhen. Unsicherheit und der angespannte Arbeitsmarkt, vor allem in den USA, würden die Margen aber in den nächsten Monaten sinken lassen, prognostiziert Ethenea. „Die Unternehmen werden ihre Gewinnprognosen nach unten revidieren“, glaubt auch DWS-Co-Aktienchef Andre Köttner. Die Schwäche der Unternehmen liegt laut HSBC weniger beim Umsatz, als vielmehr bei gestiegenen Kosten, die auf die Margen drücken. Deren Analysten gehen derzeit von rund fünf Prozent Gewinnwachstum für die nächsten zwölf Monate aus.

Aktienquote auf hohem Niveau
Trotz dieser ökonomischen Eintrübung und sinkender Unternehmensgewinne, bleiben die Aktienstrategen erstaunlich optimistisch, was die Entwicklung der Börsen anbelangt. "Die späte Phasen des Konjunkturzykluses können lange anhalten. Und die Notenbanken bereiten durch die lockere Finanzpolitik den Boden für einen anhaltenden Aufschwung", begründet Hermann von BlackRock den weiterhin hohen Aktienanteil in den Depots. Krisenfest sollen die Portfolios vorsorglich dennoch gemacht werden. Grund dafür seien die erhöhten Unsicherheiten auf Makroebene.

Stabil wachsende Branchen bevorzugt
Ethenea bevorzugt Unternehmen aus den Sektoren Technologie, nicht-zyklischer Konsum und Gesundheit, da diese im Schnitt ein relativ stabiles, strukturelles Wachstum aufweisen. Die deutsche Fondsgesellschaft DWS investiert ebenfalls vorzugsweise in Techwerte und Bankaktien, vorzugsweise aus den USA.

US-Aktien bevorzugt?
Wie die DWS hält auch BlackRock US-Aktien nach wie vor für vernünftig bewertet. Die von Anlegern bei US-Aktien verlangte Risikoprämie ist stetig gesunken, liege aber deutlich über dem Niveau früherer Zyklen. Andreas Böger, Manager des C-Quadrat GreenStar ESG, der mit dem Fonds seit Jahresbeginn fast 19 Prozent Rendite erwirtschaftete, hat US-Aktien derzeit mit 65 Prozent ebenfalls deutlich übergewichtet. Für den Spezialisten für die Auswahl von Unternehmen, die sich ökologisch und sozial verhalten und sich durch eine vorbildliche Unternehmensführung auszeichnen, sind solide wachsende Unternehmen mit einem hohen Cashflow aus den Branchen Tech, Gesundheit und Finanzen und nicht-zyklische Konsumgüter erste Wahl. Das größte Gewicht im Fonds haben derzeit Blue Chips von qualitativ hochwertigen Unternehmen wie Microsoft, L´ Oreal, Procter & Gamble, Merck und Mastercard. Die Papiere haben allesamt hohe Erträge erwirtschaftet. Microsoft erzielte innerhalb des letzten Jahres einen Wertzuwachs von 35 Prozent, L´Oreal von 20 Prozent, Procter & Gamle stieg um 52 Prozent, Merck um 13 Prozent. Mastercard erzielte an der Börse in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 40 Prozent.


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Europa mit zwiespältigem Ausblick - viele alteingesessene Unternehmen ohne Perspektive
In Europa sollten laut BlackRock, dank der Schützenhilfe der EZB, die Abwärtsrisiken begrenzt sein. Europäische Aktien wurden in der Asset Allocation sogar höher gewichtet, wenn BlackRock wie Ethenea in den USA höhere Kurschance sieht. Vor allem die Langfristperspektive eine Reihe großer alteingesessener Unternehmen in Europa schreckt Ethenea ab. „Ihre Geschäftsmodelle stehen unter strukturellem Druck. Sie haben in den letzten 20 Jahren auf Indexebene unterm Strich kein Gewinn- und Umsatzwachstum gemacht. Auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern“, so Ethenea in einem Ausblick.


Die Kurseuphorie beim Dax scheint übertrieben und ist maßgeblich geldpolitisch induziert

DWS erwartet schwächeren Dax zu Jahresende
Eine magere Entwicklung könnte auf den deutschen Aktienindex zukommen. Die deutsche Fondsgesellschaft DWS erwartet für das Börsenbarometer bis Jahresende einen leichten Rückgang von derzeit 12.469 auf 12.300 Punkte. Die DZ Bank urteilt über das zuletzt überragende Kursplus im Dax: "Die Kurseuphorie
scheint übertrieben und maßgeblich geldpolitisch induziert." In Deutschland steigt nach Angaben der DZ Bank die Anzahl der Gewinnwarnungen fast täglich.Als Gründe werden geopolitische Risiken, ein drohender harter Brexit und der Handelsstreit der EU mit Italien genannt.


Der recht teure US-Markt könnte konsolidieren

USA bereits mit zu hohem Kursaufschlag?
Die Allianz Global Investors sieht die Lage für Anleger in Europa mit mehr Zuversicht und gewichtet Eurolandtitel wie BlackRock höher als bisher. Ihre Begründung: US-Aktien seien bereits viel zu weit gelaufen. Der Kursaufschlag gegenüber europäischen Werten lege bei 40 Prozent. Das sei nicht gerechtfertigt. Die DZ Bank erwartet folgende Entwicklung: "Zunächst sollte die Zinssenkungshysterie aus den Märkten entweichen und insbesondere der recht teure US-Markt könnte konsolidieren."

Ethenea, DWS und Blackrock bevorzugen US-Aktien
Gegen Ende des Jahres könnten sich die Aktienmärkte aber laut Ethenea insgesamt wieder beruhigen und neue Höchstkurse wären möglich. Bis es soweit ist, müssen aber Lösungen für die aktuellen Krisenherde, allen voran den Handelsstreit, gefunden werden.


Warten wir ab, ob die Zentralbanken im Sinne der Wirtschaft und der Märkte handeln

Aktien: Nach wie vor das bevorzugte Investment
Wie für andere Investmentgesellschaften ist für HSBC die globalen Aktienmärkte die wichtigste Assetklasse, um im zweiten Halbjahr an der Börse Geld zu machen. Bei den Aktienkursen erwartet HSBC global für die nächsten sechs bis zwölf Monate ein Aufwärtspotenzial von fünf bis zehn Prozent. Robert Michele von JP Morgan schreibt: "Warten wir ab, wie sich die Dinge im Sommer entwickeln und ob die Zentralbanken in unserem Sinne eingreifen, um Wirtschaft und Märkte aufzufangen."

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