Höhenluft: AUA fliegt zurück in die Gewinnzone

Austrian Airlines CFO Heinz Lachinger

Das zweite Quartal ist gut gelaufen - AUA-CFO Heinz Lachinger dämpft allerdings ein wenig die Erwartungen.

Die AUA konnte zur Jahresmitte den Verlust des ersten Quartals wettmachen. Finanzvorstand Heinz Lachinger rechnet allerdings damit, dass das zweite Halbjahr angesichts der Terrorangst und des politischen und wirtschaftlichen Umfelds schwieriger wird.

Die Lufthansa (ISIN DE0008232125) Tochter AUA (Austrian Airlines) hat mit dem Geschäft im zweiten Quartal den im Auftaktquartal eingeflogenen Verlust wettgemacht. Zur Jahresmitte wurde damit operativ der Break-even erreicht. Im Gesamtjahr wird weiterhin mehr Betriebsgewinn erwartet als 2015. Allerdings stutzt der Vorstand die Erwartungen etwas zurück.

Die Verbesserungen konnten vor allem durch geringere Treibstoff- und Technikkosten sowie einen positiven Einmaleffekt aus dem Abschluss eines langfristigen Mietvertrags mit dem Flughafen Wien erzielt werden. Positiv wirkte sich im ersten Halbjahr 2016 außerdem der Ausbau des deutsch-österreichischen Nachbarschaftsverkehrs aus. Seit heuer hat Austrian Airlines beispielsweise Frankfurt direkt über Innsbruck, Graz und Salzburg an ihr eigenes Streckennetz angebunden.

Die Zeiten werden schwieriger

Die Freude über die Verbesserung des wirtschaftlichen Ergebnisses ist bei Austrian Airlines CFO Heinz Lachinger derzeit dennoch eher verhalten. „Wir rechnen zwar nach wie vor mit einer Steigerung des Adjusted EBIT im Vergleich zum Gesamtjahr 2015. Vor dem Hintergrund des schwierigen politischen und wirtschaftlichen Marktumfelds und der mehrfachen Terroranschläge in Europa in den vergangenen Wochen wird die Steigerung aber nicht mehr so deutlich ausfallen wie noch vor einigen Monaten erwartet“, erklärt Lachinger.

2015 hatte Austrian Airlines 52 Millionen Euro Adjusted EBIT ausgewiesen. Den größten Gewinnanteil erwirtschaften Fluglinien traditionellerweise im laufenden 3. Quartal. In den ersten Monaten 2016 hat auf der Langstrecke das Nordamerika-Geschäft gelitten, hier schlugen sich "Reisehinweise" der USA über die Sicherheitslage in Europa negativ nieder.

Seit dem ersten Halbjahr fliegt Austrian Airlines Shanghai in China an. Die weniger profitable Strecke nach Delhi wurde im Gegenzug eingestellt. Auf die Air India, die nun Wien mit der indischen Hauptstadt verbindet, wurde ein Code-Share gelegt. Mit September 2016 wird außerdem Tokio aus dem Programm genommen und Hong Kong und Kuba im Gegenzug angeflogen. Austrian Airlines verspricht sich daraus zum einen ein ausgewogeneres Langstrecken-Netz, zum anderen Verbesserungen bei den Streckenergebnissen. Gegenläufer dieser Strategie befinden sich im Langstreckennetz nach Nordamerika. Denn Reisehinweise der USA betreffend die Sicherheitslage in Europa wirken sich negativ auf das Streckenergebnis aus.

Top Mitarbeiter an Bord

Top-Platzierungen hat die AUA bei den renommierten Skytrax - World Airline Awards 2016 eingeheimst. Allen voran wurde das Austrian Service am Boden und an Bord zum dritten Mal in Folge mit dem ersten Platz in der Kategorie „Best Airline Staff Service in Europe“ ausgezeichnet. In der Weltrangliste befindet sich Austrian immerhin auf Platz 19 der besten Airlines.

Im Vergleich zum Vorjahr musste Austrian Airlines dagegen eine leichte Verschlechterung bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit hinnehmen. Die Abflugspünktlichkeit lag bei 88,1 Prozent (1. Halbjahr 2015: 90,1 Prozent) und die Ankunftspünktlichkeit bei 87,1 Prozent (1. Halbjahr 2015: 89,2 Prozent). Die Regelmäßigkeit lag bei 98,4 Prozent (1. Halbjahr 2015: 99,0 Prozent). Die Anzahl der Flüge ist um sechs Prozent auf 65.103 gestiegen. Das entspricht einem Durchschnitt von 358 Flügen täglich.

In den ersten sechs Monaten des Jahres flogen knapp 5,1 Millionen Passagiere mit Austrian Airlines. Das sind 110.000 oder 2,2 Prozent mehr Fluggäste als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Den weiteren Jahresverlauf sieht Austrian Airlines wegen der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Marktbedingungen verhalten optimistisch: „Der Sommer entwickelt sich zufriedenstellend. Ausgehend von einer stabilen Buchungslage und dem guten Halbjahresergebnis erwarten wir dieses Jahr eine Steigerung des Adjusted EBIT über Vorjahr“, so CFO Lachinger. Nach dem 1. Quartal 2016 hatte Austrian Airlines noch eine „deutliche“ Ergebnissteigerung prognostiziert.

Zahlen im Überblick

Die Gesamterlöse der Austrian Airlines stiegen im ersten Halbjahr 2016 um 2,9 Prozent oder 30 Millionen Euro auf 1.060 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015: 1.030 Millionen Euro). Die Gesamtaufwendungen wuchsen insbesondere aufgrund höherer Personal- und Schulungsaufwendungen im Zusammenhang mit der Embraer-Einflottung sowie einem stärkeren US-Dollar um 1,0 Prozent auf 1.058 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015: 1.047 Millionen Euro) an.

Das EBIT zum 30. Juni 2016 beträgt 2,0 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015: -17,1 Millionen Euro). Das Adjusted EBIT liegt nach Abzug der Erlöse aus Flugzeugverkäufen (Fokker) und sonstigen Abschreibungen bei -0,1 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015: -17,2 Millionen Euro). Das zweite Quartal 2016 ist mit 29 Millionen Euro Adjusted EBIT positiv, aber mit sieben Millionen Euro unter dem Vorjahresquartal (2. Quartal 2015: 36 Millionen Euro).


Service: Das Finanzergebnis der Austrian Airlines für das 1. Halbjahr 2016 zum Download


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